Eurotunnel
Liefertermin für Siemens-Züge auf der Kippe

Für die Zugsparte von Siemens bahnt sich die nächste Blamage an: Nachdem bereits die Lieferung von neuen ICEs an die Deutsche Bahn verschoben werden musste, sind dieses Mal die Züge für den Eurotunnel in Verzug.
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FrankfurtDie Zugsparte von Siemens steht vor einer weiteren Blamage. Bei der Lieferung von zehn Hochgeschwindigkeitszügen für den Eurotunnel-Betreiber Eurostar zeichnen sich ernste Probleme ab, wie Siemens-Vorstandsmitglied Roland Busch der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstagsausgabe) sagte. „Ich gebe zu: Wir haben die Komplexität des Auftrags unterschätzt.“ Busch ist in der Führungsspitze des Elektronikkonzerns auch für die Zugsparte zuständig. Die Probleme seien so groß, dass der Konzern für den Eurostar-Auftrag vorsorglich Rückstellungen bilden müsse. Die Münchener hatten bereits die Lieferung von 16 neuen ICE-Zügen für die Deutsche Bahn mehrmals verschieben müssen, auch hier gebe es weiter Probleme.

Siemens sollte laut Vertrag die ersten der zehn Züge für Eurostar, eine Tochter der französischen Staatsbahn SNCF, Ende 2014 ausliefern. „Wir haben keine Planbarkeit wegen des komplexen Zulassungsprozesses, deshalb werde ich keinen genauen Liefertermin für den Eurostar nennen“, räumte Busch ein.

Da der Zug durch vier Länder sowie den Eurotunnel fahre, müsse er mit verschiedenen Zugsicherungstechniken zurechtkommen und von mehreren Behörden zugelassen werden. „Wie lange das dauert, liegt nicht allein in unserer Hand“, sagte der Manager. Siemens hatte den 700 Millionen Euro großen Auftrag vor drei Jahren gegen den Widerstand des französischen Zugherstellers Alstom ergattert. Bis dahin war Alstom der Hoflieferant des Tunnelbetreibers Eurostar.

Auch bei den ICE-Zügen in Deutschland zeichnet sich laut „SZ“ eine weitere Verzögerung ab. Erst im November hatte der Konzern einräumen müssen, dass es ihm nicht gelingen wird, rechtzeitig zum Fahrplanwechsel im Dezember 16 neue ICE-Züge zu liefern. Grund waren Software-Probleme, die zu minimalen Verzögerungen beim planmäßigen Abbremsen führten. Ende Januar war die Abstimmung mit dem Eisenbahn-Bundesamt so weit erfolgt, dass Siemens beginnen konnte, die Züge umzurüsten. Ende Juli könnte dann der Zulassungsprozess erneut beginnen. „Das kann erfahrungsgemäß zwischen vier und 18 Monaten dauern“, erklärte Busch. Damit wird die Bahn wohl auch im nächsten Winter auf die Züge verzichten müssen. Für das Verkehrsunternehmen wäre das äußerst ärgerlich, da es die neuen ICEs dringend als Reserve benötigt. Eigentlich hätten sie seit Dezember 2011 im Einsatz sein sollen.

Die Probleme beim Eurostar und beim neuen ICE werden die Zahlen von Siemens erneut massiv beeinträchtigen. "Wir werden durch die Bahn-Projekte im abgelaufenen Quartal 2013 erneut eine Sonderbelastung haben", sagte Busch. Diese werde noch höher ausfallen als im Quartal zuvor, damals waren es 116 Millionen Euro gewesen. Eines stellte er jedoch klar: „Aus heutiger Sicht werden das die letzten Belastungen aus den beiden Zugprojekten sein.“

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Eurotunnel: Liefertermin für Siemens-Züge auf der Kippe"

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  • @ ALFRED

    Deutschland schafft sich ab.

    Das ist wahrscheinlich tatsächlich so gewollt und da gibt es noch etliche in diesem Land, die dazu noch Beifall klatschen.

    Das verstehe, wer will. Ich jedenfalls nicht.

  • Es ist mittlerweile blamabel, wie sich einer unserer wichtigsten Technik-Konzerne fast im Monatsrhytmus als un-
    fähig erweist, Aufträge korrekt und pünktlich zu erfüllen!
    Oder sollte nach Jahren der Cromme- und der Löscher-Herr-
    schaft Technik und Applikationen keine Rolle mehr spielen?

    Bei Herrn Cromme war Compliance und die Frauenquote wich-
    tiger als das operative Geschäft. Bei Herrn Löscher hatte
    man von Anfang an das Gefühl, daß hier weder die Fach-
    kenntnisse noch die "Macherfähigkeiten" für diesen wich-
    tigen aber schwierigen Konzern vorlagen.

    Ich habe selber erfahren, wie ein berater-verbildetes und von Wissen und Erfahrung freies Management relativ
    schnell ein aktives und leistungsfähiges Unternehmen
    bremsen und frustrieren kann.
    Man kann nur hoffen, daß der neue Aufsichtsrat und das obere Management die kreativen Kräfte (meist gibt es nicht viele) wieder aktiviert und Freiräume läßt.
    Es müssen wieder technikbegeisterte Führungskräfte bis in die Vorstansebene gelangen.

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