Experten gegen Konzern-Teilung
Debatte um Bahn-Zukunft entbrannt

Um die Zukunft der Deutschen Bahn ist nur wenige Tage vor der Bundestagswahl eine neue Debatte entbrannt. Während sich ein Expertenbeirat des bundeseigenen Konzerns gegen die Abtrennung des Gleisnetzes aussprach können sich andere eine Teilung vorstellen.

HB BERLIN. Eine weitere Integration von Netz und Zugbetrieb erleichtere den geplanten Börsengang, entlaste den Bundeshaushalt und lasse mehr Wettbewerb zu, teilten die Wissenschaftler des Beirats am Mittwoch mit. In einem vom Bundesverkehrsministerium erwarteten Gutachten soll laut „Financial Times Deutschland“ dagegen eine Teilung des Konzerns gut abschneiden.

Eine Lösung des rund 34 000 Kilometer langen Gleisnetzes aus dem Konzern wäre mit Mehrkosten, betriebswirtschaftlichen und technischen Problemen verbunden, erläuterte der Bahn-Expertenkreis. Entscheidend für die Chancen privater Konkurrenten sei nicht, ob die Deutsche Bahn das Netz abgebe, sondern eine effektive Regulierung. Die nun darüber wachende Bundesnetzagentur sei ein scharfes Instrument, sagte der Wirtschaftswissenschaftler Gerd Aberle. Der Chef des Gremiums, Horst Albach, sagte, das Anlagevermögen sei für künftige Aktionäre wichtig. Der Wert eines integrierten Konzerns sei etwa ein Sechstel höher als ohne Netz.

In der seit Jahren geführten Diskussion hat sich Bahnchef Hartmut Mehdorn mehrfach strikt gegen eine Abtrennung des Netzes gewandt. Die Gewerkschaft Transnet bekräftigte am Mittwoch ihre Warnung vor einer „Zerschlagung“ des Konzerns. Während Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) diese Position teilt, wollen Grüne, FDP und Union im Bundestag eine Teilprivatisierung der Bahn ohne Netz. FDP-Verkehrsexperte Horst Friedrich kritisierte den Expertenbeirat als „Lobbyinstrument des Bahnvorstands“. Über die Struktur der Bahn werde auf Grundlage eines neutralen Gutachtens entschieden, das nach der Wahl erwartet wird.

In dieser Studie einer Gruppe um die Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton soll laut „Financial Times Deutschland“ ein „kleines Teilungsmodell“ gut abschneiden. Statt einer völligen Abtrennung des Netzes bliebe es bei einer Teilprivatisierung der Bahn demnach Eigentum des Bundes, der Konzern würde es aber weiter bewirtschaften. Das Verkehrsministerium verwies darauf, dass die Studie nicht fertig sei und nicht vorliege. Spekulationen seien daher unsinnig, sagte eine Sprecherin. Der Verdacht, das Votum des Bahn-Beirats beeinflusse die Ergebnisse, sei absurd. Die Grünen hatten in diesem Punkt bei Verkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) protestiert.

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