Expressbranche reagiert auf die Finanzkrise
TNT senkt Prognose

Die Expressbranche gerät im Zuge der sich abzeichnenden Rezession immer stärker unter Druck. Der niederländische Postkonzern TNT senkte gestern seine Wachstumsprognose und reagierte damit auf die Zurückhaltung vieler Firmenkunden, die angesichts der Finanzkrise an ihren Transportkosten sparen.

DÜSSELDORF. Die Aktie des Unternehmens verlor daraufhin zeitweise neun Prozent ihres Wertes und zog auch die Papiere des Marktführers Deutsche Post nach unten. Zwar hatte Post-Chef Frank Appel den Ausblick bei der Vorlage der Halbjahreszahlen bestätigt, die Prognose aber unter den Vorbehalt der konjunkturellen Entwicklung gestellt.

Analysten rechnen daher damit, dass die Post spätestens zur Vorlage der Neun-Monats-Bilanz Anfang November ihre Erwartungen anpasst. "Wir operieren nicht im luftleeren Raum und sind nicht immun gegen die wirtschaftliche Entwicklung", sagte eine Post-Sprecherin. Der Konzern will vor der Veröffentlichung der Zahlen den Markt zumindest über die Trends informieren.

Im Gegensatz zu TNT ist die Post-Tochter DHL Express auch innerhalb der USA aktiv. Dort schreibt das Unternehmen milliardenschwere Verluste und versucht, durch Kosteneinsparungen sowie eine Kooperation mit dem US-Konkurrenten UPS in der Luftfracht die Defizite zu begrenzen. Der konjunkturelle Abschwung in den USA hat nun die Lage verschärft. "DHL wird um härtere Einschnitte nicht herumkommen", sagte Axel Funhoff, Analyst der ING Bank.

Das Premium-Expressgeschäft von TNT in Europa sei bereits rückläufig und werde sich im Schlussquartal weiter verschlechtern, sagte eine TNT-Sprecherin. Einige Luftfrachtkunden verschickten bereits weniger. Viele suchten zudem nach kostengünstigeren Liefermöglichkeiten wie etwa dem Transport auf der Straße. Den Rückgang bezifferte TNT bezogen auf das Volumen auf zehn Prozent.

Andre Mulder, Analyst von Kepler Capital in Amsterdam, zeigte sich über den Rückgang angesichts der schlechten konjunkturellen Aussichten wenig überrascht. Andere Geschäfte von TNT entwickelten sich nach wie vor gut. Logistiker wie Fedex und UPS dürften wegen ihrer stärkeren Ausrichtung auf die Luftfracht mehr Probleme bekommen. Beide hatten ihre Prognosen bereits angesichts explodierender Ölpreise und der Rezession in den USA mehrfach korrigiert.

TNT-Chef Peter Bakker nahm die Ergebnisprognose im Express-Geschäft von einer niedrigen zweistelligen Marge auf rund neun Prozent zurück. Auch das Umsatzwachstum werde niedriger ausfallen - es sollte ursprünglich im hohen einstelligen Bereich liegen. Der Expressbereich trägt 60 Prozent zum Umsatz von TNT bei. Bei der Post entfällt 20 Prozent des Umsatzes auf den Bereich, die Marge liegt bei drei Prozent. Die konjunkturresistente Briefsparte trägt nach wie vor den Löwenanteil zum Gewinn bei.

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