Fahrzeugkontrolle
Grünes Licht für den türkischen Tüv

Der Tüv Süd wird für die kommenden 20 Jahre exklusiv die Kraftfahrzeugkontrolle in der Türkei übernehmen. Einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet heute Deutschlands größte Tüv-Organisation mit der türkischen Regierung in Ankara. Die Münchener werden in den kommenden Jahren ein flächendeckendes Prüfsystem von Istanbul bis Anatolien aufbauen.

MÜNCHEN. Ziel sei es, in drei bis fünf Jahren die heute rund zwölf Millionen Autos auf den europäischen Sicherheitsstandard zu bringen, sagte Tüv-Süd-Chef Axel Stepken. Bereits Ende 2004 hatten die Deutschen den Zuschlag erhalten, doch die türkische Ingenieurskammer klagte gegen die Vergabe. Jetzt haben die Münchener grünes Licht für eine der größten Auslandsinvestitionen in der Firmengeschichte. Gemeinsam mit zwei türkischen Partnern will der Tüv Süd 633 Mill. Euro in das Projekt stecken, das Konsortium hofft auf Erlöse von insgesamt elf Mrd. Euro über die gesamte Laufzeit. Bis Ende kommenden Jahres soll ein Netz aus 189 festen und 38 mobilen Stationen das Land komplett abdecken.

Der türkische Autoverkehr wächst rasant, im vergangenen Jahr stiegen die Zulassungszahlen um zehn Prozent; mittelfristig soll sich das Wachstum auf sieben Prozent einpendeln. „Nach deutschen Standards müssten wir aber 50 Prozent der Fahrzeuge aus dem Verkehr ziehen“, sagte Thomas Aubel, Vorstand des Tüv Turk. Man wolle jedoch keine Revolution auslösen und erst nach und nach die Schraube anziehen, sagte Aubel weiter. „Derzeit verhandeln wir noch mit dem türkischen Verkehrsministerium, was als mittlerer oder grober Mangel einzustufen ist“, berichtet Aubel weiter. „Wenn es um Reifen oder Bremsen geht, dann werden wir von der ersten Minute an sehr stringent sein“, betont der deutsche Ingenieur. Die Hauptuntersuchung ist, wie in Deutschland, alle zwei Jahre Pflicht.

Eine der größten Herausforderungen wird die Qualitätssicherung. Denn der überwiegende Teil der Stationen wird von Franchise-Unternehmern geführt, neunzig Prozent der Stationen seien schon vergeben, heißt es beim Tüv Süd. Die Partner müssen ein Eintrittsgeld hinterlegen, das dem Tüv Turk auch als Sicherheit dient.

Jede Fahrzeugabnahme wird über ein IT-System an die Zentrale übermittelt und dokumentiert, zudem will der Tüv Turk regelmäßig verdeckte Kontrollen durchführen, auch um der immer noch weit verbreiteten Praxis der Bestechung vorzubeugen. „Dennoch wissen wir, dass Korruption vorkommen wird“, sagt Aubel. Dann müssten die Schuldigen eben schnell aus dem Verkehr gezogen werden.

„Der Tüv Süd will schon bald ein Drittel seiner Umsätze im Ausland erwirtschaften – mit dem Tüv Turk sind wir auf dem Weg dorthin einen großen Schritt vorangekommen“, sagt Konzernchef Stepken. Denn bislang machen die Münchener erst ein Fünftel ihrer Erlöse von insgesamt 1,2 Mrd. Euro im Ausland. Nun hoffen die Münchener auf weitere lukrative Prüfaufträge in Schwellenländern. In Marokko hatten sie zuletzt das Nachsehen. Dort machen die Tüv-Süd-Konkurrenten SGS und Dekra das Rennen um die Fahrzeugkontrolle.

Der Türkei-Auftrag ist aber auch eine Mitgift für die geplante Fusion des Tüv Süd mit dem Tüv Nord in Hannover. „Die Gespräche laufen“, sagte Tüv-Süd-Chef Stepken. Branchenkreise gehen davon aus, dass noch in diesem Sommer eine Einigung zu Stande kommen könnte. Durch die Fusion entstünde ein Prüfkonzern mit einem Umsatz von 1,9 Mrd. Euro und 19 000 Mitarbeitern. Sitz des neuen Konzerns soll München sein.

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