Europas große Airlines Aus allen Wolken gefallen

In Europa wird es immer schwerer mit der Luftfahrt Geld zu verdienen. Alle drei großen europäischen Airlines machen operativ Hunderte Millionen Euro Verlust. Daran sind nicht nur die gestiegenen Treibstoffpreise schuld.
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DüsseldorfDie schlechten Nachrichten für die europäische Luftfahrt reißen nicht ab: Nur einen Tag nach der Lufthansa, die gestern einen operativen Verlust 381 Millionen Euro im ersten Quartal verkündet hatte, ist nun auch der große Konkurrent Air France-KLM tiefer in die roten Zahlen geflogen. Der Verlust ist erneut stärker gewachsen als erwartet - von 403 Millionen auf 597 Millionen Euro. Auch für den dritten europäischen Luftfahrtriesen International Airlines Group (IAG), den Mutterkonzern von British Airways und Iberia, erwarten Analysten einen Verlust im operativen Geschäft von 230 Millionen Euro.

In Europa ist es immer schwieriger, mit dem Fluggeschäft Geld zu verdienen. Die internationale Luftfahrtorganisation Iata prognostiziert den europäischen Fluggesellschaften für das laufende Jahr einen Verlust von 600 Millionen US-Dollar. Nirgendwo auf der Welt steht die Branche schlechter da. „Die Aussichten sind sehr schwierig, vor allem für die europäischen Fluggesellschaften“, sagte Iata-Chef Tony Tyler. Öffentlich werden die großen Drei nicht müde zu betonen, wer schuld an der Misere ist: hohe Treibstoffpreise, Luftverkehrsabgabe, Emissionshandel und Einschränkung des Nachtflugverkehrs. Doch das ist nur die halbe Wahrheit.

Wäre nur die Regulierung Schuld, wären alle europäischen Airlines gleichermaßen in den roten Zahlen. Im Gegensatz zu den großen Drei machen die Billigairlines mit ihren besseren Kostenstruktur und ihrer höheren Auslastung aber weiter Gewinne. Allein Branchenprimus Ryanair erhöhte zuletzt die Prognose für den Jahresgewinn auf 480 Millionen Euro.

Die schlechten Zahlen sind auch nicht mit sinkenden Passagierzahlen zu begründen. Im Gegenteil: Europäer fliegen häufiger als im vergangenen Jahr. Auch wenn die Passagierzahlen – insbesondere in Südeuropa im Zuge der Finanzkrise deutlich in den Keller gingen – stieg das Passagieraufkommen zuletzt wieder an. In Europa legte es im Januar 2012 um 5,3 Prozent zu, im Dezember 2011 waren es sogar 9,5 Prozent, meldet die Weltluftfahrtorganisation Iata. Auch die Auslastung hat sich im Vergleich zum Vorjahr verbessert. Doch die Airlines schaffen es nicht, die gestiegenen Passagierzahlen in höhere Gewinne umzuwandeln. Denn noch schneller als die Passagierzahlen steigen die Kosten der Airlines: Alle Airlines machen im operativen Geschäft Verluste, obwohl der Umsatz zugelegt.

Die großen Drei haben ein strategisches Problem: Wollen sie mit den Billigairlines wie Ryanair und Easyjet auf der Mittel- und Kurzstrecke konkurrieren, müssen sie die Kosten senken. Doch dann riskieren sie das Rennen mit den arabische Airlines  auf der Langstrecke zu verlieren. „Die Lage ist bedrohlich“, bringt Lufthansa-Aufsichtsratschef Jürgen Weber die Situation auf den Punkt. Der Kampf an mehreren Fronten scheint aussichtslos – und wird trotzdem geführt. 

Germanwings, die Billig-Tochter der Lufthansa fliegt schon so lange defizitär, dass zuletzt sogar Pläne laut wurden eine neue Billig-Airline aus der Taufe zu heben. Eurowings und Germanwings sollten unter dem Namen „Direct 4 you“ verschmolzen werden, meldeten mehrere Medien. Die Lufthansa dementierte umgehend. Einig ist man sich nur, dass die Billig-Tochter künftig eine deutlich wichtigere Rolle im Kurz- und Mittelstreckengeschäft übernehmen soll. 

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7 Kommentare zu "Europas große Airlines: Aus allen Wolken gefallen"

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  • In Frankfurt sind auch die von der DFS (politisch verantwortlich Peter Ramsauer) unsinnig organisierten Flugrouten ein Kostenfaktor. Allein die Südumfliegung, die unnötigerweise einen großen Umweg fliegt (aus welchen Gründen weiss nur die DFS), kostet die Fluggesellschaften 5.000.000 Liter Kerosin im Monat zusätzlich. Rechnet man nur 50 Cent pro Liter, ergeben sich 2.500.000 Euro pro Monat. 60% der Flugbewegungen sind von der Deutschen Lufthansa, also entfallen auf sie 1.500.000 Euro. Gut bezahlte Jobs werden mit 100.000 Euro Vollkosten pro Jahr für den Arbeitgeber gerechnet, schlechter bezahlte Jobs mit ca. 35.000 Euro (viele sicherlich noch weniger). Eine kerosinsparendere Flugweise allein kann also 180 bis über 500 Jobs retten.

  • Lufthansa streicht 3500 Stellen!

    Glückwunsch, vor wenigen Wochen mussten sich die mit Lärm terrorisierte Bevölkerung noch anhören, dass der Flughafen ein Jobmotor ist.

    Gaaanz klasse, hauptsache mal Mist geredet.

  • Irgendwie scheinen Sie den Beitrag nicht verstanden zu haben. Die Firmen haben Probleme, weil sie sich im Wettbewerb befinden. Ohne Wettbewerb könnten die Firmen einfach die Preise erhöhen und hätten keine Problem.

  • als ich vor Kurzem ein Ticket nach Budapest gekauft habe, konnte ich nur staunen: nicht die airline hat damit was verdient, sondern der flughafen. Die Flughafengebühren waren 3 X höher als der Preis des Tickets!

  • Lufthansa und die anderen langstrecken Gesellschaften haben ein ganz anderes Problem, speziell im asiatischen Markt.

    Emirates und Etihad können sich ihre Kampfpreise leisten, weil sie ihre Maschinen durch die unglaublich günstig gelegenen Hubs wesentlich besser auslasten können.
    Nicht zu vergessen das sie dann bei der Landung auch noch billig tanken können.

  • Diese Aussage ist so pauschal wie falsch. 1) Nicht alle von Ihnen genannten Bereiche wurden privatisiert, Beispiel: Deutsche Bahn. 2) Nicht in allen Bereichen legt der Endverbraucher drauf, im Gegenteil: vergleichen Sie mal die Telefonkosten (Festnetz)von heute mit denen von 1980 (inflationsbereinigt). Gleiches gilt für Kabelfernsehen, wobei die Angebote von 1980 (3 Sender) kaum mit denen von heute zu vergleichen sind. Und für einen Transatlantikflug zahle ich heute noch genauso viel wie im Jahre 1992. 3) Bleiben die Energiekosten: Verfassungswidrige Brennelementesteuer, Zwangseinspeisung von Ökostrom, 65 %ige Besteuerung von Benzin etc. lassen grüßen. Mit der Privatisierung der Großkonzerne an sich hat das reichlich wenig zu tun. Wahnhafter Öko-Sozialismus wäre ein passenderer Begründungsansatz.

  • Mal sehen, wann die ersten wieder nach dem Staat schreien.

    Airline privatisieren, Eisenbahn privatisieren, Telefon privatisieren, Energieversorgung privatisieren, Kabelnetz privatisieren - alles eingeführt, um dem Bürger Preisvorteile zu verschaffen, wegen des geglaubten Wettbewerbs.
    Nichts davon ist eingetreten.
    Und wieder einen Draufleger als Endverbraucher gemacht.

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