Eurowings-Streik
Gähnende Leere, Resignation, Gleichgültigkeit

Durch den Streik des Eurowings-Bordpersonals fallen in Düsseldorf 50 von 88 Flügen aus. Für Empörung unter den Fluggästen sorgt das schon längst nicht mehr. Doch das Verständnis für die Streiks lässt nach.
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DüsseldorfGuido Duschanik lacht erleichtert, nimmt seine Frau in den Arm und sagt: „Wir sind total entspannt – unser Flug geht ja.“ Das Ehepaar fliegt in gut eineinhalb Stunden in den Urlaub nach Fuerteventura. Dass das Flugzeug wirklich vom Düsseldorfer Flughaben abhebt, ist keine Selbstverständlichkeit. Denn Familie Duschanik will mit Eurowings in den Süden. Doch bei der Billigtochter der Lufthansa streikt an diesem Dienstag, den 22. November, das Bordpersonal. Ganztägig, von 5 bis 20 Uhr. In Düsseldorf fallen deshalb 50 von 88 Flügen aus.

Vor dem Flughafen stehen noch ein Dutzend Eurowings-Mitarbeiter – die meisten sind wegen der kühlen Temperaturen wieder nach Hause geschickt worden. An der Wand hängen Zettel mit der Aufschrift „Auf Wiedersehen Weihnachtsgeld! Tschüss Urlaubsgeld!“ oder „Schatz ich möchte Kinder! – Schatz das können wir uns nicht leisten. Ich arbeite bei Eurowings“. Der ein oder andere tippt im Takt von einem Bein auf das andere, aus dem mobilen Lautsprecher dröhnt das Lied „Lampenfieber“ von Gitta Haenning. Doch von Aufregung ist am Düsseldorfer Flughafen nichts zu sehen oder spüren.

Mehr oder minder gleichgültig ziehen die Fluggäste ihre Trolleys am Verdi-Stand vorbei. „Heute früh haben wir aber viele positive Reaktionen bekommen. Einige, die im Auto vorbeigefahren sind, haben gehupt und den Daumen nach oben gezeigt“, sagt Anja Schlosser von Verdi. Außerdem berichtet sie von langen Schlangen am Eurowings-Schalter, wo verzweifelte Passagiere ihre Flüge umbuchen wollten – das sei aber gegen sieben Uhr morgens gewesen.

Gegen zehn Uhr herrscht am Check-In-Schalter von Eurowings gähnende Leere. Nur an drei der acht Schalter stehen Fluggäste. Warten muss hier niemand. „Die Leute gucken im Internet und buchen rechtzeitig um – oder bleiben zuhause. Es ist ja nicht der erste Streik“, sagt eine Eurowings-Mitarbeiterin.

Bereits im Oktober war es bei der Lufthansa-Tochter zum Streik gekommen. Da allerdings organisiert vom Verdi-Konkurrenten Ufo. Die beiden Gewerkschaften konkurrieren um die Vertretung der Kabinenbeschäftigten. Jetzt zog Verdi nach. Im Raum steht eine Forderung eine Anhebung der Gehälter und Funktionszulagen von sieben Prozent, 500 Euro Zulage für die Kabinenleitung und weitere Verbesserungen für die 460 Kabinenmitarbeiter von Eurowings. Die letzten Verhandlungen am 11. November endeten ergebnislos, ein neuer Termin wurde nicht vereinbart.

Die Reaktionen der Fluggäste pendeln oft zwischen Verständnis und Resignation. Doch gerade Vielflieger sind genervt. Ein Passagier sagt: „Ich muss beruflich oft nach London und fliege mit Easyjet. Da gibt es komischerweise nie Probleme. Was mir auffällt. Wir reden in Deutschland immer über dieselben Fluglinien.“

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Kommentare zu " Eurowings-Streik: Gähnende Leere, Resignation, Gleichgültigkeit"

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  • @ handelsblatt-online

    Wieso ist es hier möglich, dass ein bereits bestehender Account von einer weiteren Person unter exakt demselben Namen posten kann???

    Das ist sonst in keinem Forum möglich.

    Der eifrige HB-Troll, bekannt unter den Namen Peter Spiegel, Peter Delli, Adolf Schickelgruber, Baron von Fink, Hein Blöd etc. etc. schreibt auf einmal als Carlos Santos. Am nächsten Tag meldet sich der echte Carols Santos hier ab. Jetzt schreibt der Troll als Marc Hofmann. Auch dieser (echte) Marc Hofmann schreibt daraufhin nicht mehr. Irgendwann kommt wohl jeder dran.

    Wieso unterbinden Sie das nicht?

  • @Harald Trautmann
    "Transporte aus Toulouse in Frankreich zum nahe gelegenen Marseille werden zuweilen zuerst nach Köln oder Brüssel geflogen und noch in der selben Nacht in eine Maschine nach Marseille oder zu anderen Flughäfen in Frankreich umgeladen, also eine zehn- bis dreißigfache Flugverlängerung mit entsprechend zusätzlicher Belastung für die Umwelt."
    Das ist leider richtig - aber versuchen Sie doch mal (als ausländische Fluggesellschaft besonders) eine Genehmigung vom Fast-Staatsbetrieb Air France
    für Inner-französische Linien zu bekommen!

  • >Für Empörung unter den Fluggästen sorgt das schon längst nicht mehr. Doch das Verständnis für die Streiks lässt nach.<
    Leider ist das so und ich persönlich vermeide bei Flugbuchungen nicht nur die AIR FRANCE, sondern inzwischen eben auch die LUFTHANSA!

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