EU-Kommission nimmt Bahnunternehmen ins Visier – Lufthansa erwartet kaum Zusatzkosten: Verspätete und abgewiesene Fluggäste erhalten mehr Rechte

EU-Kommission nimmt Bahnunternehmen ins Visier – Lufthansa erwartet kaum Zusatzkosten
Verspätete und abgewiesene Fluggäste erhalten mehr Rechte

Donnerstag haben Fluggäste deutlich mehr Rechte auf Ausgleich und Entschädigung, wenn ihr Flug überbucht ist, kurzfristig annulliert wird oder mit großer Verspätung startet. Das regelt eine neue Verordnung der EU. Sie gilt für Linien- und für Charterflüge.

BERLIN. Ab Verbraucherschutzministerin Renate Künast (Grüne) äußerte die Erwartung, dass die neue Rechtslage die Fluggesellschaften zum Umdenken bewegen werde, da sie künftig für Überbuchungen und Flugausfälle teuer bezahlen müssten. EU-Verkehrskommissar Jacques Barrot hatte die Praxis vieler Airlines, mehr Tickets als verfügbare Plätze zu verkaufen, als einen der Gründe für die Verordnung genannt. Die Lufthansa begrüßte die neue Rechtslage. Sie lege Standards fest, die die Lufthansa ihren Passagieren längst unterbreite, sagte der Leiter Konzernpolitik, Thomas Kropp. Es gebe für Billiganbieter nun keine Schlupflöcher mehr.

Die Verordnung gilt für Fluggäste, die von einem Flughafen in der EU starten oder mit einer EU-Fluggesellschaft einreisen. Können Passagiere gegen ihren Willen einen Flug nicht antreten, weil dieser überbucht ist, haben sie die Wahl zwischen der vollständigen Erstattung des Ticketpreises und einem Ersatzflug. Zusätzlich steht ihnen eine Entschädigung zu (siehe Kasten). Die gleichen Rechte haben Passagiere, deren Flug annulliert wird, es sei denn, die Airline hat den Ausfall des Fluges nicht zu vertreten oder sie bietet eine anderweitige Beförderung kurz nach der ursprünglichen Abflugzeit an.

Noch ist aber unklar, ob die EU-Verordnung in allen Teilen Bestand haben wird. Der Branchenverband der internationalen Fluglinien IATA hat vor dem Europäischen Gerichtshof Klage eingereicht. Die Branche moniert, dass sie auch bei Verspätungen und Flugausfällen infolge höherer Gewalt haften müsse, etwa schlechtem Wetter und Streiks. EU-Kommissar Barrot wies dies zurück. „Die Fluggesellschaft muss nur beweisen, dass sie für den Ausfall nicht verantwortlich ist“, sagte er.

Die Lufthansa rechnet laut Kropp nicht mit einer „nennenswerte Kostenbelastung“ durch die neue Verordnung. Allerdings prüfe sie, ob freiwillige Leistungen, die über die EU-Standards hinausgehen, an diese angepasst würden. Auch der Billigflieger Germanwings gab sich gelassen. Man habe kein Problem mit Überbuchungen, sagte ein Sprecher. Der Chef von Martinair, Arie Verberk, erwartet dagegen Zusatzkosten in Höhe von 500 000 Euro.

Die EU-Kommission will die Passagierrechte weiter ausbauen. Barrot legte dazu gestern zwei weitere Verordnungsvorschläge vor. Danach sollen ältere und behinderte Menschen das Recht auf individuelle Betreuung durch die Fluggesellschaft ohne zusätzliche Kosten haben. Reiseveranstalter sollen verpflichtet werden, ihre Kunden darüber zu informieren, mit welcher Airline sie fliegen. Dies ist eine Reaktion auf den Absturz einer Maschine des ägyptischen Billigfliegers „Flash Airlines“ vor einem Jahr ins Rote Meer. Dabei starben 148 Menschen. Gegen die Gesellschaft hatte die Schweizer Luftverkehrsaufsicht wegen Sicherheitsmängeln ein Flugverbot verhängt.

Auch die Rechte der Bahnkunden will Barrot stärken. Sie sollen bei Verspätungen eine Entschädigung bekommen, die von der Dauer, dem Reisepreis und der Zugart abhängt. Die Regelung soll aber nur für den grenzüberschreitenden Verkehr gelten. Den Anbietern von Bus- und Seereisen will der EU-Kommissar eine freiwillige Selbstverpflichtung zum Schutz ihrer Passagiere abringen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%