EU - China
Handel fordert rasche Maßnahmen im Textilstreit

Europäische Einzelhändler haben am Dienstag von der EU umgehende Lockerungen der Importbeschränkungen für chinesische Textilien gefordert.

HB BRÜSSEL/DÜSSELDORF. Ansonsten drohten Unternehmenspleiten, warnte der Bundesverband des Deutschen Textileinzelhandels (BTE). Die großen europäischen Einzelhandelsverbände wollten sich am Dienstag in Brüssel treffen, um ihre Forderungen an EU-Handelskommissar Peter Mandelson abzustimmen, sagte Ralph Kamphoener, Berater des europäischen Einzelhandelsverbandes Eurocommerce in Brüssel. Millionen chinesischer Pullover, Hosen und Blusen lagern derzeit an den Grenzen und können nicht an die Geschäfte ausgeliefert werden, weil die von der EU festgelegten Importquoten für 2005 bereits ausgeschöpft sind.

„Wir brauchen eine Lösung, die Händlern und Importeuren so schnell wie möglich die Einfuhr der Ware gestattet“, sagte Kamphoener. BTE-Hauptgeschäftsführer Jürgen Dax warnte im Reuters-Interview: „Etliche Unternehmen haben ernste Probleme wegen der festsitzenden Ware. Ich kenne mehrere kleinere Importeure und Großhändler, die sich auf den Asienmarkt spezialisiert haben und vor der Insolvenz stehen, wenn die EU nicht schleunigst einlenkt.“ Dax forderte zum raschen Handeln auf. „Der Standpunkt von Handel und Herstellern ist einhellig: Das muss schnellstmöglich gestoppt, neu geordnet und eventuell rückabgewickelt werden.“ Auch Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement hatte jüngst Ausnahmen vom Importstopp gefordert.

Am Mittwoch werden EU-Experten nach Peking reisen, um den Fall mit chinesischen Unterhändlern zu besprechen. „Dies ist wirklich eine dringliche Angelegenheit“, sagte Kamphoener.

Mandelson steht unter Druck, einerseits die europäische Textilindustrie vor einer Schwemme chinesischer Importe zu schützen und andererseits den Händlern vor der Herbst-Winter-Saison den Verkauf der stark nachgefragten Ware zu ermöglichen. Insbesondere in Frankreich, Italien und Spanien, aber auch in mehreren der neuen osteuropäischen EU-Mitgliedsstaaten spielt die Textilbranche eine große wirtschaftliche Rolle.

BTE-Geschäftsführer Dax übte Kritik an diesen Ländern, auf deren Drängen hin die jüngsten Quotenbeschlüsse der EU zu Stande gekommen waren. „Wir haben zehn Jahre lang Zeit gehabt, um uns auf das Ende der Chinaquoten vorzubereiten. Die deutschen Händler und Hersteller waren sehr gut vorbereitet auf diesen Einschnitt, aber in Spanien und Portugal ist rein gar nichts geschehen. Diesen Ländern verdanken wir nun neuen Protektionismus.“

Die EU-Kommission und die Regierung in Peking hatten sich im Juni angesichts eines drastischen Anstiegs der chinesischen Textil-Einfuhren auf neue Importschranken geeinigt. Zuvor war zum 1. Januar das alte Quotensystem ausgelaufen. Doch die neuen Quoten unter anderem für Pullover und T-Shirts sind wegen der kräftigen Nachfrage bereits ausgeschöpft. Mandelson will wegen des wachsenden Drucks mit China über Ausnahmen verhandeln. Eine Möglichkeit wäre, einige der für 2006 vorgesehenen Einfuhren auf 2005 vorzuziehen.

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