Europaweite Proteste Taxifahrer demonstrieren gegen App-Anbieter

Taxifahrer sehen ihr Geschäft durch Online-Dienste wie Uber bedroht und wollen sich bei einem europaweiten Aktionstag Gehör verschaffen. In Deutschland steht Berlin im Zentrum der Demonstrationen.
Update: 11.06.2014 - 13:23 Uhr 2 Kommentare
Taxifahrer gehen gegen Online-Dienste auf die Barrikade: Kleinere Proteste als in Berlin sind nach Angaben des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands in Hamburg, Köln und München geplant. Quelle: dpa

Taxifahrer gehen gegen Online-Dienste auf die Barrikade: Kleinere Proteste als in Berlin sind nach Angaben des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands in Hamburg, Köln und München geplant.

(Foto: dpa)

BerlinTausende europäische Taxifahrer wollen am Mittwoch gegen neue Konkurrenz aus dem Internet demonstrieren. Die Proteste sind in Städten wie Berlin, Hamburg oder auch London, Paris, Madrid und Mailand geplant. Zu einer Sternfahrt am Mittag in Berlin meldeten die Veranstalter bis zu 1000 Taxis an. „Das wird man auch merken im Straßenverkehr“, sagte ein Polizeisprecher.

Die Taxifahrer sehen ihr Geschäft von Anbietern bedroht, die über Handy-Apps Fahrer vermitteln. Aus ihrer Sicht gibt es einen unfairen Wettbewerb, weil für die neuen Rivalen aus dem Internet die strikte Regulierung des Taxi-Gewerbes ausgehebelt sei. Ein rotes Tuch ist für sie vor allem die US-Firma Uber, die in rund 20 europäischen Städten aktiv ist. Vergangene Woche besorgte sich Uber 1,2 Milliarden Dollar frisches Geld von Investoren, das Unternehmen aus San Francisco wurde dabei insgesamt mit 17 Milliarden Dollar bewertet.

Kleinere Proteste als in Berlin sind nach Angaben des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands in Hamburg, Köln und München geplant. In London wollen Tausende Taxifahrer langsam durch das Zentrum fahren, die Veranstalter erwarten 10.000 bis 12.000 Teilnehmer. In Mailand wird mit rund 5000 streikenden Fahrern gerechnet, auch in Madrid sind tausende Taxifahrer zum Streik aufgerufen. In Paris wollen rund 3000 Fahrer die Flughäfen Orli und Charles de Gaulle blockieren. Proteste sind auch in Lissabon, Sao Paolo und Chicago geplant. Vor allem in London und Paris hatte es bereits mehrfach Proteste von Taxifahrern gegen die neuen Wettbewerber gegeben.

Das sind die größten Fernbus-Anbieter
Fernbus in Freiburg
1 von 7

Platz 1 – Mein Fernbus

Der mit Abstand größte Anbieter von Fernbusverbindungen ist ein Branchen-Neuling: Die Meinfernbus GmbH mit Sitz in Berlin bedient fast 40 Prozent des deutschen Fernbusmarktes. Die markanten grünen Busse starteten erst kurz vor der Liberalisierung des Fernbusverkehrs Anfang des Jahres. Dennoch hat das Unternehmen erfahrene Konkurrenten hinter sich gelassen: Mittlerweile bietet Meinfernbus 826 Fahrtenpaare (also Hin- und Rückfahrt) pro Woche an, das entspricht mehr als 750.000 Kilometern pro Woche.

Einigung auf bundesweiten Fernbus-Start ab 2013
2 von 7

Platz 2 – Deutsche Bahn

Schon viel länger dabei sind Tochterunternehmen der Deutschen Bahn wie die Gesellschaft BEX, die den Berlin-Linien-Bus betreibt. Vor der Liberalisierung durften die Unternehmen nur wenige Verbindungen anbieten, vor allem von und nach Berlin. Derzeit bedienen Tochterfirmen der Bahn knapp 22 Prozent des Fernbusmarktes gemessen an den Fahrplankilometern. Erhoben hat diese Zahlen die Mobilitätsberatungsagentur IGES in einer Studie von Dezember 2013 (PDF). In Auftrag gegeben hat die Studie der Bundesverband Deutscher Omnibusunternehmer (BDO).

Fernbus
3 von 7

Platz 3 – Flixbus

Ebenfalls erst seit dem Jahr 2013 fährt Flixbus. Die Firma aus München steht auf Platz drei der größten Fernbusunternehmen in Deutschland mit knapp 15 Prozent der Fahrplankilometer. Pro Woche bietet Flixbus 324 Fahrtenpaare an. Seit dem 1. Januar 2013 dürfen Unternehmen Fernbusverbindungen anbieten. Ziel der Gesetzesänderung war es unter anderem, Konkurrenz zur Bahn zuzulassen und so den Fernverkehr erschwinglicher zu machen.

ADAC Postbus
4 von 7

Platz 4 – Postbus

An vierter Stelle fährt ein junges Angebot ein: Die gelben Postbusse rollen erst seit dem 1. November 2013 durch Deutschland. Betrieben werden sie gemeinsam vom ADAC und der Deutschen Post. Die Postbusse decken mit 175 Fahrtenpaaren pro Woche 7,5 Prozent des Marktes ab. Dabei ist die Deutsche-Post-Mobility sogar günstiger als die großen Konkurrenten: 7,1 Cent kostet der Kilometer durchschnittlich. Bei den DB-Töchtern sind es 10, bei Mein Fernbus 9,5 Cent. Allerdings gilt das nur für die Normalpreise, mit Sparangeboten kann es deutlich günstiger werden. Der Postbus kommt dann auf durchschnittlich 5,2 Cent pro Kilometer, Mein Fernbus auf 4,3 und Flixbus sogar auf 3,7 Cent.

Fernbus
5 von 7

Platz 5 – City2City

Auch die Briten wollen ein Stück vom deutschen Fernbus-Markt abhaben: National Express bedient mit seiner deutschen Tochter knapp fünf Prozent der Fahrplankilometer hierzulande. Die City2City-Busse sind der Studie zufolge sowohl zum Normalpreis (6,1 Cent pro Kilometer) als auch bei den Sparangeboten (3,3 Cent) günstiger als viele andere. Das ist beides deutlich unter dem Durchschnitt der Branche: Dieser liegt bei 9 bzw. 5 Cent pro Kilometer.

deinbus
6 von 7

Platz 6 – DeinBus.de

Von Studenten als Bus-Mitfahrzentrale gegründet arbeitet DeinBus.de nun daran, ein flächendeckendes Netz anzubieten. Derzeit hat das Leipziger Unternehmen 4,6 Prozent Marktanteil, gemessen an den Fahrplankilometern. Das bedeutet Platz sechs in Deutschland. Ginge es um die Zahl der angebotenen Fahrtenpaare, stünde DeinBus.de mit 205 Verbindungen noch vor dem Postbus auf Platz vier. Insgesamt wächst der Markt rasant: Im Januar 2013 wurden in Deutschland 770 inländische Fahrtenpaare angeboten. Im Dezember sind es laut der IGES-Studie bereits 2551.

deutsche touring
7 von 7

Platz 7 – Deutsche Touring

Bis 2005 gehörte die Deutsche Touring der Bahn, seitdem ist das Unternehmen eigenständig. In Deutschland haben die Busse gerade einmal 1,8 Prozent Marktanteil, die Deutsche Touring verdient seit jeher aber vor allem Geld mit internationalen Busverbindungen.

Private Fahrer seien oft nicht für die Beförderung versichert, absolvierten keine regelmäßigen Gesundheitschecks, ihre Ausbildung und der technische Zustand des Autos würden nicht geprüft, kritisierte der Präsident des Deutschen Taxi- und Mietwagenverbands BZP, Michael Müller, zum Aktionstag. Uber entgegnet stets, man überprüfe die Fahrer und sorge für die Sicherheit der Fahrgäste.

Der Dienst musste in Europa bereits Rückschläge hinnehmen. In Brüssel wurde Uber der Betrieb untersagt, in Frankreich gibt es Einschränkungen. In Berlin erwirkte ein Taxifahrer im Frühjahr eine einstweilige Verfügung gegen Uber, vollstreckte sie jedoch unter Hinweis auf wirtschaftliche Risiken nicht.

Uber selbst hat am Mittwoch gelassen auf die europaweiten Proteste von Taxifahrern reagiert. Er könne die Kritik nicht nachvollziehen, sagte Patrick Studener, der für die Expansion des Dienstes in Europa zuständig ist. Man biete eine zusätzliche Möglichkeit zur Fortbewegung an. „Wir sind eine weitere Wahl.“

Auch die Uber-Fahrer müssten verschiedene Überprüfungen durchlaufen, bevor sie für die App zugelassen werden. Führerschein, Versicherung und polizeiliches Führungszeugnis würden geprüft, sagte Studener. Uber spreche mit jedem Fahrer und setze sich in jedes Fahrzeug. Wie viele Fahrer mit Hilfe von Uber Menschen durch die Stadt kutschieren, wollte Studener nicht sagen.

  • dpa
Startseite

2 Kommentare zu "Europaweite Proteste: Taxifahrer demonstrieren gegen App-Anbieter"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Das ist nicht das erste Gewerbe, dem durch Internet und iPhone die existenzgrundlage geschmälert wird. Noch wird es das letzte sein.

    Anderseits ist es ein Anachronismus, daß man preiswert durch ganz Europa fliegen kann, und daß dann die Taxifahrt in die Stadt mehr kostet als der ganze Flug.

    Die Taxizunft könnte ja eine Art Über-Uber einrichten, wenn sie meint, etwas besonderes zu bieten.

  • Typische Reaktion von Monopolisten, denen die Felle davon schwimmen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%