Europas zweitgrößter Billigflieger leidet unter teurem Treibstoff und hartem Preiskampf
Easyjet schockt die Börse mit einer Gewinnwarnung

Die Aktien des britischen Billigfliegers Easyjet Plc sind gestern kräftig abgestürzt. Das Unternehmen gab eine Gewinnwarnung heraus und schockierte damit zum zweiten Mal innerhalb gut eines Monats seine Anleger.

dp DÜSSELDORF. Der Aktienkurs von Europas zweitgrößtem Discountflieger fiel am Montag an der Londoner Börse um knapp ein Viertel auf den tiefsten Stand seit dem Börsengang im November 2000. Später erholte er sich wieder etwas. Erst am 5. Mai war der Kurs nach einem verhaltenen Ausblick des Vorstandes ebenfalls um ein Viertel eingebrochen.

Easyjet teilte gestern mit, dass die steigenden Kerosinpreise und der Preiskampf auf dem Flugmarkt das Ergebnis des Geschäftsjahres 2003/2004 (30.9.) beeinflussen könnten. Der Vorsteuergewinn dürfte zwar den des Vorjahres von 52 Mill. Pfund (96 Mill. Euro) übertreffen, doch die Treibstoffkosten dürften das Ergebnis um vier Mill. Pfund schmälern. Auch der Wettbewerbsdruck auf Europas Luftverkehrsmarkt könne das Gewinnwachstum dämpfen. Seit Anfang Mai hat Easyjet nun bereits rund 43 Prozent an Marktkapitalisierung verloren.

Die Zahl der Fluggäste stieg bei Easyjet im Mai gegenüber dem Vorjahresmonat um 19 Prozent auf knapp 2,1 Millionen, doch die Auslastung der Flugzeuge fiel um zwei Prozentpunkte auf 81 Pr

ozent.

„Wachstum auf dem Billigflugmarkt kostet derzeit Geld“, urteilt Wolfgang Kurth, Geschäftsführer des Discountfliegers Hapag-Lloyd Express (HLX), der zu Europas größtem Touristikkonzern Tui gehört. Die Gewinne wüchsen langsamer als die Passagierzahlen. Das dürfte aber für alle Anbieter in dem hart umkämpften Markt gelten. Bei Easyjet kommt laut Kurth noch hinzu, dass das Unternehmen nur etwa die Hälfte seines Treibstoffverbrauchs durch Kurssicherung abgedeckt habe. HLX habe derzeit, so Kurth, noch 80 Prozent seines Bedarfs entsprechend gesichert.

Easyjets Gewinnwarnung reflektiert die aktuelle Marktlage. Noch nie zuvor waren die Markteintrittsschranken so niedrig: Es gibt ein Überangebot an gebrauchten Flugzeugen und viele Piloten befinden sich auf Jobsuche. Der führende europäische Discountflieger, die irische Ryanair, hat bereits neue Preissenkungen angekündigt. RyanairChef Michael O’Leary erwartet in der Wintersaison ein „Blutbad“ in der Branche. Ryanair hatte in der vergangenen Woche erstmals seit dem Börsengang sinkende Gewinne berichtet. Im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2003/04 (zum 31. März) flog das Unternehmen sogar in die roten Zahlen.

Die schwierige Marktlage trifft nicht nur die Billigflieger, sondern auch die traditionellen Linien-Fluggesellschaften. Die Branche könnte 2004 weltweit auf den interkontinentalen Routen einen Verlust von drei Mrd. Dollar verzeichnen, wenn der Rohölpreis im Jahresdurchschnitt 36 Euro betragen sollte, warnte Gioanni Bisignani, Generaldirektor des Branchenverbandes Iata (International Air Transport Association) in Singapur. Der Iata gehören 270 Airlines an. Viele große Fluggesellschaften haben Kerosinzuschläge auf den Ticketpreis angekündigt. Die Deutsche Lufthansa will ihre Ticketpreise auf Interkontinentalflügen zum 1. Juli um drei bis fünf Prozent erhöhen.

Dennoch hält Eric Heymann, Luftfahrt-Analyst der Deutschen Bank, Billigflieger wie Ryanair und Easyjet für ungefährdet: „Sie sind gut im Markt eingeführt und treffen mit Preis und Konzept den Wunsch der Verbraucher nach Kurzreisen.“ Auch Easyjet-Chef Ray Webster gibt sich kämpferisch: „Wir werden mit aller Macht unsere Marktposition verteidigen, und wir haben dazu auch finanziellen Mittel – im Gegensatz zu anderen.

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