Es gilt zahlreiche Stolpersteine zu überwinden
Aldi und Lidl wollen Schweizer Markt erobern

Mit der Schweiz verbinden Touristen nicht nur schöne Landschaften, schneebedeckte Berge und wunderschöne Seen, sondern auch enorm hohe Preise. Dies wollen die Discounter Aldi und Lidl ändern. In jeweils bis zu 60 Filialen sollen Einwohner und Touristen demnächst auch preiswert einkaufen können. Doch die Meinungen sind gespalten.

HB GENF. Noch immer zahlt der Schweizer im Durchschnitt über die Hälfte mehr für Lebensmittel als der Kunde in der Europäischen Union. Das könnten die deutschen Discounter Aldi und Lidl ändern, wenn sie mit ihren Plänen durchkommen. Doch viele Stadträte sperren sich - angeblich, weil die Läden zu viel Verkehr bedeuteten. Selbst der Bau des neuen Stadions in Zürich, in dem zur Fußballeuropameisterschaft 2008 gespielt werden soll, ist gefährdet. Denn dort soll auch ein neues Einkaufszentrum entstehen. Anwohner klagen dagegen.

Ein ähnliches Schauspiel bot sich, als jetzt in Uster bei Zürich die bürgerlichen Parteien einen Bebauungsplan für 26 000 Quadratmeter Fläche - zweieinhalb Fußballfelder - für ein Einkaufszentrum bewilligen wollten. Laut stöhnten die Sozialdemokraten daraufhin auf. Sie fürchten eine Verödung der Innenstadt - und den zusätzlichen Verkehr. Kurioserweise wollen sie das Areal jedoch einem Autohändler zusprechen.

Aldi und Lidl suchen in der Schweiz nach mehr als 5000 Quadratmeter großen Grundstücken. Die Sahnestücke sind derzeit von den Schweizer Einzelhandelsriesen Migros und Coop belegt, die an der zusätzlichen Konkurrenz natürlich kein Interesse haben.

Auch die Schweizer Bauern wären von dem Bau der neuen Filialen betroffen. Schon jetzt wandern im Jahr rund 1,4 Milliarden Franken in die grenznahen Einkaufszentren von Deutschland und Frankreich ab. Die Schweiz hat die höchsten Einfuhrzölle für Agrarerzeugnisse der Welt. Bei Gemüse und Früchten betragen sie bis zu 800 Prozent - wenn einheimische Ware auf dem Markt ist. Deswegen bangen Schweizer Gemüsebauern auch um ihre Existenz, sollten im Rahmen der Verhandlungen über die Handelsfreigabe bei der Welthandelsorganisation die Agrarsubventionen abgebaut werden müssen. So zitiert die „Luzerner Zeitung“ Baudirektor Tony Maeder von der Gemeine Emmen bei Luzern mit dem Hinweis: „Bei uns hat ein Discounter keine Chance.“ Die Gemeinde wolle keinen zusätzlichen Verkehr.

Doch nicht alle sind den Discountern feindlich gesinnt. Es gibt auch zahlreiche Befürworter der Pläne. So spricht zum Beispiel der „Tages-Anzeiger“ von einem „absurden Schutz“ für Migros und Coop. Beide Konzerne beherrschen den Schweizer Markt mit jeweils rund 10 Milliarden Franken (6,5 Mio Euro) Umsatz im Jahr. Zudem würde durch die beiden neuen Discounter die Konkurrenz auf dem Schweizer Markt wachsen. Dies wiederum könnte zu tieferen Preisen auch im übrigen Einkaufshandel führen.

Strikte raumplanerische Vorschriften in Kantonen und Gemeinden verhindern ein Anschwellen des Verkehrs. Das ist an sich zu begrüßen, sagen Umweltschützer. Es behindere aber auch extrem den Wettbewerb, meinen Marktwirtschaftler.

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