Familie Schlecker zahlt vier Millionen Euro
Es ist noch verdammt viel da

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Schleckers Kinder hafteten nicht

Insgesamt hatte die Familie bereits rund zehn Millionen Euro an den Insolvenzverwalter gezahlt. Jetzt sind es 14 Millionen Euro. Das relativiert eine inzwischen legendäre Aussage. Meike Schlecker hatte bei der Pressekonferenz wenige Tage nach der Insolvenz im Januar 2012 noch gesagt: „Es ist nichts mehr da.“ Ihr Vater habe das gesamte Vermögen der Familie in das Unternehmen gesteckt. Am 27. Prozesstag überließ Meike Schlecker ihrem Anwalt das Wort.

Ob die jetzt und damit auch recht spät erbrachte Zahlung den Richter milde stimmt, bleibt abzuwarten. Kommenden Montag erfolgen die Plädoyers – vormittags von der Staatsanwaltschaft, nachmittags von den Verteidigern. Die Staatsanwälte haben schon mal angekündigt, dass sie drei Stunden dafür brauchen werden. Das könnte darauf hindeuten, dass sie eine Verhängung von Haftstrafen fordern werden. Auch wenn schon einige der über 40 Anklagepunkte inzwischen fallen gelassen wurden.

Schlecker ging im Januar 2012 insolvent, Zehntausende Mitarbeiter verloren ihre Jobs. Anton Schlecker steht seit März unter anderem wegen vorsätzlichen Bankrotts vor Gericht. Unter anderem wird ihm vorgeworfen, im Angesicht der Zahlungsunfähigkeit noch Geld aus dem Unternehmen gezogen zu haben – was Anton Schlecker auch heute abstritt.

Der Firmengründer – so der Vorwurf – soll ab 2009 etwa 25 Millionen Euro an seine Kinder verschoben und somit dem Zugriff der Gläubiger entzogen haben. Als eingetragener Kaufmann haftete er mit seinem Privatvermögen für den Schlecker-Konzern, seine Kinder nicht.

Die Vorwürfe erstrecken sich auch auf weitere Klagepunkte, die teilweise nur bestimmte Zeitabschnitte umfassen. Knackpunkt in dem Prozess ist die Frage, wann dem Konzern die Insolvenz drohte – ab dann hätte der heute 72-Jährige keinen Cent mehr aus der Firma ziehen dürfen.

Zuletzt hatte das Gericht das Verfahren in einigen Punkten eingestellt und damit die Liste der Vorwürfe ein Stück kürzer gemacht. Das Strafverfahren gegen Anton Schleckers Frau Christa war schon im Mai gegen eine Auflage von 60.000 Euro eingestellt worden. Für den kommenden Montag sind die Plädoyers geplant, das Urteil könnte dann wiederum eine Woche später am 27. November folgen.

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Martin-Werner Buchenau
Martin-W. Buchenau
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Familie Schlecker zahlt vier Millionen Euro: Es ist noch verdammt viel da"

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  • "Es ist noch verdammt viel da" ... Schade dass sich das Handelsblatt in einigen Beiträgen auf ein unsägliches Niveau herablässt, der Titel könnte als Beitrag eines linksorientierten Sensationsjournalismus verstanden werden. Noch vor 15 Jahren hätte man die rechtsgrundlose Zahlung von 4 Mio. EUR seitens der Familie an den Insolvenzverwalter wahrscheinlich als positiv empfunden: Als Beitrag zur Versöhnung mit Gläubigerschicksalen, als Bekundung des guten Willens. Leider ist diese Zeit vorbei und niemand scheint dies nicht zu bedauern.
    Für den wirtschaftlich interessierten Leser wäre es doch interessant gewesen auszuführen, warum die Staatsanwaltschaft ein größeres entzogenes Vermögen anklagt, als der Insolvenzverwalter bereits angefochten hat. Wie kann das sein? Oder war hier der Insolvenzverwalter zu nachlässig? Wohl kaum. Er würde sich sonst vor dem Zivilgericht haft- und strafbar machen. Aber egal, wichtig für das Volk ist, dass die vermögenden Schuldigen nach kurzer oberflächlicher Suche gefunden sind und nicht nur vor dem Strafgericht sondern mit der viel schärferen Waffe des Sensationsjournalismus hingerichtet werden.

  • @ Stephanie Maurer

    Darf ich annehmen, dass Sie NICHT zu den Lieferanten zählen, die Außenstände beim Insolvenzverfahren Schlecker angemeldet haben?

  • "Es ist noch verdammt viel da" ...wer textet beim Handelsblatt bloss diese eigenartigen Headlines? Unternehmer sollten Schlecker als Case Studies betrachten:

    Mehr als 30 Jahre Steuern gezahlt und über 40.000 Angestellte beschäftigt, um dann nach dem Scheitern als "Ex-Drogeriekönig" und "vorsätzlicher Betrüger" von Medien gebrandmarkt zu werden.

    Ein gesellschaftliches Phänomen der Neuzeit: Nachtreten, wenn gescheiterte Unternehmer bereits am Boden liegen. Wie bei Middelhof. Und lebenslänglich fordern...aber zuhause "Willkommenskultur" ausrufen!

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