EU beschwert sich über US-Informationspolitik
Angeblich illegaler Genreis bei Aldi entdeckt

Nach dem Gammelfleisch-Skandal ist in Deutschland nun auch eine Debatte um illegalen genmanipulierten Reis in Lebensmitteln entbrannt.

HB FRANKFURT. Auch das Bundesverbraucherschutzministerium hat nach eigener Auskunft bisher keine amtliche Bestätigung für Genreis bei Aldi.

Bislang ist in der EU keine Genreis-Sorte zum Import oder Verkauf zugelassen. Die europäischen Verbraucher stehen gentechnisch veränderten Lebensmitteln besonders skeptisch gegenüber.

In der Greenpeace-Mitteilung hieß es, die bei Aldi Nord erhältliche Langkornreismarke "Bon-Ri" sei mit Genreis verunreinigt. Der Reis stamme aus den USA, Hersteller sei die Reiskontor Handels GmBH, eine Tochter der Euryza GmbH. Eine Aldi-Sprecherin sagte demgegenüber: "Laut unseren Untersuchungen gibt es bei Aldi Nord bislang keine Befunde auf Genreis." Aldi untersuche die Situation weiter und werde nötigenfalls beanstandete Produkte aus den Regalen nehmen. Von den 35 Regionalgesellschaften von Aldi Nord seien überhaupt nur acht von dem von Greenpeace genannten Lieferanten beliefert worden. Von Euryza war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

Eine Sprecherin des Bundesverbraucherschutzministeriums sagte, die Behörden der Länder seien Ende August zu verschärften Kontrollen auf der Suche nach Genreis aufgefordert worden. Bislang seien aber keine Funde an das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) gemeldet worden. "Wenn die Länderbehörden etwas gefunden hätten, dann hätten sie das weitergeben müssen und wir wüssten es", sagte die Sprecherin.

Laut Greenpeace soll es sich bei dem Genreis nach Laboranalysen wahrscheinlich um die Sorte "LL Rice 601" von Bayer handeln. Eine Sprecherin der Bayer-Pflanzenschutztochter CropScience äußerte sich dazu zurückhaltend. Um die Angaben der Umweltorganisation bewerten zu können, seien mehr Informationen nötig. "Wir wissen nicht, ob Greenpeace die Funde mit von der EU zertifizierten Testmethoden in dafür designierten Labors entdeckt hat", ergänzte sie. Behörden in den USA, Großbritannien und Kanada hätten bestätigt, dass die genannte Reissorte bei einem Verzehr sicher sei.

Mit dem Genreis wurden in den USA von der Vorgängerfirma Aventis CropScience Feldversuche unternommen, die aber nach Bayer-Angaben im Jahr 2001 beendet wurden. Bayer CropScience selbst vermarktet in den USA keine Reissorten. Die Genreis-Sorte "LL Rice 601" war unlängst in den USA in Reiscontainern entdeckt worden, die für den Lebensmittelmarkt bestimmt waren.

Der Genreis enthält ein Protein, das ihn gegen bestimmte Unkrautvernichtungsmittel resistent machen soll. Es war der erste derartige Fund bei Reis in den Vereinigten Staaten. Die EU-Kommission hatte daraufhin beschlossen, US-Langkornreis nur noch zum Import zuzulassen, wenn er nachweislich keine Anteile der Sorte der Bayer-Tochter CropScience enthält. Mehrere US-Reisbauern reichten inzwischen Klage gegen Bayer ein. Sie wollen eine Entschädigung wegen gefallener Reispreise erstreiten.

In diesem Jahr werden US-Reisbauern voraussichtlich Reis im Wert von rund 1,9 Mrd. Dollar ernten. Europa hat im vergangenen Jahr 300 000 Tonnen Reis aus den USA importiert. 85 Prozent davon waren Langkornreis. Die EU-Kommission hatte sich bereits bei der US-Regierung über deren Informationspolitik beschwert und bemängelt, dass es mehrere Wochen gedauert habe, bis sie über den Fund von Genreis-Spuren benachrichtigt worden sei.

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