Fairtrade im Aufwind

Gut statt Geiz

Birkenstock-Latschen, Latzhosen und kratzige Wollpullis: Damit hat Handel mit fairen Produkten schon lange nichts mehr zu tun. Die Branche ist weiter auf dem Vormarsch – ein Milliardengeschäft.
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Für 533 Millionen Euro wanderten 2012 Transfair-zertifizierte Produkte über die Ladentheke. Quelle: ddp images/dapd/Michael Gottschalk

Für 533 Millionen Euro wanderten 2012 Transfair-zertifizierte Produkte über die Ladentheke.

(Foto: ddp images/dapd/Michael Gottschalk)

DüsseldorfSchokoladen-Stäbchen, Knusper-Müsli, Basilikum-Gewürz und Yoga-Shirts: Wer vor zwei Wochen die Bild-Zeitung aufgeschlagen hat, staunte vermutlich nicht schlecht über die ganzseitige Anzeige von Aldi Süd. Der Discounter – einst Inbegriff der Geiz-ist-Geil-Mentalität – bot eine Woche lang rund 30 Fairtrade-gelabelte Produkte seiner Eigenmarke „One World“ an. Bislang wurde unter dem 2009 eingeführten Label vor allem nur Kaffee verkauft. Doch der Branchenprimus will in Zukunft noch stärker von der anhaltenden Nachfrage nach fair gehandelter Ware profitieren und sein Sortiment weiter ausbauen.

Ein Trend, den sich auch der Aldi-Rivale Lidl nicht entgehen lassen will. Der Discounter hat laut Transfair inzwischen 25 Fairtrade-zertifizierte Produkte unter dem Label „Fairglobe“ im Sortiment und verkauft davon Woche für Woche 300.000-400.000 Stück.

Fair ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Wer vor ein paar Jahren in Deutschland einen großen Supermarkt betrat, der musste nach fair gehandelten Produkten noch mit der Lupe suchen. Inzwischen wird das Sortiment immer größer und Fair ist nicht mehr nur im Fachhandel zu haben. Immer mehr Prominente wie die Schauspieler Daniel Brühl, Karoline Herfurth und Fussballtrainer Juergen Klopp werben als Transfair-Botschafter für fair gehandelte Waren.

Lag der Umsatz mit Fair-Trade-Produkten 2005 noch bei 72 Millionen Euro, präsentiert die 1992 gegründete Organisation Transfair sieben Jahre später sensationelle Zahlen in ihrem Jahresbericht: Für 533 Millionen Euro wanderten 2012 Transfair-zertifizierte Produkte über die Ladentheke. Insgesamt, das berichtet das Forum Fairer Handel heute auf seiner Jahrespressekonferenz, haben die Deutschen Verbraucher im vergangenen Jahr über 650 Millionen Euro für fair gehandelte Produkte ausgegeben.

Auch die Rewe Group hat früh gemerkt, dass sich mit „Fair“ Geld verdienen lässt und seit 2010 Eigenmarkenprodukte unter dem Label Pro-Planet-Label im Regal, die nachhaltigen Konsum zu „attraktiven Preisen“ fördern sollen. Ob Paprika aus Spanien, Tomaten aus Marokko oder Fußbälle aus Pakistan: Das blaue Dreieckslogo ziert inzwischen über 430 Produkte, die dem Handel schon oft Kopfschmerzen bereitet haben. „Unsere Idee ist es, nachhaltige Produkte aus dem Nischen-Dasein herauszuholen und für den Massenmarkt attraktiv zu machen“, sagte Rewe-Chef Alain Caparros zur Einführung seines Labels. Im vergangenen Jahr wurden gut 420 Millionen Pro-Planet Artikel verkauft. Für Ende 2013 peilt der Kölner Handelskonzern 600 Millionen an.

Dass diese Aktionen voll im Trend liegen, bestätigen Forscher des Zukunftsinstituts, einem Trendforschungsinstitut mit Sitz bei Frankfurt. Sie sprechen in ihrer jüngsten Studie „Fair: Von der Nische zum Mainstream“ gar vom Megatrend Neo-Ökologie, der die Weltmärkte erobert und sehen den Aufbruch einer ganzen Gesellschaftsschicht. „Ein faires, nachhaltiges Wirtschaften wird in Zukunft zur selbstverständlichen Voraussetzung für Unternehmen und zur wirkungsvollsten Antwort auf die immer kritischer werdenden und besser informierten Konsumenten und Bürger.“ Immer mehr Menschen wollen genau wissen, was sie kaufen, woher es kommt und wie es produziert wurde.

Fairtrade ist das neue Bio
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23 Kommentare zu "Fairtrade im Aufwind: Gut statt Geiz"

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  • stimme ich voll zu : siehe auch
    http://www.arte.tv/guide/fr/047127-000/le-business-du-commerce-equitable?autoplay=1

  • Endlich kommt Fairtrade auch im Mainstream an. Bei den vielen Siegeln kommt der Verbraucher aber leicht durcheinander. Vielleicht helfen neue Initiatien und Geschäftsmodelle wie die des Lifestyle-Startups KANCHA, welches Designprodukte von Hand in Kirgistan herstellen lässt und größtmögliche Transparenz über die Wertschöpfungskette leisten möchte, dem Kunden mehr Klarheit im Siegel-Jungle zu bieten. Aktuell läuft eine Crowdfunding-Aktion zur Finanzierung ihrer ersten Kollektion. Kann ich nur empfehlen! http://www.startnext.de/kancha

  • Fair Trade, Bio, Grüner Punkt, GS, TÜV usw. Vielleicht alles nur Blendwerk, aber auf jeden Fall ein Milliardengeschäft für Organisationen und Unternehmen, die niemand wirklich kontrolliert. Eine Lizenz zum Gelddrucken. Ob ich das unterstütze? Mit Sicherheit, weil ich nicht kontrollieren kann, wohin die Steuerabgaben fließen. Ob ich bereit bin, mehr Geld für Fair Trade Produkte zu bezahlen? Ja! Allerdings nur dann, wenn diesbezüglich zu 100% Transparenz besteht, ob das Geld dort ankommt, wo es laut den Informationsbroschüren der jeweiligen Anbieter ankommen sollte. Die Informationsunterlagen bieten jedoch keine eindeutigen und nachvollziehbaren Fakten für die Verbraucher, sondern dienen lediglich Werbezwecken.

    Solange in der Werbung viel behauptet wird, aber nichts konkret bewiesen ist, bleibe ich bei den Produkten, bei denen das Preis-Leistungsverhältnis stimmt und mein Bauchgefühl nicht Alarm schlägt, was insbesondere zum Thema „Abzocke“ laut ertönt. Ich bin Verbraucher und muss auf Nachfrage nichts erläutern oder belegen. Fair Trade Anbieter dagegen schon.

    Der ARTE-Beitrag bestätigt meine bisherigen Zweifel.

  • "Sie bekommen rd. 5 Euro am Tag, benötigen aber 10 Euro, um davon ihre Familien in Haiti ernähren zu können. Den großen Reibach machen somit alle anderen in dieser Kette, aber nicht der Plantagenarbeiter. Somit auch nur Lug und Betrug. Ich kaufe keine Fairtrade-Produkte!

    Ja, den Bericht habe ich auch gesehen.
    Da wurde aber klar wer die Preise bestimmt. Nämlich die grossen Handelsketten mit ihren vorgerichteten Bananengrößen. So gesehen ist die BRD tatsächlich eine Bananenrepublik.
    Dann wurde ein Laden gezeigt, in dem es eben nur Fairtrade gibt, die Leute kaufens trotzdem.

    Zu den Verkäufern in den Supermärkten.
    Einkaufen ist in Deutschland jedesmal für mich ein Horror. Soviele unfreundliche Leute, egal ob Kunden oder Verkäufer, das scheint schon ein Markenzeichen zu sein, den Einkaufswagen im Hacken zu haben, einen sehr unverbindlichen Ton als VerkäuferIN zu haben und als Kunde mit einem Gesicht und einem Ton wie ein Romikaschuh zu agieren.
    Bin jedesmal froh wenn ich wieder hier bin.

  • Gestern zeigte Arte einen Film über Fairtrade. Darin wurde bewiesen, dass die Arbeiter auf den Kaffeefarmen in Mexiko größtenteils aus Haiti stammen und diese nahezu keine Rechte haben. Sie haben zwar einen Arbeitsvertrag, der aber entgegen der Zusicherung von Fairtrade keinerlei Rechte beinhaltet. Sie bekommen rd. 5 Euro am Tag, benötigen aber 10 Euro, um davon ihre Familien in Haiti ernähren zu können. Den großen Reibach machen somit alle anderen in dieser Kette, aber nicht der Plantagenarbeiter. Somit auch nur Lug und Betrug. Ich kaufe keine Fairtrade-Produkte!

  • @Kunde

    Richtig!! Fair Trade ist die nächste Betrugsscheisse im Kapitalismus. Wo Besserverdienende ihren Narzissmus weiter ausleben können! Wer kann denn schon wirklich kontrollieren, ob die Menschen in Indien, Bangladesh oder anderswo fair behandelt werden?! DER KUNDE mit SICHERHEIT NCIHT!

    Der KAPITALISMUS IST EINE EINZIGE VERARSCHE DER MASSE.

  • Ja klar doch....verdienen ja auch ALLE soviel Geld um das dann zu bezahlen. Ach ja....ich vergaß...Hartz 4 sind ja keine Menschen mehr in der narzisstischen Gesellschaft und prekär Beschäftigte ebenfalls. Die können eh ruhig den verseuchten DRECK der Konzerne fressen. Da sie sich ja nicht das Leben nehmen und den Steuerzahlern auf der Tasche liegen, gell....und deswegen, weil Konzerne daran sehr viel Profit machen, wird ARMUT IMMER BEWUSST IN DEM SYSTEM PRODUZIERT WERDEN. Die Grünen sorgen dann für den Ausgleich udn lassen das Besserverdiende Klientel ÖKO kaufen. Bei dieser narzissischen Gesellschaft kommt mir nur noch das kotzen...

    Dieser Artikel ist ein einziges Armutszeugnis für den vorhanden Rassismus unter den Journalisten!

    Die Menschheit, die den eigenen Bruder bekriegt und gleichzeitig Menschenkinder hungern lässt. In der deutschen Version ist der Hinweis auf die hungernden Kindern in der menschlichen Gesellschaft jedoch entfallen. Taylor erklärt auch, dass er nicht glauben kann, dass es irgendwo im All nicht etwas Besseres gibt, als die Gesellschaft der Menschen auf der Erde.

    Der Mensch allein unter Gottes Primaten tötet aus Sport, Lust oder Gier. Er wird seinen Bruder morden um seines Bruders Land zu besitzen. Sorg dafür, dass der Mensch sich nicht zu sehr vermehrt, sonst macht er aus seiner und deiner Heimat eine Wüste. Der Mensch ist der Bote des Todes“.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Planet_der_Affen_%281968%29

    Es gab schon immer kluge Leute und solche, die die Zukunft der kranken Menschheit vorher gesehen hatten!
    Hoffentlich kommt bald mal ein Aufstand der ARMEN. Und diese sind in Europa/der Welt die Mehrheit! Im übrigen wird jeder im Leben das zurück bekommen, was er gesät hat.

    Diese ganze ÖKO-Scheisse dient einzig und alleine der Befriedigung des Narzissmus der Alt 68er Bewegung. Was ist nur aus deren Ideale einst geworden? Eine Verkommene, narzisstische Gemeinschaft. EINFACH NUR NOCH EKELHAFT!








  • @rxm

    Dann waren sie wohl noch nicht bei Kaisers was...da sind die Kunden abgehoben und arrogant! Behandeln das Personal wie den letzten Dreck! Meine Tochter arbeitet da neben dem Studium. Deswegen weiß ich das aus erster Hand wie Scheinreiche Kunden sich aufspielen. Und deswegen wurde schon 3 mal der Filialleiter ausgetauscht! Als ob der arme Leiter etwas für Psychopathen kann!

  • Ich gebe Ihnen Recht: Die Idee des Fair-Trade ist sicher gut, wird einem aber durch solches Personal gründlich verleidet.

  • "Wer vor ein paar Jahren in Deutschland einen großen Supermarkt betrat, der musste nach fair gehandelten Produkten noch mit der Lupe suchen."

    Sind denn alle Produkte, die nicht das "fairtrade"-Logo haben, "unfair" gehandelt? Ich bezweifle das äußerst stark. Der Autor suggeriert aber, dass nichtzertifizierter Ware "unfairer" Handel vorausgegangen war.

    Für mich sind "bio" und "fairtrade" Gründe, mich gegen ein Produkt zu ein entscheiden.

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