Feindlicher Übernahmeversuch
Nasdaq will in London Fakten schaffen

Zuerst hatte die US-Technologiebörse Nasdaq auf die nette Art versucht, den britischen Konkurrenten LSE zu kaufen. Doch das Management der Londoner Börse blockte ab. Nun werden die Amerikaner unfreundlicher. Sie haben ein feindliches Übernahmeangebot vorgelegt.

HB LONDON. Wegen der ablehnenden Haltung der LSE-Führung richte sich die Offerte von 2,7 Mrd. Pfund (rund 4 Mrd. Euro) nun direkt an die Aktionäre des Londoner Börsenbetreibers, erklärte die Nasdaq am Dienstag. Die Anleger hätten bis zum 11. Januar Zeit, das Angebot anzunehmen.

Die New Yorker Technologiebörse hält derzeit knapp 29 Prozent an der London Stock Exchange (LSE). Sollte der Zusammenschluss von Nasdaq und LSE zu Stande kommen, entstünde die mit Abstand größte Börse der Welt. An ihr würden Aktien von mehr als 6 400 Unternehmen gehandelt.

Die Offerte von 1 243 Pence je Aktie hatte die US-Börse bereits am 20. November vorgelegt. Sie war die zweite, die Nasdaq innerhalb weniger Monate für den Aktienmarktbetreiber präsentiert hatte. Die LSE-Führung bezeichnete das Angebot aber als zu niedrig.

Nasdaq hält sich beim geplanten Kauf der LSE offenbar die Möglichkeit offen, auch nur eine Kontrollmehrheit zu übernehmen. Die Verträge mit Kreditgebern ermöglichten der US-Börse nur gut 21 Prozent zuzukaufen und so eine Kontrollmehrheit von 50,1 Prozent zu übernehmen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters aus mit dem Angebot vertrauten Kreisen.

Die Londoner Börse war in der Vergangenheit häufig als Übernahmeziel gehandelt worden. Sie ist relativ klein, wächst aber schnell. Bislang hat die LSE indes allen Übernahmeversuchen widerstanden. Alleine die Deutsche Börse war zwei Mal gescheitert und mühte sich danach – ebenfalls vergebens – um die französisch dominierte Mehrländerböse Euronext.

Die internationalen Börsen bemühen sich wegen des steigenden Kostendrucks durch Kunden und Nutzer seit Jahren um Fusionen und Übernahmen in der stark zersplitterten Branche. Vor allem Großkunden wie Banken drängen auf niedrigere Gebühren für Wertpapiergeschäfte und Nachhandelsaktivitäten wie die Abwicklung und Abrechnung von Transaktionen. Aus diesem Grund haben einige Großbanken angekündigt, einen eigenen Handelsbplatz aufzubauen.

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