Ferienflieger Warum SunExpress weiter auf die Türkei setzt

Obwohl die Lage in der Türkei unsicher ist, stockt SunExpress sein Angebot zum Sommer um ein Viertel auf. Für Krisen am Bosporus hat der Ferienflieger von Lufthansa und Turkish Airlines allerdings einen Plan B.
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Eine Komplettübernahme der Airline durch die Lufthansa ist vorerst vom Tisch. Quelle: dpa
SunExpress

Eine Komplettübernahme der Airline durch die Lufthansa ist vorerst vom Tisch.

(Foto: dpa)

FrankfurtTürkei – dieses Ziel fassen die meisten Airline-Chefs zurzeit mit spitzen Fingern an. Die unsichere politische Lage, Terroranschläge und Verhaftungen haben schon 2016 zu einem massiven Einbruch in der Nachfrage nach Reisen dorthin geführt. Ferienfluggesellschaften wie Tuifly oder Condor haben ihr Angebot in die Türkei deshalb auch im kommenden Sommer deutlich eingedampft. Nicht so SunExpress. „Wir erhöhen unsere Kapazität im Sommer gegenüber dem Sommer vergangenen Jahres um 25 Prozent“, sagte Airline-Chef Jens Bischof am Montag in Frankfurt.

Bischof führt die Airline, zu der auch der deutsche Ableger SunExpress Deutschland gehört, seit Jahresbeginn. Zuvor war er Vorstand in der Passagiersparte von Lufthansa. Nachdem er viele Jahre immer nur für einen Ausschnitt einer Fluggesellschaft verantwortlich gewesen sei, mache es ihm viel Spaß, nun eine komplette Airline steuern zu können, erzählt der 51-Jährige mit spürbarer Begeisterung.

Dabei ist sein neues Amt knifflig. SunExpress ist ein mittlerweile 25 Jahre altes Joint-Venture von Lufthansa und Turkish Airlines. Im vergangenen Jahr war es zwischen den beiden Gesellschaftern zu Missstimmungen gekommen – unter anderem wegen Strategiefragen. SunExpress Deutschland fliegt für die Lufthansa-Tochter Eurowings Langstrecken und hatte zu Beginn des vergangenen Jahres Probleme mit zum Teil massiven Verspätungen. Später im Jahr fehlten dann Piloten.

Lufthansa sah die Schuld dafür vor allem auf der türkischen Seite. Kurzzeitig hatte Lufthansa deshalb eine Komplettübernahme von SunExpress und die Integration in Eurowings geprüft. Doch das ist laut Bischof mittlerweile vom Tisch. „Man hat sich bewusst dafür entschieden, das gemixte Modell weiter zu fahren, auf beiden Seiten“, betonte der Airline-Chef mit Blick auf die Joint-Venture-Struktur. Das bedeute aber nicht, dass man nicht noch enger mit Eurowings zusammenarbeiten könne. „Die Anteilseigner loten natürlich immer alle möglichen Optionen aus.“ So sei ein Ausbau der Langstrecke für Eurowings durchaus denkbar.

Mit welchen Airlines Sie pünktlich landen – und mit welchen nicht
Platz 10: Qantas (Australien)
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Aus über 500 Quellen haben die Experten von Flightstats ausgewertet, wie viele Flüge der internationalen Airlines im Jahr 2016 mit Verspätung gelandet sind. In der Rangliste der großen Fluggesellschaften kommt die australische Qantas mit 15,7 Prozent unpünktlichen Flügen auf Platz zehn.

Quelle: Flightstats/Bloomberg

Platz 9: TAM Linhas Aéreas (Brasilien)
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Die Airline ist die brasilianische Tochter des südamerikanischen Luftfahrtkonzerns Latam. 2016 waren 14,93 Prozent der Landungen verspätet.

Platz 8: Delta Air Lines (USA)
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Die größte Airline der USA fliegt von ihrem Knotenpunkt Atlanta aus Ziele weltweit an. Das Unternehmen führte 2016 rund 1,9 Millionen Flüge an – nur 14,83 Prozent davon kamen verspätet an.

Platz 7: Singapore Airlines (Singapur)
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Die Fluglinie aus dem ostasiatischen Stadtstaat fliegt Ziele auf der ganzen Welt an. Von den gut 85.000 Flügen im Jahr 2016 kamen 14,55 Prozent unpünktlich an.

Platz 6: ANA (Japan)
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All Nippon Airways ist die größte japanische Airline. Im vergangenen Jahr landeten 14,46 Prozent der Flüge mit Verspätung.

Platz 5: Austrian (Österreich)
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Die Lufthansa-Tochter aus Österreich hat es mit ihrer Pünktlichkeitsbilanz auf den fünften Platz geschafft. 14,26 Prozent der Ankünfte waren 2016 verspätet.

Platz 4: Qatar Airways (Katar)
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Von den angriffslustigen Airlines vom persischen Golf hat es nur die Fluggesellschaft aus dem Emirat Katar in die Spitze geschafft. Hier kamen vergangenes Jahr 13,66 Prozent der Flüge zu spät an.

Bischof selbst möchte sich aber vorerst lieber um sein eigenes Tagesgeschäft kümmern. Da steht Expansion auf der Agenda. Im massiven Ausbau des Angebots in die Türkei sieht Bischof kein Problem. Zum einen habe es Ende vergangenen Jahres aufgrund der Zurückhaltung der Rivalen Kapazitätsengpässe gegeben. „Und da viele Wettbewerber im kommenden Sommer weitere Kapazitäten rausnehmen, sehen wir durchaus eine Chance für uns“, begründet der Airline-Manager seinen Optimismus.

Zudem kann sich SunExpress auf die so genannten ethnischen Verkehre verlassen, Staatsbürger der Türkei etwa, die zu Verwandtenbesuchen in ihre Heimat und wieder zurück nach Deutschland reisen. Hier kommt SunExpress auf einen Marktanteil von 45 Prozent. „Dieses Geschäft ist relativ frei von den üblichen Volatilitäten“, so Bischof.

„Kurzfristig auf andere Strecken umshiften“
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2 Kommentare zu "Ferienflieger: Warum SunExpress weiter auf die Türkei setzt"

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  • Weil SunExpress durch seine Vertragsgestaltung keine andere Möglichkeit bleibt?

  • Da wird bald eine weitere Airline zum Sanierungsfall.

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