Euro Disney
Germanen lassen Micky links liegen

Deutsche Touristen meiden Euro-Disney wie der Teufel das Weihwasser. Noch forscht Europas größter Freizeitpark nach den Ursachen des Akzeptanzproblems. Trotz deutscher Absenz versprechen Micky für 2008 aber schwarze Zahlen.

PARIS. Bereits kurz nach acht Uhr umarmt Micky Maus jedes Kind, das an diesem heißen Sommertag durch die Eingangshalle des in die Jahre gekommenen Hotels New York stolpert. Vor den Hochhausfassaden aus Pappmaché winkt die Ikone des Medienkonzerns Disney in die Kameralinsen der Eltern.

Deutsche Kinder kann Micky Maus an diesem Morgen im Freizeitpark Euro Disney nahe Paris nicht in seine Arme schließen. Denn die deutsche Touristen meiden Europas größten Themenpark wie der Teufel das Weihwasser. Nur drei Prozent der jährlich 14,5 Millionen Besucher weltweit kommen nach Unternehmensangaben aus der Bundesrepublik. Dieses Fiasko hätten sich die Gründer von Disney im Jahr 1992 nicht in ihren kühnsten Träumen vorstellen können.

Rein theoretisch ist der Standort von Euro-Disney in Marne-la-Vallée in der Peripherie der französischen Hauptstadt ideal. Zu deutschen Metropolen wie Köln sind es kaum mehr als vier Autostunden. Disney-Marketingsstrategen sprechen gerne vom "German Croissant" und meinen damit das einem Butterhörnchen ähnelnde Einzugsgebiet des Parks in Deutschland. Es reicht vom Rheinland über die Pfalz bis nach Baden und Franken. Soweit die Theorie. Denn im vergangenen Jahr schafften es gerade mal rund 435 000 große und kleine Besucher ins europäische Disneyland. Das sind weniger Touristen als beispielsweise Nürnberg Einwohner hat.

"Die Deutschen buchen relativ kurzfristig. Das bringt uns manchmal in Verlegenheit", sagt Disney-Marketingfrau Kristina Szolar. Denn im Gegensatz zu Franzosen und Briten, die rund 60 Prozent der Gäste ausmachen, wollen sich die Deutschen nicht frühzeitig festlegen. Das ist ein Problem. Denn bei einer Hotelauslastung von rund 89 Prozent gibt es bei den Betten auf dem weitläufigen Gelände schon Engpässe.

Die Deutschen gelten zudem als extrem sparsam. Hinter vorgehaltener Hand bekennen Disney-Manager offen, dass ihnen eine konsumfreudige Familie aus Spanien lieber ist als die knausrigen Germanen. Ein Insider berichtet, dass bereits vor Jahren der ursprünglich 25 Millionen Euro große Werbeetat für Deutschland ersatzlos gestrichen wurde. "Derzeit gibt der Park keinen einzigen Euro für Werbung in Deutschland aus", sagt ein langjähriger Konzernmitarbeiter.

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