Experten sehen darin die richtige Strategie: Die Devise der Berater heißt Aussitzen

Experten sehen darin die richtige Strategie
Die Devise der Berater heißt Aussitzen

Die öffentliche Schelte für die Berufsgruppe der Berater hat nach den Vorfällen in der Bundesagentur für Arbeit eine neue Dimension erreicht. Kaum ein Tag, an dem nicht neue Medienberichte die Leistungen der Branche in Zweifel ziehen. Bei solch einer Stimmungslage bekommt auch die Aufführung des Theaterstücks „Mc Kinsey kommt“ von Rolf Hochhuth im kleinen Städtchen Brandenburg ganz neue Aufmerksamkeit.

FRANKFURT/M. Statt sich zu verteidigen, ziehen es die Gescholtenen vor zu schweigen. „Abwarten und weiterarbeiten“ lautet die Devise in den meisten großen Strategieberatungen. „Wir melden uns lieber nicht zu Wort, denn öffentliche Auftritte schaden im Zweifel mehr als sie nutzen“, sagt ein Vertreter aus einer Top-Ten-Strategieberatung mit Blick auf die Medienpräsenz Roland Bergers nach den Vorfällen bei der Bundesagentur. Der Tenor bei anderen Unternehmen ist ähnlich: „Wir warten ab, bis der Sturm sich wieder legt.“

Die Reaktion ist typisch für die Beraterbranche. Sie ist gewöhnlich sehr verschwiegen, wenn es um die eigene Arbeit geht und will in diesem Zusammenhang erst recht nicht zitiert werden. Manch Anbieter spürt die Folgen der aktuellen Diskussion bereits: „Bei den öffentlichen Aufträgen verlangsamen sich die Entscheidungsprozesse. Kurzfristig wird sich das Wachstum im Bereich öffentliche Kunden sicher verlangsamen“, sagt ein Partner einer Strategieberatung, der nicht mit Namen zitiert werden möchte. Ein anderer Berater beobachtet bei Kunden in ehemals staatsnahen Branchen, dass auch dort Ausschreibungen und Verträge einer neuerlichen Prüfung unterzogen werden, was das Procedere ebenfalls verzögert.

Professor Dietmar Fink vom Lehrstuhl für Unternehmensberatung und Entwicklung an der Fachhochschule Bonn Rhein-Sieg bezeichnet das kollektive Schweigen der Branche als die beste Art, mit der Beraterschelte umzugehen: „Die Unternehmen, also die Kunden der Berater, beteiligen sich ja auch nicht daran“, begründet er sein Urteil. Darauf komme es schließlich an, sagt er. Das finden übrigens auch die Strategieberatungen. „Marketing findet beim Kunden statt“, kommentiert ein Berater trocken, die Notwendigkeit, in der Öffentlichkeit mehr an einem positiven Image für seine Branche zu arbeiten, sieht er nicht.

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