Exportboom
Ausländische Messen drängen nach Brasilien

Lebensmittel- und Ölexporte treiben die brasilianische Volkswirtschaft an - und machen das aufstrebende Land auch für Messeveranstalter interessant. Doch obwohl die Aussichten glänzend scheinen, bleibt Brasilien ein komplizierter Messestandort - nicht nur wegen der veralteten Infrastruktur.
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SAO PAULO. Wer letzte Woche in São Paulo die Fachmesse Expo Systems besuchte musste vor allem eines sein: tropentauglich. Trotz des brasilianischen Hochsommers, hielten die Aussteller eine Klimaanlage für überflüssig. Unter dem Kunststoffzelt staute sich die brütende Hitze auf bis zu 35 Grad. Wer konnte, flüchtete in den gekühlten Kongressraum. Am Nachmittag senkten sintflutartige Regenfälle zwar etwas die Temperaturen - doch dafür fehlten Taxis und die Besucher der "Messe der Messen" brauchten Stunden, um im Verkehrschaos vom Messegelände Anhembi zu ihren Hotels zu gelangen. Öffentliche Verkehrsmittel - Fehlanzeige. Die nächste Metrostation ist zwar nur ein paar hundert Meter entfernt, doch der Weg zwischen Stadtautobahnen und Industrieanlagen ist nicht beschildert und unsicher.

"Die Messeinfrastruktur in São Paulo ist besucherunfreundlich", sagt Débora Creutzburg, Messeverantwortliche der Deutsch-Brasilianischen Industrie- und Handelskammer in São Paulo. Das liegt am Alter: Vor 40 Jahren wurde der Anhembi-Komplex gebaut. 60 Jahre alt ist die von Oscar Niemeyer entworfene Bienale im Zentrum der 12-Millionen-Stadt, wo Buchmesse und Kunst- und Architekturausstellungen stattfinden. Seitdem ist nicht mehr viel investiert worden. Und daran wird sich so schnell nichts ändern.

Die Messegelände gehören der Präfektur, doch die ist chronisch klamm. Und private Baukonzerne und Entwickler investieren angesichts hoher Immobilienpreise lieber in lukrativere Projekte. Die Folge: immer mehr Besucher und Aussteller drängen sich auf dem gleichen Raum. "Früher brachten die Veranstalter in Anhembi noch 400 Aussteller unter", sagt Armando Campos Mello, Präsident des brasilianischen Messeverbandes UBRAFE, "heute tummeln sich auf der gleichen Fläche bis zu 1 200 Aussteller."

Und es sieht alles danach aus, als würde es bald noch gedrängter zugehen in São Paulo, wo zwei Drittel der 175 wichtigsten Messen Brasiliens jährlich stattfinden: Denn das Land ist dabei, zu einem der wichtigsten Messestandorte in den aufstrebenden Volkswirtschaften zu werden. Die neuntgrößte Volkswirtschaft ist einer der Globalisierungsgewinner: Rohstoffe für die Industrien weltweit bescherten dem Amazonasland einen Exportboom. Von Soja bis Rindfleisch, von Zucker bis Orangensaftkonzentrat - Brasilien ist der wichtigste Lieferant der Lebensmittelindustrie. Selbst den steigenden Proteinhunger in Fernost stillen vor allem brasilianische Farmer. Zusätzlich sorgt die Nachfrage nach Biotreibstoffen aus Zuckerrohr oder Ölsaaten für neues Interesse an Brasilien. Das Land ist der größte Lieferant von Ethanol auf dem Weltmarkt. Doch auch bei Big-Oil wird Brasilien bald mitspielen. Vor der Küste hat der Ölkonzern Petrobras gewaltige Ölvorkommen entdeckt.

Die internationale Energieagentur IEA schätzt, dass Brasilien schon 2015 der sechstgrößte Ölförderer weltweit sein wird. Um alle diese neuen boomenden Exportbranchen haben sich in den letzten Jahren ähnlich dynamische Messen gebildet: Die Agrishow im Landesinnern von São Paulo, ist eine der wichtigsten Landwirtschaftsausstellungen Lateinamerikas. In Rio de Janeiro finden mit "Rio Oil & Gas" und "Brasil Offshore" entscheidende Messen der globalen Ölindustrie statt.

Doch es ist nicht nur der Exportsektor, der die Wirtschaft antreibt: Denn Brasilien hat, anders als viele der Emerging-Markets weltweit, eine eigene breite Industrie. Der Flugzeugbauer Embraer etwa ist die Nummer drei nach Boeing und Airbus. Aber auch im Maschinenbau, der Textil- und Möbelindustrie, bei Energie, Medizin, Chemie, Papier und Stahl besitzt das Land Weltkonzerne, die international konkurrenzfähig sind.

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