Expansion in Südosteuropa
Bahn erwägt Einstieg in Slowenien

Die slovenische Regierung möchte nicht nur ihre defizitäre Eisenbahn, sondern auch den rentablen, börsennotierten Hafen Koper sowie die ebenfalls börsennotierte Spedition Intereuropa verkaufen. Möglicher Interessent ist die Deutsche Bahn (DB), die in Südosteuropa expandieren will. Die Ausschreibung soll Anfang 2008 beginnen.

WIEN. Das derzeit interessanteste Projekt der DB könnte sich in Slowenien ergeben. Das kleine Land, das seit diesem Jahr zur Eurozone gehört, ist für den Durchgangsverkehr in den Balkan interessant und zählt zu den fortgeschrittensten Regionen in Osteuropa. Derzeit wird eine Ausschreibung vorbereitet.

DB-Chef Hartmut Mehdorn dürfte sich bei seinem Besuch im vergangenen Monat in Ljubljana und seinem Gespräch mit dem slowenischen Regierungschef über das Thema informiert haben. Bislang steckt das Projekt allerdings noch in einer frühen Phase. Sogar über den Wert der einzelnen Gesellschaften und die Menge der Anteile, die verkauft werden sollen, herrscht noch keine Einigkeit, weshalb die Regierung auch noch keinen Mindestpreis festlegen kann. Ein DB-Sprecher rechnet damit, dass hier bis Ende des Jahres Klarheit herrschen könnte, sodass die eigentliche Ausschreibung im Frühjahr 2008 starten kann. Dass die DB dann ein Angebot macht, ist wahrscheinlich, aber noch nicht entschieden. „Wir sind natürlich an einer Expansion ins Ausland interessiert“, sagte der Sprecher lediglich.

In Slowenien wird fest mit einem Verkauf gerechnet, wie beispielsweise allein der Aktienkurs der Hafengesellschaft zeigt, der sich trotz Einbrüchen in den vergangenen Wochen in diesem Jahr bereits mehr als verdoppelt hat. Koper profitiert von vergleichsweise kurzen Seetransportwegen in die Wirtschaftszentren Zentral- und Osteuropas sowie des ferneren Ostens. Ein Problem ist allerdings die langsame Eisenbahnanbindung Kopers. Hier plant die Regierung in Ljubljana einen Ausbau der Strecke auf Hochgeschwindigkeitsstandard.

Der Investitionsbedarf des Eisenbahnsystems wird von Fachleuten auf neun Mrd. Euro innerhalb der nächsten 15 bis 20 Jahre geschätzt. Für die DB dürften, wie der Sprecher feststellte, Investitionen in ausländische Netze nicht in Frage kommen, weswegen vor einem Verkauf auch die klare Trennung zwischen Netz und Betrieb ein Kriterium sein dürfte. Interessant für mögliche Käufer ist auch die Spedition Intereuropa, die mit ihren Beteiligung an südosteuropäischen Firmen im ersten Halbjahr 2007 auf einen Umsatz von rund 120 Mill. Euro gekommen ist und dabei einen Gewinn von knapp 25 Mill. erzielte.

Die DB hat auf ihrem Weg zur börsennotierten Aktiengesellschaft bereits mehrere Expansionsschritte ins Ausland unternommen. Dabei beteiligt sie sich vorwiegend mit ihre Gütertransportgesellschaft Railion an Unternehmen in Europa. In Polen zum Beispiel hat sich Railion mit 70 Prozent an East West Railways eingekauft. Der Eisenbahnbetreiber mit Sitz in Breslau soll die südpolnische Industrieregion mit Deutschland verbinden. Mit den russischen Eisenbahnen schloss die DB im Bereich der Logistik ein Joint Venture ab. In Westeuropa ist sie zuletzt in Spanien auf Einkaufstour gegangen. Die Bahntochter Schenker hat die Logistikgruppe Spain-Tir übernommen. Auch die Mehrheit an der spanischen Gütereisenbahn Transfesa gehört seit dem vergangenen Monat der DB, die dadurch mit Abstand zum größten Logistikunternehmen auf der iberischen Halbinsel geworden ist.

Bei der Konkurrenz wird die Expansion des ehemaligen Staatsmonopolisten skeptisch gesehen. Kritiker ist etwa Klaus-Michael Kühne, Verwaltungsratspräsident des Logistikers Kühne + Nagel. Der Österreich-Geschäftsführer des Konzerns spricht von „einer Bankrotterklärung der europäischen Verkehrspolitik“, falls die DB als „staatlicher Monopolist“ in Slowenien zum Zuge kommt.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
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