Fahrpreis-Erhöhung Die Bahn fährt Premium

Von Berlin nach München fährt die Bahn ab dem Wochenende in unter vier Stunden. Die exklusive Reise im technisch aufgemöbelten ICE gibt es aber auch nur zum Premiumpreis – und die Premiere blieb nicht ohne Panne.
Update: 08.12.2017 - 18:59 Uhr 1 Kommentar
Fahrpreis-Erhöhung: Deutsche Bahn fährt Premium Quelle: dpa
Eröffnungsfahrt

Der ICE-Sprinter schafft die Strecke München - Berlin nach Angaben der Bahn künftig in knapp vier Stunden.

(Foto: dpa)

BerlinWer am Freitagmorgen eine Zugfahrt von Berlin nach München buchen wollte, der konnte ICE-Fahrten zu Preisen zwischen 136 Euro und 149 Euro wählen – ohne jede Ermäßigung und bei Fahrzeiten zwischen sechs Stunden vier Minuten und sechs Stunden 45 Minuten. Für Sonntag und die Tage danach gab es Tickets schon ab 132 Euro, und das bei Fahrzeiten zwischen drei Stunden 58 Minuten und etwa viereinhalb Stunden.

Dabei hatte die Deutsche Bahn doch angekündigt, auf ihrer neuen Superstrecke nicht nur das Tempo der ICEs auf 300 Stundenkilometer, sondern auch die Tarife kräftig anzuheben. Genauer gesagt um stolze 13,6 Prozent soll die Fahrt zwischen der Bundeshauptstadt und der Bayern-Metropole teurer werden. Doch von höheren Fahrpreisen war am Freitag, dem Tag der offiziellen Einweihung der Strecke mit viel Politprominenz, keine Spur.

Aber Vorsicht: Die Schnäppchenpreise für den superschnellen Sprinter gelten nur bis Samstag-Mitternacht. Um Punkt zwölf schaltet das Buchungssystem der Bahn auf die neuen Tarife um. Alle bis dahin gekauften Tickets zu alten Konditionen bleiben gültig. Wer erst ab Sonntag bucht, muss um die 20 Euro beim vollen Flexpreis mehr bezahlen. Höchstgeschwindigkeit, argumentiert die Bahn, habe eben ihren Preis.

Kritiker sehen das anders. Wenn am Wochenende mit dem Wechsel in den Winterfahrplan das letzte große Milliardenprojekt aus dem Verkehrsplan Deutsche Einheit in Betrieb geht, schrumpft die Fahrtzeit im ICE Sprinter zwischen Berlin und München auf knapp vier Stunden, zwei Stunden weniger als bislang. Die Bahn greift damit sogar den Luftverkehr an. Und hofft darauf, die Zahl ihrer Fahrgäste auf dieser Strecke verdoppeln zu können.

Der neue Fahrplan, verspricht die Bahn, bringt dadurch auch Verbesserungen auf anderen Fernverbindungen. Etwa ein Drittel der ICE- und IC-Fahrpläne wird umgestellt, besonders im Osten und Süden Deutschlands. Insgesamt sollen 17 Millionen Menschen entlang der Schnellfahrstrecke von kürzeren Reisezeiten und neuen Direktverbindungen profitieren. Im Gegenzug werden die Preise im Durchschnitt um 1,9 Prozent teurer. Das sieht nach moderater Erhöhung aus, ruft aber wie bei jeder Fahrpreisrunde die Kritiker auf den Plan.

Die vergleichen die Bahntarife mit der allgemeinen Preisentwicklung. Seit 2003 habe die Bahn ihre Preise um das Doppelte der Inflationsrate erhöht, um durchschnittlich 3,5 Prozent pro Jahr, rechnet das Bündnis „Bahn für Alle“ vor. Von 2003 bis 2017 seien die Preise im Fernverkehr um 45 Prozent, im Nahverkehr um 50 Prozent gestiegen. Das Vielfahrer-Angebot Bahncard 50 koste sogar 85 Prozent mehr.

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1 Kommentar zu "Fahrpreis-Erhöhung: Die Bahn fährt Premium"

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  • „Die exklusive Reise im technisch aufgemöbelten ICE gibt es aber auch nur zum Premiumpreis“

    Solange man die gleiche Strecke meist in kürzerer Zeit - und das oft zu einem Bruchteil des Preises -mit dem Flugzeug zurücklegen kann, ist das allerdings ein Problem*.

    Vom Umweltschutzaspekt her müsste das Preis-Leistungsverhältnis bei Bahn und Flugzeug nämlich genau umgekehrt sein.

    Dürfte u.a. daran liegen, dass man sich in der Luft nicht um eine Netzinfrastruktur kümmern muss. Und daran, dass auf der Erde der „Staat“ zu oft die Finger drin hat.

    Es scheitert also mal wieder am Geld. Nerv.

    *Ein Problem ist das hier auch:

    1. „Das undurchsichtige Preissystem mache spontane Bahnfahrten zum Luxus – und damit auch den Umstieg vom Auto auf die Bahn unattraktiv.“ Eine Preisdifferenzierung, um Kunden in weniger ausgelastete Züge zu locken, mag sinnvoll sein. Aber das Preissystem muss für den Kunden trotzdem kalkulierbar, sprich: verlässlich sein. Noch sinnvoller wäre es, insgesamt für mehr und besser ausgelastete Züge, sprich: INSGESAMT mehr Kunden, zu sorgen. /
    2. „Höhere Preise fürs Zugfahren würden die Kunden vermutlich viel eher akzeptieren, würden die Züge auch nach Fahrplan fahren. Doch für dieses Jahr hat die Bahn ihr Ziel, wenigstens 80 Prozent aller Fernzüge mit weniger als sechs Minuten Verspätung zu fahren, aufgegeben.“

    Andererseits: „Die Bahn (…) hofft darauf, die Zahl ihrer Fahrgäste auf dieser Strecke verdoppeln zu können“

    Wenn das mit der Verdoppelung der Fahrgäste klappen soll, täte die Bahn also gut daran, an den o.g. Punkten anzusetzen. Sich also durch das Bieten echten Mehrwerts, der da lautet: ZUVERLÄSSIGKEIT von den Fluggesellschaften abzuheben. Und die beruht - nur auf den ersten Blick paradoxerweise - ausgerechnet auf Flexibilität.

    Also der Fähigkeit zu schneller, zugleich verantwortungsbewusster(!) Improvisation statt dem sturen Befolgen starrer, den spezifischen Erfordernissen der jeweiligen Situation nicht gerecht werdender (Fahrplan-)Vorgaben.

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