Fast 5000 Jobs in Gefahr
Air France auf hartem Sparkurs

Air France will auf den Langstrecken massiv sparen und bis zu 14 Flugzeuge verkaufen. Die Airline schließt auch erstmals betriebsbedingte Kündigungen nicht mehr aus. Die Piloten könnten mit wochenlangen Streiks drohen.

ParisAir France will in den nächsten beiden Jahren die Anzahl ihrer Flüge auf der Langstrecke so weit verringern, dass 2018 nur noch 20 Prozent der Verbindungen Verluste einfliegen – aktuell sind rund die Hälfte der Flüge defizitär. Bis Mittwoch hatte der Vorstand der französischen Gesellschaft mit der Pilotengewerkschaft SNPL verhandelt.

Als dann keine Einigung erreicht war, zog der Aufsichtsrat von Air France-KLM am Donnerstagabend die Konsequenzen: Es wird ein „Plan B“ umgesetzt, um die trotz mehrerer Restrukturierungen noch immer defizitäre Gesellschaft zu sanieren. Der wichtigste Schritt wird wohl der Verzicht auf bestimmte Flüge und Strecken sowie das Ausmustern von Flugzeugen sein.

Air France will noch nicht bestätigen, dass bis zu 14 Flieger für die Langstrecke verkauft werden sollen. Einer Berechnung der Tageszeitung Les Echos zufolge würde das insgesamt den Abbau von 4900 Jobs bedeuten. Pro Flieger, der die Flotte verlässt, seien 20 Piloten, 80 Flugbegleiter und 250 Arbeiter des Bodenpersonals betroffen. Erstmals wird es, das hat das Unternehmen durchblicken lassen, nicht mehr nur einen Stellenabbau durch freiwilliges Ausscheiden von Mitarbeitern geben, sondern auch betriebsbedingte Kündigungen.

Über Monate hatte Air France mit den Piloten über Maßnahmen für eine höhere Produktivität verhandelt, vor allem über mehr Flugstunden. Ein Flugkapitän bei Air France fliegt im Jahr 630 Stunden und verdient 155.000 bis 200.000 Euro. Das Management wollte eine Produktivitätssteigerung innerhalb von drei Jahren um 17 Prozent erreichen. Die Piloten von KLM, dem niederländischen Zweig der Allianz, der wesentlich besser da steht, haben sich zu Verbesserungen der Produktivität um 12 Prozent bereit erklärt. Die Gewerkschaft SNPL bot laut Darstellung des Management aber nur drei Prozent an, und das auch nur für ein Jahr und auf der Basis von Freiwilligkeit.

Noch ist unklar, ob es wirklich zu einer harten Auseinandersetzung kommt oder ob die Piloten einlenken. Die von Air France in Aussicht genommenen Kostensenkungen sind reversibel: Die Flüge, auf die verzichtet wird, sollen von Partnerlinien betrieben und von Air France im Rahmen von Code-Sharing weiterhin angeboten werden. Air France könnte sie dann später wieder selber durchführen.

Möglich ist aber auch, dass die Piloten nun erst recht auf stur schalten. Im vergangenen Jahr streikten sie wochenlang, um den Ausbau der Billigfluglinie Transavia zu verhindern. Letzten Endes musste das Unternehmen einlenken: Nachdem die Regierung den Vorstand anfangs unterstützt hatte, verlangte sie plötzlich einen Verzicht auf die Ausweitung des Transavia-Angebotes. Angesichts dieser Erfahrung ist zweifelhaft, wie lange der Staat, immer noch Anteilseigner, diesmal dem Unternehmen zur Seite stehen wird – auch wenn Premier Manuel Valls die Piloten zum Einlenken aufgefordert hat.

Thomas Hanke
Thomas Hanke
Handelsblatt / Korrespondent in Paris
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