Familie Schlecker zahlt vier Millionen Euro
Es ist noch verdammt viel da

Ex-Drogeriekönig Anton Schlecker steht wegen vorsätzlichen Bankrotts vor Gericht. Dort überrascht die Familie nun mit einer Überweisung. Der Insolvenzverwalter erhält vier Millionen Euro – als „Schadenswiedergutmachung“.
  • 5

StuttgartDer 27. Prozesstag war ein besonderer. Anton Schlecker gab eine Erklärung ab. Es ist erst das dritte Mal im gesamten Prozessverlauf, dass er persönlich das Wort ergreift. Es ist wenig übrig geblieben von der einstigen Durchsetzungskraft des Patriarchen. „Ich habe mein gesamtes Vermögen verloren“, erklärt er dem Richter. Schlecker mit seinem schlohweißen Haar und hagerer Gestalt wirkt gefasst, aber zermürbt vom Scheitern seines Lebenswerks und von dem seit März dauernden Mammutprozess wegen Bankrotts. Er hat das alles über sich ergehen lassen, aber jetzt will er die Sache endlich hinter sich bringen. Von prozessverlängernden Verteidigungsaktionen will er absehen. „Lamentieren nützt nichts, das war in meinem Leben schon immer so. So will ich es auch jetzt halten.“

Er bedaure die Insolvenz und übernehme die unternehmerische Verantwortung. Es sei nie seine Absicht gewesen, Vermögen beiseite zu schaffen oder dem Vermögen der Gläubiger zu schaden. Er räumte auch ein, dass er die drohende Insolvenz im späteren Verlauf des Jahres 2011 wahrgenommen habe.

Doch einen Schachzug macht er noch: Zwei Millionen Euro überwies seine Frau an den Insolvenzverwalter zur Wiedergutmachung. Für Schlecker war das mit einer weiteren Erniedrigung verbunden. „Ich musste meine Frau bitten und überzeugen, die Summe zu überweisen“, sagte Schlecker. Als eingetragener Kaufmann haftete er mit seinem gesamten Vermögen für die Pleite seines Drogeriereichs Anfang 2012. Dank Gütertrennung bleibt das Vermögen seiner Frau verschont, unter anderem die gemeinsam bewohnte und 2009 an die Gattin überschriebene Villa in Ehingen. Nach Paragraf 46 des Strafgesetzbuchs kann bei einer Verurteilung das Gericht „das Verhalten des Täters nach der Tat, besonders sein Bemühen, den Schaden wiedergutzumachen“ im Strafmaß würdigen.

Auch die mitangeklagten Kinder Lars und Meike überwiesen Anfang November je eine Million Euro als zusätzliche Wiedergutmachung an den Insolvenzverwalter. Beide hatten sich zwei Tage vor der Insolvenz des Mutterkonzerns im Januar 2012 eine Vorab-Gewinnausschüttung von zusammen sieben Millionen Euro bei ihrem Logistikunternehmen LDG gegönnt, das ausschließlich mit der Belieferung der Schlecker-Läden mit Waren beschäftigt war.

Nach Meinung der Staatsanwaltschaft hat Anton Schlecker Gelder aus der Drogeriekette gezogen. Sein Sohn Lars Schlecker sagte heute, er sei damals davon ausgegangen, dass die LDG 2011 einen „beträchtlichen Gewinn“ erwirtschaftet habe, und er habe noch nicht daran gedacht, welche Leistungen wertberichtigt werden müssten.

„Ich habe immer mit offenen Karten gespielt“, betonte Lars Schlecker. Seine Schwester und er hätten immer mit dem Insolvenzverwalter zusammengearbeitet. Der Insolvenzverwalter hatte unter anderem die sieben Millionen Euro Gewinnausschüttung von den Geschwistern zurückgefordert, was Ende 2013 auch geschah. Die Staatsanwaltschaft hatte im Prozess mehrmals moniert, dass auch diese verspätete Zurückzahlung der Gewinnausschüttung der LDG geschadet habe.

Die jetzigen Zahlungen sollen auch diese Anschuldigungen entkräften. Lars Schlecker sprach in der persönlichen Erklärung von „Schadenswiedergutmachung“ – betonte aber zugleich erneut, noch kurz vor der Insolvenz „nicht im Geringsten“ mit einer Überschuldung gerechnet zu haben. Den beiden Kindern gehörte die Logistikfirma LDG.

Seite 1:

Es ist noch verdammt viel da

Seite 2:

Schleckers Kinder hafteten nicht

Kommentare zu " Familie Schlecker zahlt vier Millionen Euro: Es ist noch verdammt viel da"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • "Es ist noch verdammt viel da" ... Schade dass sich das Handelsblatt in einigen Beiträgen auf ein unsägliches Niveau herablässt, der Titel könnte als Beitrag eines linksorientierten Sensationsjournalismus verstanden werden. Noch vor 15 Jahren hätte man die rechtsgrundlose Zahlung von 4 Mio. EUR seitens der Familie an den Insolvenzverwalter wahrscheinlich als positiv empfunden: Als Beitrag zur Versöhnung mit Gläubigerschicksalen, als Bekundung des guten Willens. Leider ist diese Zeit vorbei und niemand scheint dies nicht zu bedauern.
    Für den wirtschaftlich interessierten Leser wäre es doch interessant gewesen auszuführen, warum die Staatsanwaltschaft ein größeres entzogenes Vermögen anklagt, als der Insolvenzverwalter bereits angefochten hat. Wie kann das sein? Oder war hier der Insolvenzverwalter zu nachlässig? Wohl kaum. Er würde sich sonst vor dem Zivilgericht haft- und strafbar machen. Aber egal, wichtig für das Volk ist, dass die vermögenden Schuldigen nach kurzer oberflächlicher Suche gefunden sind und nicht nur vor dem Strafgericht sondern mit der viel schärferen Waffe des Sensationsjournalismus hingerichtet werden.

  • @ Stephanie Maurer

    Darf ich annehmen, dass Sie NICHT zu den Lieferanten zählen, die Außenstände beim Insolvenzverfahren Schlecker angemeldet haben?

  • "Es ist noch verdammt viel da" ...wer textet beim Handelsblatt bloss diese eigenartigen Headlines? Unternehmer sollten Schlecker als Case Studies betrachten:

    Mehr als 30 Jahre Steuern gezahlt und über 40.000 Angestellte beschäftigt, um dann nach dem Scheitern als "Ex-Drogeriekönig" und "vorsätzlicher Betrüger" von Medien gebrandmarkt zu werden.

    Ein gesellschaftliches Phänomen der Neuzeit: Nachtreten, wenn gescheiterte Unternehmer bereits am Boden liegen. Wie bei Middelhof. Und lebenslänglich fordern...aber zuhause "Willkommenskultur" ausrufen!

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%