Etablierte Gesellschaften wollen mit eigenen Discount-Anbietern kontern
Asiens Billigflieger stehen auf der Rollbahn

In Asien bahnt sich ein Boom der Billigflieger an. Erfolgreiche Trendsetter wie die australische Virgin Blue und die malaysische Air Asia, aber auch Lockerungen der Luftfahrtbestimmungen in Thailand und Singapur setzen die größeren Airlines der Region zunehmend unter Zugzwang. Die wollen offenbar rasch handeln: So plant Thai Airways, im April 2004 eine eigene Discount-Airline zu starten.

mg PEKING. Die Gesellschaft lässt sich derzeit von westlichen Beratungsfirmen eilig ein Konzept ausarbeiten. An dem Billig-Ableger soll Thai Airways nach Angaben ihres Präsidenten Kanok Apiradee lediglich 25 bis 49 % halten. Thailands Transportminister Suriya Jungrungreangkit will künftig zulassen, dass ausländische Firmen 49 % der Anteile an lokalen Airlines erwerben.

Auch Lufthansa-Partner Singapore Airlines ist bereit, eine Discount-Airline zu gründen, falls sie von Billigfliegern attackiert wird. Lange wird das Unternehmen nicht warten müssen: Die von einem Ex-Manager von Singapore Airlines gegründete Valu Air erwartet die Genehmigung ihres Lizenzantrags im ersten Halbjahr 2004. Und Air Asia will im Herbst Flüge zwischen Malaysias Hauptstadt Kuala Lumpur und dem Staat Johor direkt vor der Türe Singapurs aufnehmen.

Air Asia ist einer der größten Unruhestifter der Region. Der Brite Tony Fernandes hatte die Airline für einen Pfennigbetrag vom Fahrzeughersteller DRB-Hicom übernommen. Fernandes wagte nach den Terroranschlägen vom September 2001 einen Neustart, halbierte die Kosten – und senkte die Preise. So fliegt Air Asia zwischen Kuala Lumpur und der Insel Penang für kaum mehr als die lokalen Tarife öffentlicher Busse. 2002 erreichte sie die Gewinnzone und hat nun eine Auslastung von 70 %. Ende des Jahres sollen zu den 14 Zielen in Malaysia Flughäfen in Indonesien, Anfang 2004 in Thailand hinzukommen.

Selbst die europäische Konkurrenz zeigt Interesse an einem Einstieg in Asien. Seit Juni verhandelt Tony Ryan, Gründer der Billig-Airline Ryanair, über einen Einstieg bei der Air Macau in der chinesischen Sonderwirtschaftszone.

Wie sehr die Billigflieger etablierte Airlines unter Druck setzen können, zeigt eine Berechnung von J.P.-Morgan-Analyst Peter Negline: Der Vorstoß von Ryanair in Macau könnte Hongkongs führende Airline Cathay Pacific 1,5 Mrd. $ Umsatz kosten – wenn nämlich genügend Taiwaner über Macau nach China fliegen statt wie bisher über Hongkong mit Cathay. Und Merrill Lynch erwartet, dass Qantas in Australien die Betriebskosten bis zu 15 % senken muss, um sich der Konkurrenz von Virgin Blue zu erwehren.

Virgin Blue hat in kurzer Zeit 28 % des australischen Marktes erobert. Virgin hat nach Schätzung von Marktbeobachtern einen Kostenvorteil von bis zu 30 % gegenüber Qantas – vor allem dank günstiger Vereinbarungen mit den Gewerkschaften. Qantas reagiert jetzt: Die Airline will im November die Machbarkeitsstudie für einen eigenen Billig-Ableger präsentieren.

Die Meldungen über neue Billigflieger reißen unterdes nicht ab. Im Februar will der britische Milliardär Richard Branson im neuseeländischen Christchurch Pacific Blue gründen – als Ableger von Virgin Blue. Und Air New Zealand baut ihren Billig-Ableger Freedom Air aus.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%