Experten sehen Chancen für Unternehmen
Die Preiserhöhungsverstecker

Wie bei der Maut, der Tabak- oder der Mineralölsteuer wird auch die Anhebung der Mehrwertsteuer von den Händlern voraussichtlich an die Kunden weitergegeben. Dies spielt vor allem einer Branche in die Hände: Unternehmensberatungen, die sich auf Preisstrategien spezialisiert haben.

BONN. Jens Lehmann schaut auf seinen Zettel, und dann hält er den entscheidenden Elfmeter. Geschafft! Argentinien ist bezwungen. Deutschland steht im Halbfinale der Fußball-Weltmeisterschaft! Deutschland ist im Freudentaumel – Deutschland ist abgelenkt.

„Das war der ideale Augenblick für Preiserhöhungen“, sagt Georg Tacke. Der Mann denkt streng analytisch, wenn es um Preise geht – dafür wird der Partner der Unternehmensberatung Simon, Kucher & Partner in Bonn bezahlt. „Die Mehrwertsteuer sollte in jedem Fall an den Kunden weitergegeben werden“, rät Tacke.

Als der in der Szene als „Preispapst“ bekannte Hermann Simon vor mehr als 20 Jahren seine Unternehmensberatung gründete, war clevere Preisstrategie ein Nischenthema. Mittlerweile haben sich einige Berater darauf spezialisiert, Firmen dabei zu helfen, ihre Preise so geschickt zu erhöhen, dass ihre Kunden den Aufschlag möglichst nicht merken.

Und dank der Erhöhung der Mehrwertsteuer zum 1. Januar 2007 von 16 auf 19 Prozent ist der Rat von „Preisversteckern“ wie Georg Tacke in diesen Monaten gefragter denn je. Ein „gefundenes Fressen“ sei das für die Berater, sagt Dietmar Fink, Professor für Unternehmensberatung an der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg.

Gesamtwirtschaftlich ist die Steuererhöhung ein Risiko. „Die deutsche Wirtschaft wird das ins Mark treffen“, sagt Gustav Horn, Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung. Denn der private Konsum trägt mehr als die Hälfte zum Wirtschaftswachstum bei. Wird den Deutschen ihre Kauflaune vermiest, könnte das dem Aufschwung eine Delle versetzen – vorausgesetzt, die Unternehmen reichen die Steuererhöhung voll an ihre Kunden weiter.

Genau das ist für Berater Georg Tacke selbstverständlich. Er verstehe nicht, wie ein Händler ernsthaft überlegen könne, diese Steuererhöhung selbst zu tragen, anstatt sie an den Kunden weiterzugeben: „Bei der Maut, der Tabak- oder der Mineralölsteuer kommt doch auch niemand auf die Idee – warum gerade bei der Mehrwertsteuer?“ Schließlich brauche ein Unternehmer nur die richtige Strategie, und dazu gehöre das richtige „Timing“ – nachzulesen ist das auf Tackes Liste „Acht strategische Empfehlungen für Unternehmen“, die er und seine Kollegen von Simon, Kucher & Partner auf ihrer Webseite präsentieren. „Warten Sie nicht bis 2007“, ist da zu lesen. „Setzen Sie Ihre neue Preisstrategie so schnell wie möglich um – idealerweise dann, wenn die Öffentlichkeit mit anderen Dingen beschäftigt und die Aufmerksamkeit eher gering ist.“ So, wie während der WM eben.

Seite 1:

Die Preiserhöhungsverstecker

Seite 2:

Seite 3:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%