Ex-IWF-Chef
Horst Köhler soll Lufthansa-Streit schlichten

Während seiner Amtszeit schlug er immer wieder versöhnliche und diplomatische Töne an: Dies und seine Erfahrungen als früherer IWF-Manager machen Horst Köhler zu einem Wunschkandidaten als Schlichter im Lufthansa-Streit.
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BerlinIm Tarifstreit der Lufthansa mit ihren Flugbegleitern ist einem Magazinbericht zufolge der frühere Bundespräsident Horst Köhler als Schlichter im Gespräch. Köhlers Name sei in Kreisen der Gewerkschaft Ufo genannt worden, berichtete das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Der Ufo-Vorsitzende Nicoley Baublies wollte dies am Sonntag nicht grundsätzlich dementieren. Köhler sei zurzeit aber nicht näher dran am Amt des Schlichters als andere Kandidaten. Der ehemalige Bundespräsident sei ein „ausgewogen denkender Mensch“. Die Ufo werde sich in den kommenden zwei Tagen zunächst intern beraten und dann mit der Lufthansa reden. Wenn es ideal laufe, könne am Mittwoch ein Name genannt werden.

Der frühere IWF-Manager habe der Lufthansa einst geholfen, in Nigeria Fuß zu fassen, als er noch in Diensten des Internationalen Währungsfonds (IWF) gestanden habe. Dem Magazin zufolge denkt die Flugbegleiter-Gewerkschaft ferner darüber nach, parallel zu einer Schlichtung auch ein Mediationsverfahren vorzuschlagen. Ein solches wäre unverbindlicher, außerdem könnten beide Seiten dabei besser ihr Gesicht wahren, ohne eigene Rechtspositionen aufzugeben, hieß es. Hierzu sagte Baublies am Sonntag, in der Schlichtungsvorvereinbarung gebe es einen Passus, wonach in dem Konflikt auch Fragen gelöst werden müssten, die nicht der Schlichtung unterworfen seien. Dazu zählten strittige Punkte bei der für das kommende Jahr erwarteten internen Billigtochter mit dem Arbeitstitel „Direct4U“. Der Begriff Mediation stehe in der Vereinbarung aber nicht explizit drin.

Beim dritten und bisher umfassendsten Streiktag der Lufthansa-Flugbegleiter musste das Unternehmen am Freitag etwa die Hälfte der planmäßig 1800 Flüge streichen. Über 100.000 Passagiere waren von dem ganztägigen und bundesweiten Ausstand betroffen.

Köhler war im Mai 2010 nach umstrittenen Äußerungen zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr vom Amt des Bundespräsidenten zurückgetreten. In der Öffentlichkeit trat Köhler seither kaum in Erscheinung, abgesehen von einigen Reden und einer Gast-Professur in Tübingen hält er sich bislang sehr zurück. Auch zu den Umständen seines Rücktritts war ihm noch keine genauere Schilderung zu entlocken. Ansonsten schreibt er zu Hause in Berlin und in dem Haus am Chiemsee seit einer Weile an seiner „Lebensgeschichte“, wie er das selber nennt. Eine Veröffentlichung ist derzeit jedoch nicht geplant.

Anfang August wurde bekannt, dass Köhler eine neue Aufgabe bei den Vereinten Nationen bekommt. Im Auftrag der UN soll sich der 69-Jährige künftig Gedanken der grundsätzlichen Art über den Zustand der Welt machen. Mit der Arbeit in New York geht es im September los. Die erste Sitzung des neuen Gremiums findet am Rande der UN-Vollversammlung statt, die in der vorletzten Septemberwoche beginnt.

Agentur
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Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Ex-IWF-Chef: Horst Köhler soll Lufthansa-Streit schlichten"

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    Man könnte sonst das Meinungsbild der Deutschen reflektiert bekommen und dies muss nach Meinung einiger, unterdrückt werden.
    (Da ist sicherlich noch nichteinmal der Schwarze Peter bei dieser Zeitung zu suchen).


    Das einprügeln von Muslimen auf einen Berliner Rabbi wurde ja ebenso sehr milde in der Presse erwähnt - vergleichbar mit einem Auffahrunfall auf einer x-beliebigen Bundesstraße.

    Erfreuen wir uns an stetig weiter zunehmender kultureller Bereicherung und danken dafür unseren Volksvertretern.

  • Der soll doch bei Traunstein bleiben, dort weiter träumen und ja nicht verletzt werden, sonst treten wir als BP zurück. Welche Weicheier sind eigentlich heute in der Politik - Churchill war wenigstens noch ein Format, ebenso Nixon. Aber auch Napoleon Bonaparte hatte sein Format, seine Wahnideen. Heute ist die einzige Wahnidee: Bereicherung.

  • Schaltet mal die Kommentare wieder ein bei "Heftige Ausschreitungen Randale bei Kurdenfest in Mannheim". Was das Volk dazu sagt soll nicht öffentlich werden ja ??

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