Fall des Hypothekenfinanzierers New Century
Schwere Vorwürfe gegen KPMG

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sieht sich schweren Vorwürfen ausgesetzt: Sie soll sich der Komplizenschaft bei Bilanzmanipulationen schuldig gemacht haben. Das ist das Ergebnis eines Untersuchungsberichts im Auftrag des US-Justizministeriums. Der Bericht wurde dem US-Konkursgericht in Wilmington, Delaware, zugeleitet und am Mittwoch veröffentlicht.

BERLIN. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG, einer der vier weltweit führenden Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, werden in dem Bericht mit dafür verantwortlich gemacht, dass das Management des Hypothekenfinanzierers New Century Financial durch Änderung der Bilanzierungsregeln für das zweite Halbjahr 2006 nicht Verluste, sondern Gewinne vorlegen konnten. New Century Financial musste im April 2007 Insolvenz anmelden. Dies war praktisch der Startpunkt der US-Hypothekenkrise, die sich dann rasch zu einem weltweiten Flächenbrand ausweitete.

Im Auftrage des US-Justizministeriums und des offiziell bestellten Treuhänders, United States Trustee, hat Michael J. Missal, ein früherer hoher Mitarbeiter der US-Börsenaufsicht SEC, in fünf Monaten Arbeit einen 580-seitigen Untersuchungsbericht über die Umstände der New-Century-Pleite erstellt. Der Bericht enhält – abgesehen von schweren Beschuldigungen gegen das Management – auch eine brisante Sammlung von angeblichen Gesetzesverstößen der Wirtschaftsprüfer. Auf Basis des unabhängigen Untersuchungsberichts können sowohl die Aktionäre als auch die Gläubiger und sonstige Geschädigte gegen die Wirtschaftsprüfer KPMG vor US-Gerichte ziehen.

Ein Sprecher von KPMG, Dan Ginsberg, wies die Schlussfolgerungen des Berichts energisch zurück und äußerte die Zuversicht, „dass eine objektive Prüfung der Fakten und Umstände die Position von KPMG bestätigten wird“. Ein Sprecher von New Century erklärte: „Das Unternehmen begrüßt es, das der Untersuchungsbericht nun vorliegt, so dass die nächsten Schritte bei der Erstellung des Liquidationsplans mit dem Ziel des Abschlusses des Konkursverfahrens vorangebracht werden kann."

In dem Bericht wird auf vielen Seiten unter anderem erläutert, wie New Century bei der sich verschlechternden Geschäftslage seine Rücklagen für Hypotheken-Rückkäufe reduzierte und zu diesem Zweck mit Zustimmung der Wirtschaftsprüfer die gesetzlich vorgeschriebenen Bilanzregeln änderte. Auf diese Weise habe New Century , die im Jahr 2006 rund 60 Milliarden Dollar Subprime-Hypotheken auflegte, noch Boni kassiert, obwohl der Hypothekenfinanzierer bereits in die Insolvenz schlidderte. „Nur solange New Century Gewinn machte, konnte das Management noch Boni kassieren zu einer Zeit, als das Unternehmen bereits dabei war, zusammenzubrechen“, stellt der Verfasser des Berichts fest.

Die Anschuldigungen gegenüber KPMG im Konkursfall New Century sind so weitreichend, dass sie bereits Erinnerungen wecken an ähnliche Klagen gegen Wirtschaftsprüfer, die nach den großen Bilanzskandalen wie Enron und Worldcom angestrengt wurden.

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