Exklusives Terminal
Ryanair weicht nach Bremen aus

Europas größte Billigfluggesellschaft forciert ihre Expansion in Deutschland und nimmt im Norden der Republik erstmals Kurs auf einen internationalen Verkehrsflughafen, an dem bisher Platzhirsch Lufthansa unumstritten das Sagen hat. Die Nachricht kommt nur Stunden nachdem ein Landgericht am Regionalflughafen Lübeck Sonderkonditionen für Ryanair verboten hatte.

FRANKFURT. Nach Handelsblatt-Informationen aus Branchenkreisen plant Ryanair in Bremen den Aufbau einer neuen Basis in Bremen und soll ab März 2007 ein Abflug-Terminal zur exklusiven Nutzung erhalten. Ein Sprecher der Bremer Flughafen-GmbH sprach von einer „laufenden Ausschreibung“, bei der noch keine Entscheidung gefallen sei.

Ryanair-Vorstandschef Michael O’ Leary hatte im Mai in einem Handelsblatt-Interview betont, er werde „bis Ende des Jahres“ eine neue deutsche Flughafenbasis bekannt geben. Innerdeutsche Flüge seien dann sinnvoll, wenn Ryanair in Deutschland eine zweite Basis neben Hahn habe, sagte O’ Leary weiter. Bisher operiert das Unternehmen in Deutschland ausschließlich auf Nebenflughäfen wie Hahn im Hunsrück, Weeze bei Düsseldorf oder Karlsruhe/Baden. Branchenexperten halten die deutschen Strecken des Preisbrechers bisher zwar nicht für sonderlich ertragreich. Insgesamt hat Ryanair mit seiner konsequenten Ausrichtung auf europäische Nebenflughäfen aber großen Erfolg. Die Gewinnmarge der Firma liegt seit Jahren bei etwa 20 Prozent, die Börsenbewertung mit knapp sechs Mrd. Euro in der Größenordnung des Lufthansa-Konzerns.

Dabei nutzt Ryanair regelmäßig die Verzweiflung vieler Regionalflughäfen aus, die über brach liegende Pisten klagen, ihre Gebühren streichen und im Gegenzug sogar umstrittene Zuschüsse zahlen. Ryanair wurde bereits zweimal zur Rückzahlung von Subventionen verurteilt: 2003 in Straßburg und wenige Monate später am belgischen Flughafen Charleroi. Am Dienstag erklärte erstmals auch ein deutsches Gericht Ryanair-Sonderbehandlungen für unrechtmäßig: Das Landgericht Kiel urteilte, die Entgeltverordnung des Flughafens Lübeck sei unzulässig, weil mit der Airline individuelle Regelungen über erhebliche Preisnachlässe getroffen worden seien.

Den Prozess hatte Air Berlin stellvertretend für den Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) geführt. Der Börsen-Neuling führte zur Begründung an, er habe seine London-Strecken ab Hamburg einstellen müssen, weil sie sich durch die „Dumping-Angebote“ des irischen Rivalen nicht mehr wirtschaftlich betreiben ließen. Ryanair könne durch die unzulässigen Rabatte „Kunden binden und Passagiere aus dem Einzugsgebiet Hamburg abwerben“, heißt es in dem Gerichtsurteil.

Der Flughafen Lübeck soll nun aufgefordert werden, alle Preisnachlässe offen zu legen. Danach soll entschieden werden, ob Ryanair erneut unerlaubte Subventionen zurückzahlen muss. Ryanair erklärte in einer Stellungnahme, die Konditionen in Lübeck stünden allen Airlines offen, die sich verpflichten, dem Flughafen hohe Passagiervolumina zu bringen. In der Branche wird dennoch erwartet, dass Ryanair fortan auf den benachbarten Flughafen Bremen setzt. Dessen Betreibergesellschaft hat die Nutzung eines Terminals europaweit ausgeschrieben, um der Subventions-Debatte aus dem Weg zu gehen.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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