Fabriken in Bangladesch
Moderiesen unterzeichnen verbindliches Abkommen

Die Katastrophe könnte die Wende bringen in Bangladesch: Mehrere große Textilfirmen haben sich auf neue Brand- und Schutzstandards geeinigt. Ein Viertel der Fabriken im Land nähen bisher für die Unterzeichner.
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New York/DhakaNach dem verheerenden Fabrikeinsturz in Bangladesch wollen sich etliche internationale Modeketten an einem Sicherheitspakt zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in dem asiatischen Land beteiligen. Laut der Vereinbarung wollen sie unter anderem für unabhängige Inspektionen sorgen und Kosten für Renovierungen übernehmen. Drei Wochen nach der Einsturzkatastrophe kamen am Dienstag Tausende Menschen zu einer Trauerfeier für die insgesamt 1127 Todesopfer zusammen.

Der Sicherheitspakt für die bangladeschische Zuliefererbetriebe ist auf fünf Jahre angelegt. Zunächst hatte am Montag die schwedische Kette H&M - der größte Kunde der dortigen Bekleidungsindustrie - angekündigt, die Vereinbarung zu unterzeichnen. Stunden später folgten die niederländische Firma C&A, die britischen Einzelhändler Tesco und Primark sowie Inditex in Spanien, zu der die Zara-Kette gehört. Am Dienstag schloss sich dann auch das italienische Modehaus Benetton an.

Organisationen für Arbeitnehmerrechte hatten den internationalen Modeketten ein Ultimatum bis Mittwoch gesetzt, sich dem Sicherheitspakt anzuschließen. Ansonsten würde der Druck erhöht, hieß es.

Bereits im vergangenen Jahr hatten PVH, das für Calvin Klein, Tommy Hilfiger und Izod produziert, sowie die deutsche Tchibo-Kette eine entsprechende Selbstverpflichtung unterzeichnet. Nach Schätzungen von Arbeitsrechtlern fallen damit unter diese Übereinkunft erst zwischen 10 und 20 Prozent der rund 5000 Bekleidungsfabriken in dem Land. Nicht dabei von den großen Modehändlern sind bislang die US-Supermarkt-Kette Wal-Mart, nach H&M zweitgrößter Kunde in Bangladesch, sowie Gap.

Knapp drei Wochen nach dem verheerenden Fabrikeinsturz gedachten Tausende Menschen der Opfer der Katastrophe. Sie versammelten sich am Dienstag vor den Trümmern des achtstöckigen Gebäudes in einem Vorort von Dhaka, um für die insgesamt 1127 Todesopfer und die zahlreichen Verletzten zu beten. In Reih und Glied standen Soldaten, Polizisten und Feuerwehrleute in Uniform in der Nähe der Hinterbliebenen.

Einen Tag vor der islamischen Trauerfeier hatten die Streitkräfte die Bergungsarbeiten eingestellt. Den Tag über hatten die Soldaten in den Trümmern keine einzige Leiche mehr gefunden. Militärkommandeur Hasan Suhrawardy, der die Aufsicht über die Unglücksstelle innehatte, bedankte sich am Dienstag bei den Rettungskräften. Die Armee werde der Regierung eine Liste mit 1.000 Überlebenden mit der Empfehlung übergeben, diese bei der Vergabe von Jobs zu bevorzugen, kündigte er an.

Agentur
ap 
Associated Press / Nachrichtenagentur

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