Europa-Expansion
Bahnbusse rollen bald in Dänemark

DB-Stadtverkehr, die Bus-Sparte der Deutschen Bahn, übernimmt den Busbetrieb in Jütland. Doch das ist nur der Anfang: Weitere Aufkäufe in Europa sind geplant – und nicht so risikoreich wie die Beteiligung an Ausschreibungen. Ziel ist es, zu einem der drei kontinentalen Top-Anbieter aufzusteigen.

DÜSSELDORF. Nach mehreren vergeblichen Anläufen steht die Bus-Sparte der Deutschen Bahn vor einem ersten Einstieg in einen Auslandsmarkt. Die DB Stadtverkehr will ein mittelständisches Busunternehmen in Dänemark übernehmen. Es soll gewissermaßen die Speerspitze sein, um sich an bevorstehenden größeren Ausschreibungen im Lande zu beteiligen. Im europäischen Linienbus-Geschäft will die Bahntochter neben etablierten Playern wie Arriva, First Keolis und Veolia (früher Connex) mittelfristig ganz oben mitmischen.

Einem dänischen Pressebericht zufolge wird die in Kiel ansässige DB-Stadtverkehr-Tochter Autokraft zum Monatsende in Mitteljütland die bisher in Familienbesitz befindliche Pan Bus übernehmen. Das Unternehmen betreibt Liniendienste in der Stadt Viborg und im Umland bis hinein in die Region Aarhus, die neben Kopenhagen zweitwichtigstes Wirtschaftszentrum des Landes ist. Pan Bus fährt mit knapp 60 Bussen rund 8 Mill. Euro Umsatz ein. Stadtverkehr–Geschäftsführer Hermann Graf von der Schulenburg wollte auf Anfrage das Geschäft zwar nicht im einzelnen bestätigen, sagte aber: „Wir stehen kurz vor dem Abschluss“.

Über eine 2006 gegründete Tochter hatte die Bussparte 2006 vergeblich versucht, bei einer Ausschreibung in Aarhus zum Zuge zu kommen. Auch scheiterte sie an einer Übernahme der zum Verkauf stehenden Veolia Transport Danmark: Bei dieser war die britische Arriva schneller. Im Schienenverkehr in Dänemark hatte auch die Schwester DB Regio keinen Erfolg: Bei einer Ausschreibung für den Nahverkehr beiderseits der Öresundbrücke zwischen Kopenhagen und Malmö in Schweden blieben die Deutschen nur zweiter Sieger.

Die Übernahme der Pan Bus ist für DB-Stadtverkehr nur ein kleiner Fisch. Mit ihren 22 Regionalbusgesellschaften in Deutschland sowie mit den S-Bahnen in Hamburg und Berlin macht die Konzerntochter im Jahr etwa 1,8 Mrd. Umsatz. Mit 4 300 eigenen Bussen und 6 000 weiteren von Subunternehmern ist sie größtes deutsches Busunternehmen und damit bereits sechstgrößter Anbieter in Europa. Über das noch aufzubauende Auslandsgeschäft strebt sie nach Worten Schulenburgs nun an, „zu den drei Top-Anbietern in Europa zu gehören.“

Neben Dänemark habe sich DB Stadtverkehr auch in anderen europäischen Ländern an Ausschreibungen von Firmenverkäufen beteiligt, jedoch bisher ohne Erfolg. Die Auslandsstrategie ist für die Bahntochter wichtig, weil ihr eine weitere Expansion auf dem Heimatmarkt weithin verwehrt ist. So äußerte das Kartellamt in der Vergangenheit wiederholt Bedenken, wenn DB Stadtverkehr bei lokalen Busbetreibern ins Geschäft kommen wollte.

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