Etihad vor Einstieg
Alitalia wird arabisch

Etihad steht vor dem Einstieg bei Alitalia. Nach Air Berlin würde die Golf-Airline damit eine weitere notleidende Fluggesellschaft mit frischem Geld versorgen. Die Araber basteln an ihrem weltweiten Netzwerk.
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DüsseldorfAlitalia wartet auf die Geldspritze aus Arabien: Die ehemalige italienische Staats-Airline ist auf der Suche nach einem neuen Kapitalgeber offenbar fündig geworden. Etihad soll bereit sein, der Fluggesellschaft 300 Millionen Euro frisches Geld zu geben. Das berichtet die Finanznachrichtenagentur Bloomberg und beruft sich auf drei mit dem Vorgang vertraute Personen.

Die Gespräche sollen bereits weit fortgeschritten sein. Etihad würde durch die Kapitalspritze der größte Anteilseigner bei den Italienern, heißt es. Die endgültige Entscheidung stehe noch aus, die Verantwortlichen würden sich aber schon am Donnerstag in Rom treffen, um zu einem Abschluss zu kommen.

Für die Araber wäre es nach Air Berlin die zweite große Beteiligung in Europa. An der zweitgrößten deutschen Fluggesellschaft hält Etihad einen Anteil von 30 Prozent.

Vor einer Woche hatten Insider bereits berichtet, dass Etihad die Bücher von Alitalia prüfe. Die ehemalige Staats-Airline steckt in einem Dilemma: Nach jahrelanger Misswirtschaft und immer neuen Finanzspritzen sitzt das Unternehmen auf einem Schuldenberg von mehr als 800 Millionen Euro und fliegt täglich Verluste von rund 700.000 Euro ein.

Vor wenigen Tagen konnte mit Mühe und Not eine Kapitalerhöhung organisiert werden, die 300 Millionen Euro in die leeren Kassen spült. Alitalia bekommt damit eine Verschnaufpause von sechs Monaten, in denen ein starker Partner gefunden werden muss, der in die Flotte investiert und die Linie in die schwarzen Zahlen führt.

Genau hier kommt die rasant wachsende Etihad ins Spiel, die sich bereits bei einigen europäischen Airlines mit Minderheitsbeteiligungen eingekauft hat. Hilfreich ist, dass sich Etihad aus dem ölreichen Golfemirat Abu Dhabi und die Italiener gut kennen. Die beiden Airlines führen gemeinsam Flüge zwischen Abu Dhabi und Italien durch.

Die dem Herrscherhaus des Emirats gehörende Etihad nimmt vor allem schwächelnde Airlines unter ihre Fittiche: Neben der kriselnden Air Berlin sind die Araber noch an Aer Lingus aus Irland, Air Serbia und dem Schweizer Regionalflieger Darwin Airline beteiligt. Die Partner sollen möglichst viele Passagiere zum Etihad-Drehkreuz nach Abu Dhabi transportieren. Durchregieren kann Etihad bei den Europäern aber nicht: Nicht-EU-Airlines dürfen laut Gesetz höchstens 49 Prozent an europäischen Fluglinien halten.

Einen sperrigen Partner wird Alitalia aber los: Der bislang größte Aktionär Air France-KLM zieht bei der Kapitalerhöhung nicht mit, da ihm die bisherigen Sparpläne nicht reichen. Der Anteil des französisch-niederländischen Duos sinkt damit voraussichtlich auf sieben von bislang 25 Prozent.

Tobias Döring, Redakteur Unternehmen, Handelsblatt Online
Tobias Döring
Handelsblatt / Chef vom Dienst
Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Tag der Dämmerung!!!!

    Es ist sehr erstaunlich dass Etihad noch weitere Insolvenzen Kandidaten in Europa und anderswo kaufen möchte. Nun greift Etihad auf Alitalia die eigentlich keinem einzigen Jahr seit der Gründung profitabel war. Etihad ist mit der Kauf der Air Berlin Anteile überfordert and hat bis Heute kein wesentlichem Strategischen Milestones Erreicht. Nur die Passagiere durch Abu Dhabi zu schleusen ist sicherlich kein Strategy. Das ist schlicht sehr teuer kaputte Airlines zu kaufen und Ihre Netzwerk umzubauen damit aller Langstrecken Passagiere durch Ihren Hub zu schleusen. Es ist eine Frage der Zeit wenn Die Schaiks diese Geld Verschwendung ein ende setzen und James Hogan nach Hause schicken. Damit werden alle Beteiligung anderem überfällig and dann können die Steuerzahler oder die EU die noch Kaputten Airlines unter die Arme greifen um Arbeitsplätze zu sicheren. Damit ist nicht genug..... Etihad und die ganze schar von Holdings and GmbHs die gegründet sind um die Letze noch vorhanden assets zu kaufen und zurück zu leasen stellt noch dramatischen Zukunft Scenarios für Alitalia... Air Berlin und andre da. Es ist besser wenn Air Berlin, Alitalia und andere verschwinden. Sabena ist auch verschwunden..... Such A Bloody Experiance Never Again.

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