Experten fordern Strafsteuer und Werbeverbot, die Industrie reagiert mit Kopfschütteln
Suchtbeauftragte geht gegen Alkohol-Mixgetränke vor

„Feiern bis der Sommer kommt“, heißt es in der Werbung von Smirnoff Ice. „Speed up your party“, verspricht Bacardi Rigo. Diese fruchtig-süßen Partygetränke, die einen gehörigen Schuss hochprozentigen Alkohol enthalten, locken nicht nur junge Leute: Sie stoßen seit geraumer Zeit den Suchtexperten der Republik sauer auf.

DÜSSELDORF. Für die Deutsche Hauptstelle für Suchtgefahren (DHS) sind diese so genannten Alcopops Ursache für einen massiven Alkoholmissbrauch unter Kindern und Jugendlichen in jüngster Zeit. Dieser Auffassung hat sich jetzt auch die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marion Caspers-Merk, angeschlossen und fordert eine Strafsteuer für Alcopops. Die SPD-Politikerin hält die Mixgetränke für eine „Einstiegsdroge“ in den Alkoholismus.

Die Spirituosenindustrie hingegen zeigt sich überrascht. Zumal Bund, Länder und Unternehmensvertreter noch vor 14 Tagen in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe ein weiteres, von allen Beteiligten finanziertes Suchtpräventionsprogramm auf den Weg gebracht hätten, wie Angelika Wiesgen-Pick, Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Deutschen Spirituosen-Industrie (BSI) berichtet.

Auch richte sich die Werbung für diese Mixgetränke keineswegs an Kinder und Jugendliche, sondern eindeutig an Konsumenten über 18 Jahre, sagte Wiesgen-Pick. Bacardi und Diageo, Marktführer bei den Alcopops, lassen bereits ein Logo auf die Flaschenetiketten drucken, das den Handel und auch den Endverbraucher darüber informiert, dass die Abgabe an Konsumenten unter 18 Jahren gesetzlich untersagt ist. Weitere Hersteller haben sich der Aktion angeschlossen.

„Diese Grenze ist eine Fiktion“, behauptet hingegen DHS-Geschäftsführer Rolf Hüllinghorst. Die Werbung spreche eindeutig auch jüngere Verbraucher an. Eine repräsentative Untersuchung über die Beteiligung von Alcopops am Alkoholmissbrauch Jugendlicher gebe es jedoch noch nicht, berichtet Hüllinghorst. Die Vorwürfe an die Industrie basieren auf einer europaweiten Bevölkerungsumfrage, in die auch vier deutsche Bundesländer einbezogen waren. Deshalb sei das Argumentationsmodell auch noch „etwas schwach auf der Brust“, erläutert Hüllinghorst. Dessen ungeachtet fordert der Suchtexperte weitere Werbeverbote für die Spirituosenindustrie.

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