Extravagantes gegen Billiganbieter
Friseure setzen auf Mozart unter der Trockenhaube

Doch die neuen Spaß-Friseur-Salons können nicht darüber hinwegtäuschen: Der Trend geht weiter zum billigen Haar-Schnitt.

Eine Tasse Kaffee genügt nicht. Mozart unter der Trockenhaube, Shoppen in der Schuh-Boutique, während die Dauerwelle trocknet, eine Pediküre nach dem Haarewaschen: der Erlebnis-Friseur macht’s möglich. Vor allem in Deutschlands Metropolen boomen die spaßigen Hairstylisten. Sei es in Berlin in der Notaufnahme, wo Kunden auf Krankenhausbetten auf den Haarschnitt warten und DJs Platten auflegen, oder in Hamburg, wo ein findiger Coiffeur nebenher Wein und Schuhe verkauft: Solch bizarre Angebote können nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Wettbewerb härter geworden ist.

Die Deutschen lassen sich zwar nach wie vor die Haare schneiden – Frauen sechs-, Männer fünfmal im Jahr. Doch geben sie weniger Geld dafür aus. So ist das Umsatzvolumen des Friseurgewerbes in Deutschland im Jahr 2003 um 4 % auf 4,8 Mrd. Euro gesunken. Dabei hat die Zahl der in der Regel inhabergeführten Salons noch zugenommen.

Die meisten Friseure tragen den Wettbewerb nach wie vor über den Preis aus. „Cut and go“ heißt das Motto der Billiganbieter. Besonders große Friseurketten wie die im General Standard notierte Düsseldorfer Essanelle AG mit 520 Salons und die Wolfsburger Frisör Klier GmbH mit 800 Salons profitieren vom Trend zum billigen Schnitt.

Mit der erst vor zwei Jahren gegründeten Billigmarke Essanelle Hair Express steigerte die Friseurkette ihren Umsatz 2003 um über 30 %. Weniger gut liefen dagegen die exklusiven Essanelle-Salons. Bei der Franchisegruppe Mod’s Hair ging der Umsatz um über 40 % zurück, bei Edel-Coiffeur Jürgen Tröndle mit Salon an der Düsseldorfer Kö um 10 %. Insgesamt gab der Konzernumsatz aber nur leicht auf 115 Mill. Euro nach.

„Unsere Stärke ist das Haareschneiden“, sagt Essanelle-Vorstandschef Uwe Grimminger. Eine Art Friseur-Tchibo oder gar ein Erlebnis- Coiffeur will Essanelle nicht werden. Doch keine Regel ohne Ausnahme: Der vergleichsweise rentable Verkauf von Haarpflegeprodukten in den Salons, aber auch in eigenen „Beauty Hair Shops“ (Umsatzanteil 13,5 %) soll ausgebaut werden.

Der Friseurfilialist hat seine Lektion auf die harte Tour gelernt. Marktbeobachter hatten ihn schon abgeschrieben. Die Verluste türmten sich über Jahre auf, die Expansion klappte nicht, das Konzept mit verschiedenen Salons für verschiedene Zielgruppen schien nicht aufzugehen. Nach der Sanierung scheint es nun geschafft: Essanelle schreibt seit 2003 wieder schwarze Zahlen. Zählte die Gruppe Ende 2001 noch 4 700 Mitarbeiter waren es Ende 2003 noch 3 900. Das Filialnetz wurde saniert, ein Auslandsabenteuer in Polen beendet.

Der Sparkurs wird fortgesetzt. Für 2004 will Grimminger das Ergebnis vor Steuern bei stabilem Umsatz auf rund 1,2 Mill. Euro verdoppeln. Größere Investitionen in das Filialnetz plant der vorsichtige Friseur nicht.

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