Fedex und UPS Amazon greift die Paketdienste an

Amazon-Chef Jeff Bezos macht Ernst: Lieferwagen- und Boeing-Flotte sind schon am Start, der Flughafen soll folgen. Nicht nur den Einzelhandel, auch den Zustellmarkt will der Online-Shoppingriese umkrempeln.
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Der Amazon-Chef will ganz Amerika in den nächsten Jahren mit Service- und Logistikzentren überziehen. Quelle: dpa
Jeff Bezos

Der Amazon-Chef will ganz Amerika in den nächsten Jahren mit Service- und Logistikzentren überziehen.

(Foto: dpa)

SeattleAmazon ist innerhalb von 20 Jahren vom Online-Buchhändler zum weltgrößten Internet-Kaufhaus aufgestiegen - doch Konzernchef Jeff Bezos hat noch lange nicht genug. Sein Unternehmen dringt mit Hightech-Supermärkten in den stationären Einzelhandel vor und baut, ohne großes Aufsehen zu machen, ein Imperium der Lieferlogistik auf. US-Shoppingriesen wie Walmart und Target zittern, auch Zustelldienste wie UPS und Fedex müssen bangen.

Denn beim Bezos-Masterplan wird geklotzt: Ganz Amerika will der Amazon-Boss in den nächsten Jahren mit Service- und Logistikzentren überziehen. So sollen Bestellungen effizienter und unabhängiger von den etablierten Lieferdiensten abgewickelt werden. Der Personalbedarf für diese Expansionsoffensive ist enorm. „Wir planen, in den nächsten 18 Monaten landesweit 100.000 neue Amazonians einzustellen“, kündigte Bezos jüngst sehr zur Freude des neuen Präsidenten Donald Trump an.

Was auf den ersten Blick nach Größenwahn aussieht, scheint bei näherer Betrachtung durchaus realistisch. Seit 2011 stieg die Zahl der Mitarbeiter bereits von 30.000 auf mehr als 180.000. Amazon sichert sein Turbo-Wachstum seit Jahren mit Milliarden-Investitionen und ist inzwischen eine Weltmarke - nicht nur im Online-Shopping. Ob bei Internet-TV oder Cloud-Diensten, dem hochprofitablen Geschäft mit Rechenleistung aus dem Netz: Bezos strebt die Führung an.

Die am Donnerstagabend veröffentlichten Jahreszahlen für 2016 zeigen, welche Dominanz Amazon im Kernsegment bereits erreicht hat. Die Erlöse legten um über ein Viertel auf 136 Milliarden Dollar zu, der Gewinn stieg von 596 Millionen auf 2,4 Milliarden Dollar. Nachdem die hohen Ausgaben des ehrgeizigen Chefs lange Zeit für Verluste gesorgt hatten, schaffte Amazon zum Jahresende das siebte Quartal in Folge schwarze Zahlen. Das gefällt auch den Anlegern – die Aktie steht im Jahresvergleich mit über 50 Prozent im Plus.

Einkaufen ohne Kassen und Warteschlangen
Die neue Amazon-Idee
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Nie mehr Schlange stehen, sondern mit dem vollen Einkaufswagen einfach aus dem Laden laufen: Das verspricht eine neue Idee des Onlineriesen Amazon – ein Supermarkt in Seattle mit dem Namen „Amazon Go“.

Sensoren erkenne die gewählten Produkte
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In Seattle im US-Bundesstaat Washington präsentierte der Konzern am Montag den Prototyp eines Supermarkts, in dem Kunden alles mitnehmen können, ohne eine Kasse zu passieren. Die in dem rund 170 Quadratmeter großen Laden eingebaute Technologie „erkennt automatisch, wenn Produkte aus den Regalen genommen werden“, erklärte das Unternehmen. Sensoren ermöglichen es dem Kunden also, die gewünschten Produkte auszusuchen und dann mit einer App über ihre Amazon-Konten abzurechnen

Der Kassenzettel wird nachgereicht
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Nur beim Betreten des Ladens muss das Smartphone am Eingang gescannt werden. Beim Verlassen des Geschäfts werde der Einkauf dann über einen virtuellen Warenkorb abgebucht. „Wenn du mit dem Einkaufen fertig bist, kannst du das Geschäft einfach verlassen“, erklärte das Unternehmen. Anschließend werde das Amazon-Konto des Kunden mit dem entsprechenden Betrag belastet und ein Kassenzettel verschickt. Angeboten werden Grundnahrungsmittel wie Brot und Milch, Fertiggerichte und Kochboxen mit Zutaten für bestimmte Gerichte.

Hier darf nicht jeder rein
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Allerdings darf nicht jeder in den neuen Supermarkt. Vorerst können nur Angestellte des Konzerns, der in Seattle seinen Hauptsitz hat, Amazon Go nutzen.

Ab 2017 für alle Kunden geöffnet
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Anfang 2017 soll der Laden, der auch frische Menüs anbietet, dann für alle anderen Kunden geöffnet werden. Ob weitere Filialen geplant sind, war zunächst unklar.

Amazon erobert die analoge Welt
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Amazon bietet in den USA und London bereits den Lebensmittel-Lieferdienst Amazon Fresh an. Dabei handelt es sich um eine für 15 Dollar pro Monat erhältliche Zusatzoption für Abonnenten des jährlich 99 Dollar kostenden Prime-Service. Zudem betreibt Amazon in Seattle seit dem vergangenen Jahr bereits einen Buchladen; weitere Standorte in anderen Städten sind angekündigt. Laut „Wall Street Journal“ will der Konzern außerdem in den nächsten Wochen testweise zwei Drive-in-Läden eröffnen, ebenfalls in Seattle.

Druck für die traditionellen Kaufhausketten
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Sollte sich der Onlinekonzern dazu entscheiden, im großen Stil ins Supermarktgeschäft einzusteigen, würde dies erheblichen Druck auf traditionelle Lebensmittelhändler und Kaufhausketten wie Wal-Mart ausüben. Bislang kaufen die meisten Verbraucher die Dinge des täglichen Bedarfs bei solchen Anbietern ein.

Doch Bezos will mehr. Die offizielle Sprachregelung bei Amazon verbietet zwar jegliche Kampfansagen an die klassischen Zustelldienste wie UPS, Fedex oder auch die Deutsche-Post-Tochter DHL. Bei der Telefonkonferenz mit Analysten am Anschluss an die Bilanzvorlage betonte das Management erneut die Verbundenheit mit den Logistikpartnern und vermied den Eindruck eines direkten Wettbewerbs. Doch die Ambitionen, eine eigene Lieferinfrastruktur aufzubauen, lassen sich nicht von der Hand weisen.

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