Ferrari Lehren aus dem Testarossa-Debakel

Der Autobauer muss seine Kultmarke Testarossa löschen, weil er sie in den letzten Jahren nicht genug genutzt hat. Das Urteil beruht auf einem Fehler Ferraris – die Commerzbank zeigt, wie es besser geht.
Kommentieren

DüsseldorfDer Testarossa: bis zu 446 PS, zwölf Zylinder, Beschleunigung auf fast 290 km/h pro Stunde – und eigentlich untrennbar mit dem Namen „Ferrari“ verknüpft. Trotzdem soll der italienische Autohersteller in die Löschung der deutschen und internationalen Marke einwilligen. Das urteilte das Düsseldorfer Landgericht in dieser Woche. Der Grund: Ferrari hat die Marke in den letzten Jahren zu wenig genutzt. „Eine Marke muss genutzt werden, damit sie geschützt bleibt. Das hat das Unternehmen hier nicht getan“, erklärte eine Gerichtssprecherin.

Geklagt hatte der Nürnberger Spielzeugfabrikant Kurt Hesse. Er will die Marke Testarossa nutzen, ohne dafür Lizenzen zu bezahlen. Und er hat schon große Pläne: Nicht nur Spielzeug will er unter der Marke vertreiben, sondern auch E-Bikes und Rasierer.

Das Urteil muss eine Warnung sein für viele andere Markenhersteller – nicht nur in der Autoindustrie. „Das Urteil gründet darauf, dass für eingetragene Marken eine Benutzungserfordernis besteht. Das heißt, wenn eine Marke länger als fünf Jahre nicht benutzt wird, kann sie gelöscht werden“, erklärt Markenrechtsexperte Michael Knospe von der Kanzlei Simmons & Simmons. Mit der Regelung soll verhindert werden, dass Marken blockiert werden.

Seit 1996 wird das Kultauto nicht mehr gebaut, etliche Modelle stehen in Museen, wie hier in Sinsheim. Quelle: dpa
Ferrari Testarossa

Seit 1996 wird das Kultauto nicht mehr gebaut, etliche Modelle stehen in Museen, wie hier in Sinsheim.

(Foto: dpa)

Ferrari hatte zwar zuletzt 1996 einen Testarossa produziert. Der italienische Autohersteller argumentierte aber vor Gericht, dass er die Wagen weiterhin warten, reparieren und aufbereiten müsse. Für das Düsseldorfer Landgericht zählte das allerdings nicht zur Nutzung. „Letztlich dient eine Marke, die nur für Automobile eingetragen ist, nur zur Unterscheidung von Automobilen. Ein Ölwechsel oder eine Reparatur sind aber nicht wirklich mit einer Marke verknüpft“, erklärt Knospe.

Für den Markenrechtsexperten war weniger das Urteil als ein ganz anderer Aspekt überraschend. „Im Warenverzeichnis hat Ferrari den Testarossa nur für Land-, Luft- und Wasserfahrzeuge geführt – allerdings für keinerlei Marketingartikel wie T-Shirts, Schlüsselbänder oder eben Spielzeug – und übrigens auch nicht für Dienstleistungen wie Reparatur oder Wartung“, erklärt Knospe. Weil die Marke Testarossa nun wohl erlischt, darf jetzt jegliches Zubehör unter dem Namen verkauft werden – und zwar ohne dass dafür Lizenzen abgeben werden müssen, sofern das Urteil rechtskräftig wird.

Das sind die angesagtesten Spielzeuge 2016
Stadlbauer: Carrera Go Plus
1 von 10

Auch wenn der Führerschein noch einige Jahre entfernt ist, spielen Autos bei vielen Kindern bereits eine große Rolle. So schafft es auch „Carrera Go!!! Plus“ unter die zehn beliebtesten Spielzeuge 2016. Die Bahn kann per Bluetooth auch mit der Carrera-App verbunden werden.

Die „Top 10 Spielzeug“ ist eine jährliche Marketingaktion für Spielzeug und Freizeitartikel in Deutschland. Die Jury, die über die zehn besten Spielzeuge abstimmt, setzt sich aus dem Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) und mehreren Spielzeug- und Freizeitexperten wie Michael Melzer, Geschäftsführer Central Europe von Toys „R“ Us, zusammen.

Hasbro: Torch, mein kleiner Drache
2 von 10

Der Drache Torch ist Teil der Spielzeugreihe „FurReal Friends“ und kann auf Knopfdruck roten Sprühnebel speihen. Das Spielzeug wird vom deutschen Ableger des US-Konzern Hasbro vertrieben. Hasbro zählt in der Spielwarenbranche zu den Marktführern und setzte zuletzt 1,68 Milliarden Dollar um. Vor zwei Jahren hat Hasbro sich den lukrativen Lizenzvertrag für die Disney-Figuren gesichert. Die Firma wurde 1923 als Familienunternehmen von den Brüdern Henry und Hillel Hassenfeld gegründet.

Ravensburger: Tiptoi-Spielwelten
3 von 10

Die Tiptoi-Spielwelten des Traditionsunternehmens Ravensburger schaffen es ebenfalls unter die Top Spielzeuge 2016. Für Kinder zwischen vier und acht Jahren werden gleich mehrere Welten wie Polizei und Autorennen angeboten und enthalten neben Spielfiguren Elemente zum Zusammenbauen. Der 1883 gegründete Hersteller Ravensburger zählt zu den ältesten Unternehmen in der Branche und brachte 1959 unter anderem die Erstversion von Memory auf den Markt.

Spin Master: Hatchimals
4 von 10

Die „Hatchimals“ gehören zu den interaktive Spielzeugen. Beim Kauf ist das Ei zunächst geschlossen. Es schlüpft erst dann ein Küken, wenn das Ei ordentlich versorgt und gepflegt wird. Im Anschluss gibt es einen dreistufigen Entwicklungsprozess des Kükens zum ausgewachsenen Hatchimal. Das Spielzeug wird von dem kanadischen Unternehmen Spin Master produziert, das 1994 von den Freunden Ronnen Harary and Anton Rabie gegründet wurde. Obwohl es die Hatchimals seit kurzer Zeit zu kaufen gibt, gehören sie schon jetzt zu den Verkaufsschlagern.

Clementoni: Heimspiel
5 von 10

Auch aus der Spielwaren-Welt ist „König Fußball“ nicht wegzudenken – der Fußball-Manager „Heimspiel“ schafft es ebenfalls unter die besten zehn Spielzeuge. Bei dem Strategie-Spiel müssen die Spieler ihre eigene Mannschaft aufstellen, taktieren und ihren Kader durch Käufe und Verkäufe möglichst gut zusammenstellen. Vertrieben wird das Spiel, das mit einer Altersempfehlung ab zwölf Jahren besonders Jugendliche und Erwachsene ansprechen soll, von Clementoni Deutschland.

Revell: Revell Junior Kit
6 von 10

Mit den Modellbausätzen der US-Firma Revell sollen besonders Kleinkinder angesprochen werden. Durch einen speziellen Schraubmechanismus können die Fahrzeuge ohne Kraftaufwand zusammengebaut werden, da sie einfach ineinander gelegt werden und mit extra-großen Schrauben ausgestattet sind. Durch diese Technik sind die Modelle bereits für Kinder ab vier Jahren geeignet – und schaffen es auch deshalb unter die besten zehn Spielzeuge.

Lego: Nexo Knights – Jestros Vulkanfestung
7 von 10

Auch Lego gehört in einem Großteil deutscher Kinderzimmer zum Standardreportoire, ist aber auch bei immer mehr Erwachsenen eine beliebte Freizeitbeschäftigung. Die Vulkanfestung ist dabei nur eines von vielen Angeboten des dänischen Lego-Konzerns, der weltweit erfolgreich ist und erst vor einigen Tagen seine erste Produktionsstätte in China eröffnet hat. Unter den beliebtesten Spielzeugen 2016 darf Lego ebenfalls nicht fehlen.

So wird es Spielzeughersteller Hesse in Zukunft wohl machen – eine Fahrlässigkeit Ferraris. Hätte der Autobauer im Vorfeld das Warenverzeichnis auf weitere Produkttypen ausgeweitet, dann wären noch immer Lizenzgebühren fällig – ganz egal, wie lange der Testarossa selbst nicht mehr produziert wurde.

Vorher musste auch für andere Produkte eine Lizenzgebühr gezahlt werden, weil es sich bei Testarossa um eine besonders bekannte Marke handelt. In dem Fall greift eine Ausnahmeregelung, auch wenn die Marke im Warenverzeichnis auf einen bestimmten Produkttypen festgelegt ist.

„Es wäre natürlich geschickter gewesen, wenn man gerade bei so einer prestigeträchtigen Marke das Warenverzeichnis etwas breiter angelegt hätte“, findet Knospe. „Daher könnte das Urteil auch ein Weckruf für Inhaber bekannter Marken sein, das Warenregister in Zukunft viel breiter zu fassen.“

Bei Ferrari ist dieser Weckruf angekommen: Mittlerweile hat das Unternehmen schon einen entsprechenden Antrag gestellt. Ganz vorbei ist die der Kampf also noch nicht – vor allen Dingen auch, weil das Urteil noch angefochten werden kann.

Das Theater hätten sie sich jedoch sparen können, wenn sie sich rechtzeitig ein Beispiel an der Commerzbank genommen hätte. Denn die hat nach der Übernahme der Dresdner Bank Vorsorge getroffen, um die bekannte Marke nicht an einen möglichen Konkurrenten zu verlieren. Sie unterhält bis heute genau eine Filiale unter dem Namen „Dresdner Bankr“ - am Altmarkt in Dresden.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.
Startseite

Mehr zu: Ferrari - Lehren aus dem Testarossa-Debakel

0 Kommentare zu "Ferrari: Lehren aus dem Testarossa-Debakel"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%