EU-Kartellwächter haben Bedenken
Ryanair gibt bei Aer-Lingus auf

Erst hat Aer Lingus das Übernahme-Angebot von Ryanair vehement abgelehnt, dann haben auch noch die EU Wettbewerbshüter erhebliche Bedenken angemeldet. Die Fusion könnte erhebliche Nachteile für die Kunden mit sich bringen, so die EU. Ryanair zieht zwar sein Angebot nun zurück, aber die Iren haben noch nicht ganz aufgegeben.

HB BRÜSSEL/DUBLIN. Europas führender Billigflieger Ryanair zieht sein Gebot für die ehemalige irische Staatsgesellschaft Aer Lingus vorerst zurück. Die Entscheidung der EU-Kommission, die Übernahmepläne wegen wettbewerbsrechtlicher Bedenken noch eingehender zu untersuchen, sei der Auslöser für diesen Schritt gewesen, teilte Ryanair am Mittwoch mit. Das Unternehmen kündigte jedoch zugleich ein zweites Angebot für Aer Lingus an, sollte die EU nach Abschluss des Prüfverfahrens ihre Zustimmung zu der Fusion geben.

Die EU-Wettbewerbsbehörde hatte Bedenken gegen die angestrebte Übernahme von Aer Lingus durch Ryanair angemeldet. Die Fusion könnte nach Ansicht der EU erhebliche Nachteile für die Kunden mit sich bringen. Die Wettbewerbsbehörde wolle die Pläne nun eingehend untersuchen und bis zum 11. Mai eine Entscheidung fällen. Das Übernahmeangebot war auch wegen anhaltenden Widerstands bei Aer-Lingus-Aktionären vom Scheitern bedroht.

Nach Ansicht der EU-Kommission sind in Folge der Fusion höhere Flugpreise und weniger Auswahl für die Verbraucher zu befürchten. Wettbewerbskommissarin Neelie Kroes betonte, die Reisenden müssten weiter zwischen konkurrierenden Flugangeboten wählen können. Das erste Angebot von Ryanair sei unzureichend gewesen, um die Bedenken auszuräumen. Ein nachgebesserter Vorschlag habe noch nicht ausreichend geprüft werden können.

Die Übernahme, die Aer Lingus mit 1,48 Mrd. Euro bewertet, war bei Aktionären, Mitarbeitern und Management der Fluggesellschaft auf Widerstand gestoßen. Auch der irische Staat hatte kein Interesse, seinen etwa 25-prozentigen Anteil zu verkaufen. Die Beteiligungsgesellschaft der Mitarbeiter hält 12,6 Prozent an Aer Lingus. Ryanair hatte den eigenen Anteil kürzlich auf gut 25 Prozent aufgestockt und will mindestens eine Kontrollmehrheit von 50,1 Prozent übernehmen. Die Übernahmefrist hatte Ryanair vor wenigen Tagen zum zweiten Mal verlängert: Die Aer-Lingus-Aktionäre sollen nun bis Freitag Zeit haben, die Offerte über 2,80 Euro pro Aktie anzunehmen.

Die beiden Fluggesellschaften bedienen rund 500 Strecken in Europa und transportieren mehr als 50 Mill. Passagiere pro Jahr. Derzeit liefern sie sich nur auf 17 Routen einen Wettbewerb, die meisten davon nach Großbritannien. Ryanair hatte das Angebot für Aer Lingus Anfang Oktober vorgelegt - nur wenige Tage nach dem Börsendebüt des Rivalen.

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