Fehlende Investitionen
Deutschlands Nahverkehr steht vor dem Kollaps

Der deutsche Nahverkehr ist chronisch unterfinanziert. Viele Bahnen gehören auf den Schrottplatz, den Städten fehlen Milliarden für die Netzsanierung, erste Strecken werden stillgelegt. Der Leidtragende ist der Kunde.
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DüsseldorfJeder Deutsche, der morgens mit dem öffentlichen Nahverkehr zur Arbeit pendelt, kennt diese Durchsage: „Wegen einer Störung im Betriebsablauf verspätet sich die Bahn heute um wenige Minuten“. Dann ist der Ärger groß - am Bahnsteig wird wütend geschnaubt, geschimpft und gemeckert.

Andere hingegen reagieren mit Gelassenheit: Warum soll man sich über den täglichen Irrsinn im deutschen Nahverkehr noch aufregen? S-Bahn, U-Bahn, Straßenbahn: überall dasselbe Bild. Doch die Lage wird Tag für Tag schlimmer. Am augenscheinlichsten ist das im Ruhrgebiet.

Die Mülheimer Verkehrsbetriebe haben zwei Kilometer der Straßenbahnlinie 104 kurzfristig stillgelegt. Die Strecke ist so marode, dass sie nicht mehr sicher befahren werden kann. Was Kommunalpolitiker und Bürger der Ruhrgebietsstadt mächtig aufregt, schlägt überregional keine Welle. Dabei ist die scheinbar unbedeutende lokale Bankrotterklärung ein Alarmsignal für den Zustand des gesamten öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) der Republik.

Die besten Bahnansagen bei Twitter

Bahnen und Busse, die längst auf den Schrott gehören, und Steuerungstechnik, die eigentlich nur noch in Museen zu finden ist, sind Normalität. Den Städten fehlen die Mittel zur Sanierung, von Neubau ganz zu schweigen. Nach einer Studie der Intraplan Consult staute sich bundesweit der Ersatzbedarf 2008 schon auf 2,5 Milliarden Euro, jährlich kommen rund 550 Millionen Euro hinzu.

Heute sind es schon mehr als 3,6 Milliarden Euro, die wegen leerer Kassen nicht investiert wurden. Der Nahverkehr, so das ernüchternde Resümee der Studie, „fährt auf Verschleiß“. Betriebsstilllegungen wie in Mülheim gehören bald zur Tagesordnung.

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Pleitestädte haben kein Geld

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Immer mehr Fahrgäste

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  • @PeterScholz1
    Zitat:
    Hier kann man einer Streife 50-mal in Folge vor der Nase eine Oberleitung klauen, die merken nichts. Ob das an der weiblichen Beifahrerin liegt?
    --------
    Den Verantwortlichenen -vor allem den Politikern wurden doch ihre "Oberleitungen" auch schon geklaut.
    Da leitet nichts mehr weiter.
    Kann man ihnen nur wünschen, dass die restlichen "Leitungen" noch funktionieren. Der Kopf ist schon auf Null-Energie.
    Das Land der Dichter und Denker verkommt zum Land der Träumer und Schenker.

  • Minstrel

    Für Oberleitungsklau ist unser Rechtsstaat nicht zuständig, denn der Rechtsstaat wird am Hindukusch verteidigt. Darüber witzeln sogar unsere Freunde in Afghanistan.
    Hier kann man einer Streife 50-mal in Folge vor der Nase eine Oberleitung klauen, die merken nichts. Ob das an der weiblichen Beifahrerin liegt?

  • @tabu
    Zitat:zwischen Kopfschütteln und dreinschlagen wollen,baden
    die Menschen den blinden dummdreisten Aktionismus der Politik aus..Man müßte alle für befangen und nicht mehr
    handlungsfähig erklären..quasi entmündigen.
    -------
    Richtig, alle für unzurechnungsfähig erklären. Am besten in ein Zisternsienser Kloster stecken- abgeschieden von der Welt -bei Wasser und Brot-ohne Taschengeld und Luxus- ohne Handy-TV-PC und all den Schnick Schnack, dann würden sie zur Besinnung kommen.
    Tägliche gemeinsame Gebetsstunde mit der Bitte-/Lied: Komm hl.Geist auf uns herab ...
    Ich bin sicher-Gott hätte Erbarmen mit den Armen Kreaturen. Sie kämen alle geläutert zurück.
    (Satiere Ende!!)
    Wäre das ein Vergnügen sie dort schmachten zu sehen.

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