Eurohypo-Kauf
Commerzbank irritiert mit Zick-Zack-Kurs

Die vollständige Übernahme der Immobilienbank Eurohypo durch die Commerzbank trifft bei Fondsmanagern und Analysten auf Skepsis. Die Experten befürchten, dass sich die Commerzbank verzettelt.

FRANKFURT. Erst vor drei Jahren hatte die Commerzbank gemeinsam mit der Dresdner Bank und der Deutschen Bank ihr Immobiliengeschäft weitgehend in die Eurohypo ausgegliedert, um sich auf das Firmen- und Privatkundengeschäft vor allem in Deutschland zu spezialisieren. Die Eurohypo ist in der Immobilien- und Staatsfinanzierung tätig, wächst vor allem im Ausland und hat nur ein sehr kleines Privatkundengeschäft. Die Commerzbank bietet nun den anderen Anteilseignern Kreisen zufolge rund 4,5 Mrd. Euro für deren Anteile an dem Gemeinschaftsunternehmen.

„Das sieht so ein wenig nach Panikkauf aus“, sagte Markus Steinbeis, Fondsmanager bei Activest mit Blick auf zuletzt gescheiterte Übernahmeversuche der Frankfurter Großbank. Sie kam weder bei der Bausparkasse BHW noch beim Bieterprozesses um die BHF-Bank zum Zuge. Die Gefahr sei, dass die Bank sich in einem Zick-Zack-Kurs verzettele und zum Beispiel im Privatkundengeschäft nicht die kritische Größe erreiche, sagte Steinbeis. Helmut Hipper, Fondsmanager bei Union Invest äußerte sich ähnlich: „Die Commerzbank wird mit einem Schlag eine andere Bank, mit einem viel größeren Kreditbuch. Schließlich steigt das Volumen der risk-weighted Assets um 50 Prozent auf rund 230 Mrd. Euro.“ Es sei nun Aufgabe des Managements, die Entscheidung stichhaltig zu erklären.

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Einige Analysten gewinnen dem Schritt langfristig allerdings positive Seiten ab. Nach Beobachtungen von Andreas Weese, Analyst bei der Hypo-Vereinsbank (HVB) ist die Nachfrage nach Immobilienfinanzierungen in Europa in den vergangenen Jahren sprunghaft gestiegen. Ein anderer Experte rechnet damit, dass der Zukauf bereits im ersten Jahr für einen Gewinnzuwachs von 17 Prozent bei der Commerzbank sorgt.

Finanzkreisen zufolge will die Bank ihre Überschussliquidität von 1,5 Mrd. Euro zur Finanzierung des Kaufs einsetzen und erwägt außerdem eine Kapitalerhöhung im Volumen von bis zu 1,4 Mrd. Euro. Dafür besteht ein Vorratsbeschluss der Hauptversammlung. Außerdem werde der Verkauf von Anteilen an Thyssen-Krupp sowie an der Korean Exchange Bank und die Aufnahme von Hybridkapital erwogen.

Die Restrukturierungskosten, wozu vor allem Stellenstreichungen bei der Eurohypo gehören dürften, sollen durch den Buchgewinn aus dem Verkauf des Anteils an der italienischen Banca Intesa finanziert werden. Dieser wurde mit 150 Mill. Euro beziffert. Die Synergien aus der Fusion beliefen sich in den ersten drei Jahren auf rund 250 Mill. Euro. Analysten zeigten sich allerdings angesichts der geringen Überlappungen beider Banken skeptisch, ob das erreicht werden könne.

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