Experten erwarten nur geringen Kaufpreis für den Bekleidungsdiscounter
Flaue Textilnachfrage erschwert Verkauf von Adler Moden

Für die Metro-Beteiligungsholding Divaco wird es nach Einschätzung von Experten schwer sein, beim bevorstehenden Verkauf der Filialkette Adler Moden einen zufriedenstellenden Preis zu erzielen. "Man kann derzeit für wenig Geld Textilhandelsfläche bei kleinen und mittelständischen Unternehmen erwerben", berichtet ein Sprecher des Bundesverband der deutschen Textilindustrie (BTE).

HAMBURG. Die schlechte Branchenentwicklung macht vielen Verkäufern schon seit längerem einen Strich durch die Rechnung. Angesichts rückläufiger Konsumausgaben und eines zu heißen Sommers ist laut Verbandsangaben der Umsatz im deutschen Textilhandel bis Ende September um 5 bis 6 % zurückgegangen. Der Bekleidungsumsatz fiel nach Verbandsangaben bereits im vergangenen Jahr um 8 % auf knapp 40 Mrd. Euro.

Die sinkenden Umsätze drücken bei vielen Textilhändlern zugleich die Rendite. Die allerdings dient Firmenkäufern häufig als Grundlage für die Berechnung des Kaufpreises. Das Zehn- bis Zwölffache des Ertrags wird derzeit für Textilketten gezahlt, berichten Brancheninsider. Während Adler von 1997 bis 1999 eine Umsatzrendite vor Steuern von rund 5 bis 7 % erzielte, schrumpfte sie zuletzt auf 3,4 %. Im laufenden Geschäftsjahr, verspricht Geschäftsführer Günter Schmittdiel, soll sie wieder das alte Niveau erreichen.

Der Düsseldorfer Handelskonzern Metro hatte im November 1998 Adler Moden ebenso wie Vobis, Maxdata, den Discounter Tip, die Kaufhalle und die Reno-Schuhmärkte in die Frankfurter Divaco AG & Co. KG ausgegliedert und die Beteiligungsfirma später bis auf einen Euro in der Bilanz abgeschrieben. Deutschlands größter Einzelhandelskonzern konzentriert sich seitdem auf das Kerngeschäft Cash & Carry, Elektronikfachmärkte, SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte. Um die Divaco nicht in der Konzernbilanz konsolidieren zu müssen, gab der Handelsriese die Mehrheit an eine Finanzgruppe um die Deutsche Bank und die Kölner Versicherung Gerling ab.

Adler Moden zählt mit einem 2003 geplanten Nettoumsatz von 670 (629) Mill. Euro (ohne MwSt.) und mehr als 4 600 Vollzeitarbeitskräften zu einem der größten mittelständischen Modefilialisten Deutschlands. Im vergangenen Jahr hatte die im unteren Preissegment tätige Kette allerdings 1,7 % Umsatz abgeben müssen, während Wettbewerber Takko 8,3 % hinzugewann, Tengelmanns Textildiscounter Kik sogar 10,8 %.

Das Haibacher Unternehmen belegt laut Berechnungen der Fachzeitschrift "Textilwirtschaft" den zwölften Platz in der Rangliste deutscher Bekleidungseinzelhändler. An der Spitze stehen Karstadt-Quelle, der Otto Versand und C& A.

Die Handelsfirma war 1960 durch die Familie Adler gegründet worden und besitzt derzeit 134 Filialen, davon 105 in Deutschland. Adler ist zudem in Polen, Luxemburg und Österreich vertreten. Der Anteil der Eigenmarken liegt bei 63,3 %. Dazu gehören unter anderem "Bexleys" sowie "Alphorn", das bundesweit größte Trachten- und Landhaus-Sortiment. Um den Absatz weiter anzukurbeln, wirbt das Unternehmen unter anderem mit der TV-Moderatorin Birgit Schrowange.

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