Express-Geschäft
Expressfracht kommt per TGV

Die französische Staatsbahn SNCF und La Poste wollen ihr Geschäft mit dem Transport von Express-Gut ausbauen. Das Express-Geschäft hat in Frankreich Tradition. Seit 28 Jahren pendeln täglich vier Mal gelbe Post-TGV zwischen Paris und Lyon. Nun planen Frankreichs Staatsbahn und die Post schnelle Bahnverbindungen auch ins Ausland.

PARIS. "Wir wollen neue Ziele mit Fracht-Schnellzügen in Frankreich ansteuern, mittelfristig auch im Ausland", sagte Juliette Collin, Projektleiterin für Express-Fracht-Transport bei der SNCF dem Handelsblatt. Die Bahn hat sich dazu mit der französischen Post in einem Joint Venture, Fret-GV, verbündet. "Bereits Ende nächsten Jahres sollen neue Fracht-TGV rollen", kündigte Collin an. Laut Marc Wautier, Chef von Fret-GV, soll dabei etwa Dutzend Fracht-Schnellzüge zum Einsatz kommen. Ziele sind zunächst Bordeaux, Lille, Rennes, Strasbourg, später auch Köln und London.

Damit gibt es in Frankreich bereits zwei Initiativen, die auf den Transport von Expressgut mit Zügen setzen: Neben Fret-GV gibt es den Verein "Carex", indem sich La Poste, FedEx, Air France und der Schienennetz-Betreiber RFF zusammengeschlossen haben. Ziel von Carex ist, ab März 2012 den Flughafen Charles de Gaulle mit den Airports in Lyon, Lille, Lüttich, Köln-Bonn, Amsterdam und London über schnelle Züge zu verbinden. Laut Wautier haben beide Initiativen unterschiedliche Ziele und machten sich daher keine Konkurrenz: Bei Carex gehe es speziell um den Transit-Verkehr von Containern zwischen Flughäfen. Das Joint Venture mit der SNCF sehe sich dagegen im Expressgut-Sektor als Alternative zum Flugzeug und zum Lkw.

La Poste und die SNCF fangen im Express-Geschäft nicht bei Null an. Seit 24 Jahren pendeln drei der schon berühmt gewordenen gelben Post-TGV vier Mal pro Tag zwischen Paris und Lyon. Nun wollen beide Partner ein größeren Anteil vom wachsenden Express-Markt gewinnen. In Europa wächst dieses Segment des Gütertransports mit zweistelligen Raten. Vor allem die zunehmende Verbreitung von Käufen in Internet-Shops gibt dem Express-Geschäft Auftrieb. "Wir verstehen unser Projekt daher auch als Angebot an die Express-Spezialisten wie TNT oder Fedex", erklärte SNCF -Managerin Collin. Derzeit stecken die Pläne von La Poste und SNCF zum Ausbau des Express-Geschäfts aber noch in der Projekt-Phase. Die Bahn verhandelt mit dem TGV-Hersteller Alstom über den Umbau alter Personen-TGV in Fracht-Züge. Parallel suchen Post und SNCF einen Standort für die benötigte Umschlag-Plattform.

Ferner müssen Bahn und Post in ihrem Heimatmarkt noch Widerstände überwinden. So können derzeit keine Schnellzüge zwischen 23 Uhr und vier Uhr fahren, weil der Netzbetreiber RFF in den Nachtstunden das Schienennetz warten muss. Hier laufen derzeit Verhandlungen, wie ein Zeitfenster für den Fracht-TGV geschaffen werden kann, ohne die Sicherheit zu gefährden.

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