Europapark und Co
Die Freizeitparks rüsten auf

Rasante Achterbahnen alleine reichen nicht mehr, Freizeitparkbesucher wollen heute auch digital unterhalten werden. An Ideen mangelt es der Branche nicht, wie sich auf der „Euro Attractions Show“ in Berlin zeigt.
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BerlinNichts ärgert die Besucher eines Freizeitparks mehr als die Warteschlangen. Viel Geld hinlegen, um sich dann die Füße in den Bauch zu stehen, das tut niemand gerne. Im Volcano-Bay-Wasserpark in Orlando braucht niemand mehr anstehen. Mit Hilfe eines kleinen elektronischen Armbands reihen sich die Leute dort in virtuelle Schlangen ein – und gehen erst dann zu den Wasserrutschen, wenn sie tatsächlich an der Reihe sind.

Innovationen dieser Art zeigen 600 Aussteller bis kommenden Donnerstag auf der „Euro Attractions Show“ in Berlin. Es ist die größte Messe für die Freizeitpark-Industrie in Europa, rund 12.000 Besucher erwartet der Branchenverband IAAPA in der Hauptstadt. IAAPA, das steht für International Association of Amusement Parks and Attractions und ist der weltweit führende Zusammenschluss von Freizeitparks, Spaßbädern und Erlebniszoos.

Von neuen Achterbahnen über moderne Ticketsysteme bis hin zu Dekorationsmaterialien präsentieren die Hersteller alles, was die IAAPA-Mitglieder benötigen. Die Geschäfte der Anbieter laufen gut, denn die Betreiber rüsten auf. „Es ist wichtig, dass sich die Parks moderner Technologie nicht verweigern“, meint Jakob Wahl, Europachef der IAAPA.

Einer der großen Trends weltweit ist Virtual-Reality, kurz VR. Gerade erst hat der Parkbetreiber Merlin Entertainment angekündigt, drei Legoland-Standorte mit VR-Achterbahnen auszustatten, darunter auch den deutschen Ableger im bayerischen Günzburg. Die Gäste tragen dabei während der Fahrt Computerbrillen und tauchen so in künstliche Welten ein, während es sie auf den Gleisen durchschüttelt. Kaum ein größerer Park, der noch ohne eine solche Achterbahn auskommt.

Damit nicht genug. Die Betreiber binden auch immer öfter die Smartphones in den Besuch ein. So gibt es eine App, mit der sich Wasserkanonen abschießen lassen. Oder ein Handyspiel, bei dem es um den VIP-Zugang in die Geisterbahn geht.

Es hat seinen Grund, dass die Parks in digitale Angebote investieren: Die Betreiber treibt die Sorge um, dass die Kunden künftig daheim bleiben und sich nur noch im virtuellen Raum bewegen. Daher locken sie mit Angeboten, in denen sie beide Welten verbinden.

Die Freizeitpark-Industrie ist nicht zu unterschätzen. Der IAAPA zufolge verkaufen die Parkbetreiber in Europa jedes Jahr mehr als 150 Millionen Tickets. Die mehr als 300 Einrichtungen bieten über 50.000 Arbeitsplätze und erwirtschaften rund fünf Milliarden Euro Umsatz.

Die größten Freizeitparks der Erde allerdings finden sich in Amerika und Asien. Branchenprimus ist seit Jahren das „Magic Kingdom“ von Disney in Florida mit jährlich mehr als 20 Millionen zahlenden Gästen. Zum Vergleich: Der deutsche Branchenführer Europapark kommt auf gut fünf Millionen Besucher und ist damit die Nummer 20 weltweit.

Ein weiterer wichtiger Trend: Die Parks bauen ihr Übernachtungsangebot aus. „Alle Parks, die heute schon Betten haben, denken über Erweiterungen nach“, betont Funktionär Wahl. Ziel sei es, die Gäste länger als einen Tag an den Park zu binden, sie zu einem Kurzurlaub zu animieren. Ebenso bedeutend: Wer eine Übernachtung gebucht hat, der kommt bei jedem Wetter. Tagesbesucher hingegen bleiben häufig zuhause, wenn es morgens regnet.

Dazu kommt, dass die Grenzen verschwimmen. Der Wildlands Zoos im niederländischen Emmen integriert in der kommenden Saison eine Achterbahn, der Europapark im badischen Rust wiederum errichtet gerade ein riesiges Spaßbad.

Wichtig sei zudem, stets eine Geschichte zu erzählen, unterstreicht Parkexperte Wahl. Es reiche nicht, einfach ein Stahlgerüst für eine Achterbahn hinzustellen. Die müsse schon in eine ganze Erlebniswelt eingebettet sein. Gerade so wie im Movie Park in Bottrop, wo seit Juni die weltweit erste Star-Trek-Achterbahn ihre Runden dreht. Port Aventura in der Nähe von Barcelona hat Europas schnellste und höchste Achterbahn in sein Ferrari-Land integriert.

Für einige der innovativsten Achterbahnhersteller der Welt ist die Branchenschau in Berlin ein Heimspiel: mit der badischen Mack Rides, Maurer, Zierer und Gerstlauer aus Bayern stammt eine ganze Reihe der großen Anbieter aus Deutschland. Die „Red Force“, also die Ferrari-Achterbahn, kommt hingegen aus der Schweiz von Intamin.

Eins wird sich jedoch auch mit modernster Technik nicht ändern: Am besten laufen die Geschäfte, wenn die Sonne scheint und das Thermometer auf angenehme 25 Grad klettert.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München

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