Es könnte ein Bumerang sein
Lotto-Glück als Medizin

Deutschland freut sich: Der Krankenstand ist „auf einen neuen historischen Tiefstand“ gesunken, melden die Agenturen. Die Briten sorgt ein entgegengesetzter Trend. Wie britische Konzerne gegen den Krankenstand kämpfen.

LONDON. Erstmals seit fünf Jahren haben dort die Krankmeldungen in den Betrieben wieder zugelegt. Allein bei der britischen Post melden sich jeden Morgen rund 10 000 Mitarbeiter ab. Royal Mail, einst Garant für Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, kostet dies Image und eine halbe Milliarde Euro pro Jahr.

Der Konzern geht nun einen ungewöhnlichen Weg. Den Mitarbeitern, die brav zum Schalterdienst oder am Sortierband erscheinen, winkt das große Los. Wer sich bis Ende Januar nicht krank meldet, nimmt am „Post-Lotto“ teil. Dort verteilt das Management nun 34 Ford Focus und 68 Traumreisen (je 3000 Euro) per Tombola. So ernst ist die Lage.

Royal Mail liegt beim Krankenstand deutlich über dem britischen Schnitt von sieben Fehltagen. Noch schlechter sieht es jedoch bei British Airways aus. Hier fehlt das Personal im statistischen Mittel sogar an 17 Tagen im Jahr. Der Konzern will nun mit einer Anwesenheitsprämie die Lazarett-Bilanz drücken: 1000 Pfund (1500 Euro) erhalten Mitarbeiter, die im Jahr nur noch acht Tage wegen Krankheit fehlen.

Davon kann Deutschland – trotz Positivtrend – nur träumen: 2003 fehlten deutsche Beschäftigte durch Krankheit im Schnitt 13,5 Tage. Vielleicht fehlt es ja an Anreizen. Beamte von Londoner Ministerien können ihr Gehalt aufbessern, wenn sie im Jahr keine volle Woche krank sind. Und beim Supermarktriesen Tesco gibt es zwar kein Geld, dafür sind drei zusätzliche Tage bezahlter Urlaub drin. Zuckerbrot statt Peitsche.

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