"Es geht um Emotionen"
Schokolade vom Glatzenmann

Wie der israelische Chocolatier Oded Brenner mit seinen Restaurants und ungewöhnlichen Rezeptideen die Welt erobert. Restaurantkritiker erklärten ihn bereits zum „Armani der Schokowelt“. Eine Handelsblatt-Reportage.

HB DÜSSELDORF. Wer die Max Brenner Chocolate Bar am Union Square in Manhattan betritt, fühlt sich wie auf dem Filmset für den Kinohit „Charlie und die Schokoladenfabrik“. Pizza, Fondue und unzählige Getränkevariationen, hergestellt aus einem der wenigen Stoffe, die süchtig machen und trotzdem legal sind. Im Sommer 2006 eröffnet, brummt der Laden gewaltig. Auf mehr als 450 Quadratmetern findet der Schokoholiker alles, was das Herz begehrt. Sechs Millionen Dollar sollen hier jährlich umgesetzt werden. Und nur einige Monate später eröffnete an der Lower East Side in New York die zweite, wenn auch nur halb so große Dependance des süßen Imperiums. Eine dritte in Las Vegas steht auf dem Plan

.

„Jeder, der den Laden betritt, fragt, warum nicht schon früher jemand auf die Idee gekommen ist“, sagt Oded Brenner. Das Konzept des 38-jährigen Chocolatiers mit dem rasierten Schädel ist schnell erklärt: „Bei Schokolade geht es um mehr als nur guten Geschmack und Qualität, nämlich um die Emotionen, die mit dem Produkt verbunden sind.“ Brenner versteht sich deshalb nicht nur als Küchenchef, der einfach ein paar neue Rezepte kreiert hat, sondern als Botschafter einer neuen „Schokoladenkultur“. Restaurantkritiker erklärten ihn deshalb bereits zum „Armani der Schokowelt“. Der Konsum soll als sinnliches Erlebnis zelebriert werden – zum Beispiel mit „Suckao“, einem ganz besonderen Schokodrink. Dabei werden in einer Metalltasse Sahne, Gewürze und verschiedene Schokoladensorten eingeschmolzen, die der Gast dann mit einem Strohhalm trinkt.

Die USA sind nicht der einzige Auslandsmarkt für die kalorienreiche Romantik aus dem Hause Brenner, aber der jüngste. Bereits seit einigen Jahren ist die Firma mit nunmehr elf Filialen in Australien präsent sowie mit jeweils einer weiteren auf den Philippinen und in Singapur. In Israel sind es fünf Schokoladenrestaurants, die um die Kundschaft buhlen. Pläne für eine Expansion nach Europa gibt es derzeit noch keine. Max Brenner war nur eines von vielen Unternehmen, die in dem kleinen Israel mit seinen knapp sieben Millionen Einwohnern Klaustrophobiegefühle zu entwickeln begannen und ihr Glück deshalb im Ausland versuchten. Auch die Espressobarkette Aroma eröffnete im vergangenen Jahr ausgerechnet im Heimatland von Starbucks & Co. ihre ersten Filialen. Und Castro, Israels Antwort auf H&M, expandierte munter in Deutschland, der Schweiz, Russland sowie Thailand und betreibt weltweit mittlerweile rund 30 Bekleidungsgeschäfte.

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