Euronext
Deutsche Börse gibt Fusionspläne auf

Die Deutsche Börse gibt das Rennen um die französisch dominierte Mehrländerbörse Euronext auf. Nach Informationen aus Finanzkreisen wird Börsenchef Reto Francioni das Ende der Fusionspläne in den nächsten Tagen verkünden. Damit ist bei Euronext der Weg frei für die New York Stock Exchange (Nyse).

FRANKFURT AM MAIN/PARIS. Ausschlaggebend für die Entscheidung Francionis soll die unnachgiebige Haltung von Euronext-Chef Jean-François Theodore gewesen sein. Obwohl sich hochrangige Politiker wie Bundeskanzlerin Angela Merkel und Frankreichs Präsident Jacques Chirac für eine europäische Lösung stark gemacht hatten, beharrte Theodore auf einem Zusammenschluss mit der Nyse. Zudem lag die Offerte der Frankfurter zuletzt sieben Euro unter der der Nyse. Beide Offerten sind an die Aktienkurse gekoppelt und schwanken daher beträchtlich.

Offiziell hielt die Deutsche Börse am Dienstag noch an ihrer Offerte fest. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen will die Deutsche Börse die Öffentlichkeit jedoch am Mittwoch über ihr weiteres Vorgehen auf einer Pressekonferenz informieren. In Frankfurter Finanzkreisen hatte sich bereits in den vergangenen Tagen die Meinung durchgesetzt, dass das Rennen um die Euronext zu Gunsten der Nyse gelaufen sei. Europa vertue eine große Chance, hatte Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller bereits am Montag gesagt. Dagegen betonte gestern ein Sprecher des Finanzministeriums, eine Aufgabe der Fusion sei keine Schwächung des Finanzplatzes Deutschland.

Finanzkreise gehen nun davon aus, dass die Deutsche Börse fürs Erste eine „Stand-alone-Strategie“ verfolgt. Dies jedoch nicht ganz freiwillig: Vor einigen Tagen war den Frankfurtern ein weiterer potenzieller Fusionspartner abhanden gekommen, die italienische Börse in Mailand. Die beiden hatten zuvor Möglichkeiten eines Zusammenschlusses ausgelotet. Nach Ansicht der Analysten von Sal. Oppenheim könnte die Deutsche Börse nun in Asien aktiver werden. Auch Partnerschaften mit europäischen Börsen seien denkbar, aber keine Vollfusion.

Auch die Euronext hielt sich am Dienstag bedeckt. Im Umfeld der Mehrländerbörse stieß die Entwicklung aber auf Verblüffung. Denn erst am vergangenen Freitag hatte die Deutsche Börse mitgeteilt, dass sie auf Aufforderung der Pariser Börsenaufsicht AMF alle beteiligten Parteien wie die Finanzministerien über das Fusionsprojekt informiert habe.

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