Experten sehen interessante Investitionsmöglichkeiten
Zwischen europäischen Börsen laufen die Drähte heiß

Die Gerüchte um die Zukunft der London Stock Exchange (LSE) kochen wieder. Anlass sind die häufigen Besuche von Managern der Deutschen Börse in London.

HB LONDON/FRANKFURT. Einzelne Mitglieder der LSE bekommen seit Wochen von deutschen Gästen ungewöhnlich viele Einladungen zum Abendessen. „Die Deutsche Börse fährt ein großes Entertainment- Programm auf“, sagt ein Banker in London. Aus Frankfurt heißt es dazu, es handle sich um reguläre Besuche bei Kunden und Investoren. Börsen-Chef Werner Seifert wurde aber auch mit Gesprächspartnern beobachtet, die nicht in diese Kategorie fallen. Ein Sprecher der Börse wollte zu den Spekulationen nicht Stellung nehmen; auch die LSE schweigt dazu.

Das Werben um die Londoner Börse hat in Frankfurt schon Tradition. Im Sommer 2000 schien die Fusion von Deutscher Börse und LSE schon perfekt. Unter dem Dach der gemeinsamen Börse IX sollten in London Standardwerte gehandelt werden, in Frankfurt wäre der inzwischen geschlossene Neue Markt verblieben. Letztlich scheiterte das Projekt am Widerstand der britischen Broker. Börsenchef Seifert wurde überdies ein wenig diplomatisches Verhalten vorgeworfen. „Natürlich will Seifert die LSE kaufen“, schätzt ein Beobachter. Und weil sie aus den schmerzlichen Erfahrungen von vor vier Jahren klug geworden sei, habe die Deutsche Börse nun die Charme-Offensive vorgeschaltet.

Auch wenn die Spekulationen um eine Übernahme der LSE seit Jahren mit schöner Regelmäßigkeit aufkommen, halten britische Aktionäre sie diesmal für „wärmer“ als sonst – nicht nur wegen der häufigen Besuche der Frankfurter an der Themse. Finanzchef Mathias Hlubek sprach bei der Veröffentlichung der Quartalszahlen der Deutschen Börse von „interessanten Investitionsmöglichkeiten“. Zudem legt das Unternehmen seit Monaten eine prall gefüllte Kriegskasse an. Ende September belief sich die Barreserve auf knapp 600 Mill. Euro. Ein bereits genehmigtes Programm zum Aktienrückkauf wurde erst einmal zurückgestellt. In London heißt es, bis zum Sommer dürften die Deutschen eine Milliarde Euro zusammen haben.

„Spätestens im Frühjahr gibt es Bewegung“, ist deshalb ein hochrangiger europäischer Börsenmanager sicher. Derzeit werde eifrig vorbereitet, Szenarien würden durchgerechnet. Auch im Umfeld des Managements der Deutschen Börse wird gemunkelt, es sei einiges in Bewegung. Dem Aktienkurs der Deutschen Börse haben die Gerüchte nicht geschadet. Seit einem Tief in der letzten Oktoberwoche hat der Titel um fast 15 Prozent zugelegt.

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