EuGH-Urteil
Desaster für Doc Morris

Der Pharmagroßhändler Celesio kann seine Pläne, unter der Marke Doc Morris eine eigene bundesweite Apothekenkette zu betreiben, ad acta legen. Nach der Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs, dass in Deutschland auch weiterhin nur Pharmazeuten Apotheken besitzen und führen dürfen, rauschte die Celesio-Aktie gestern in den Keller.

STUTTGART/DÜSSELDORF/BERLIN. Das Papier verbuchte das größte Tagesminus seit dem Rekordrutsch vom Dezember. Da hatte EuGH-Generalanwalt Yves Bot bereits ein Plädoyer gehalten, wonach er die einschränkenden Regelungen im deutschen Apothekenmarkt wegen des besonderen Charakters von Arzneimitteln für vereinbar mit dem EU-Recht hält.

Viele Analysten, darunter Michael Jüngling von Merrill Lynch, beurteilen die Wachstumsaussichten von Celesio nun sehr viel kritischer - auch wenn Celesio-Chef Fritz Oesterle versicherte, die nun versperrte Liberalisierung sei für nur eine von vielen Möglichkeiten zu wachsen. Er halte am Ziel eines Gewinns vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von einer Mrd. Euro bis 2015 fest. 2008 hatte Celesio bei einem Umsatz von 21,8 Mrd. Euro ein Ebitda von 657 Mio. Euro erzielt.

Celesio und die Tochter Doc Morris wollen sich nun auf den Ausbau des Markenpartner- und Versandhandelsgeschäfts konzentrieren. "Der Versandhandel wird steil nach oben gehen", kündigt Oesterle an.

Celesio, zum Duisburger Familienkonzern Haniel gehörig, hatte im Mai 2007 für 180 Mio. Euro die Mehrheit an der Internet- und Versandapotheke Doc Morris gekauft. Das Unternehmen erreichte im vergangenen Jahr nach Angaben von Celesio-Vizechef Stefan Meister einen Umsatz von 220 Mio. Euro. Das erste Quartal sei ebenfalls "sehr zufriedenstellend" verlaufen. Laut Quartalszahlen schrieb der Versandhandel bei Celesio aber rote Zahlen, was maßgeblich auf eine millionenschwere Werbekampagne für die Marke Doc Morris zurückgeführt wird.

Neben dem Versandhandel will Celesio auch das Franchisesystem von Doc Morris ausbauen, für das sich bislang rund 150 inhabergeführte Apotheken entschieden haben. Der Umsatzbeitrag dieses Bereichs ist mit einer Mio. Euro im ersten Quartal allerdings noch klein. Ralf Däinghaus, Chef der Versandapotheke Doc Morris, willbis 2011 eine Größenordnung von 500 Franchise-Apotheken erreichen. Vor dem EuGH-Urteil habe man sich mit der Akquisition zurückgehalten, jetzt würden die Kooperationen mit den Apothekern aber wieder ausgebaut.

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