Fahrdienst-App Uber
Der Taxistreit von New York

Die Taxi-App Uber macht alteingesessenen Bürger-Chauffeuren das Geschäft streitig. Auch in Deutschland will sich der Dienst mit neuen Unterstützern weiter ausbreiten. In New York ist der Taxi-Kampf längst ausgebrochen.
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San FranciscoRyan Simonetti ist ein ausgemachter Fan des Taxidienstes Uber, aber das hat sein Vertrauen in das Start-Up-Unternehmen doch erschüttert. „Gerade von Uber-Fahrer in Washington gekidnappt worden. Gegen meinen Willen festgehalten, Verfolgungsjagd mit der Polizei“, sendete er via Kurznachrichtendienst Twitter fassungslos. Sein Fahrer war in eine Kontrolle geraten und gab Gas – die Passagiere im Auto. Er hatte offenbar Angst vor einer hohen Geldstrafe. Schließlich ließ er die Fahrgäste aus dem Auto entkommen, fuhr gegen die Fahrtrichtung auf den Highway und verschwand. Uber teilte später mit, der Fahrer sei nicht mehr bei dem Dienst, und man werde voll mit den Behörden kooperieren. Simonetti erklärte der „Washington Post“, er werde zwar weiter mit Uber fahren, aber er frage sich schon, wie der Auswahlprozess der Fahrer von statten gehe.

Seit 2012 gibt es den Taxidienst in New York, auch in rund 20 europäischen Städten ist er aktiv. Mit der App können Nutzer Autos samt Chauffeur ordern und bezahlen. Die Fahrer sind meist selbstständige Kleinunternehmer.

Die Reaktion auf den neuen Dienst ist überall die gleiche: Die etablierten Taxifahrer fühlen sich bedroht. Im Juni protestieren in ganz Europa Taxifahrer gegen die App – auch in Berlin. In Brüssel wurde Uber der Betrieb bereits behördlich untersagt, in Frankreich gibt es Einschränkungen. In Deutschland arbeiten derzeit laut Vertriebschef Emil Michael „ein paar Hundert“ Fahrer, aber es sollen schnell Tausende werden. Als nächstes auf dem deutschen Expansionsplan steht Frankfurt am Main. Unterstützung bekam die Taxi-App am Mittwoch von der Monopolkommission: Der Wettbewerb sei durch den Markteintritt von Unternehmen, die Mietwagen per Smartphone vermittelten, „intensiviert“ worden. Um die positive Entwicklung nicht zu gefährden, solle die Regulierung des Mietwagenverkehrs angepasst werden, lautete die Empfehlung.

In New York kann man sehen, wohin die Liberalisierung des Geschäfts mit dem Personentransport führen könnte, denn Uber ist offenbar nicht zimperlich, wenn es um die Bezahlung seiner Fahrer geht. Am 17. Juni demonstrierten Ramzi Regullii und dutzende andere Uber-Fahrer vor dem Firmensitz in San Francisco, um ihrem Unmut über den Taxi- und Chauffeurdienst Luft zu machen. Sie fühlen sich unterbezahlt und durch die 20 Prozent Gebühr, die Uber von jeder Fahrt einstreicht, ausgebeutet, schlicht nicht ernst genommen. Die ungebremste Einstellungspolitik führe Regulliis Meinung nach zu ernsten Problemen. Irgendwann würde „jeder mit einem Führerschein genommen“, was zu mehr Unfällen und Haftungsproblemen führen könnte. 1420 Fahrer haben sich bislang auf www.driversnetwork.org organisiert.

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