Expressgeschäft
TNT macht DHL mächtig Dampf

Der niederländische Postkonzern TNT will das Expressgeschäft in Europa und Asien kräftig ausbauen und Marktführer DHL, einer Tochter der Deutschen Post, Paroli bieten. „Wir planen weitere Übernahmen, vor allem in schnell wachsenden Volkswirtschaften“, sagte TNT-Chef Peter Bakker.

AMSTERDAM. Bisher punktet TNT vor allem mit seinem interkontinentalen Luftfrachtnetz in Verbindung mit einem Landverkehrsnetz in den europäischen Industriestaaten. Dieses Netz will Bakker jetzt durch Transportnetze am Boden in Schwellenländern verstärken. Deshalb zielen die geplanten Zukäufe vor allem auf den lukrativen regionalen Transport von Paketen auf der Straße. „In einzelnen Ländern Kühlschränke mit dem Flugzeug durch die Gegend zu fliegen bringt es einfach nicht“, so Bakker.

Die Holländer spezialisieren sich im Gegensatz zu DHL auf das Expressgeschäft. Deshalb hat Bakker erst kürzlich seinen Stückgutverkehr sowie die Kontraktlogistik, bei der der Dienstleister langfristig die gesamte Logistik für einzelne Großkunden abwickelt, für insgesamt über zwei Mrd. Euro an den französischen Spediteur Geodis sowie einen Finanzinvestor verkauft. DHL hält an den Sparten dagegen fest, um den Kunden ein Komplettangebot zu machen.

Das kann auch Nachteile haben: „Die Kunden wollen nicht in Abhängigkeit von einem Dienstleister geraten“, meint Logistikexperte Horst Manner-Romberg. Außerdem hielten sich die Synergien zwischen den Sparten in Grenzen. Dies spreche für den neuen Ansatz von TNT. Auf der anderen Seite seien die Holländer mit einem Umsatz von zehn Mrd. Euro aber schlicht zu klein gewesen, um als Komplettanbieter erfolgreich sein zu können. „Modellcharakter hat die Strategie von TNT daher nicht“, meint Manner-Romberg.

Bakker dagegen ist überzeugt, dass TNT ein Vorreiter für die Branche ist. Andere würden folgen und sich auf Expressdienstleistungen konzentrieren. Zwar räumt er ein, dass TNT selbst noch vor ein paar Jahren Komplettanbieter werden wollte. Doch habe man davon Abstand genommen, als die Renditen insbesondere in der Kontraktlogistik in den letzten Jahren stark geschrumpft seien.

Geographisch hat Bakker für das Expressgeschäft neben der Türkei, dem möglichen künftigen EU-Mitglied, vor allem Osteuropa und dort Polen im Auge. In Russland will er dagegen noch abwarten, um das Straßentransportgeschäft aufzubauen. In den letzten zwölf Monaten hat Bakker für knapp 400 Mill. Euro drei Expressdienste in Spanien, Indien und China gekauft. Mit dem Kauf der chinesischen Hoau ist TNT schlagartig zum größten nationalen Paketdienst Chinas aufgestiegen. Um das Chinageschäft mit Europa zu vernetzen, legte sich TNT für 250 Mill. US-Dollar zwei Boeing 747 zu. Auch nach Singapur und Malaysia hat Bakker die Fühler ausgestreckt. Und seit einiger Zeit verhandelt er mit der japanischen Post über eine Kooperation. Die Gespräche verzögerten sich aber wegen der für Ende 2007 geplanten Privatisierung der Japan Post.

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