Ferrovie dello Stato beteiligt sich an TX Logistik und will international wachsen
Italiens Bahn greift in Deutschland an

Die italienische Staatsbahn, Ferrovie dello Stato (FS), wird der Deutschen Bahn künftig direkte Konkurrenz machen: Mit zunächst 15 % übernimmt der Konzern aus Rom eine Minderheitsbeteiligung am privaten Logistikdienstleister TX Logistik aus Bad Honnef.

ROM. Die Italiener verfügen über eine Option, diesen Anteil bis auf 40 % zu steigern. FS wolle im Zuge der Liberalisierung des europäischen Schienenverkehrs international wachsen, sagte FS-Präsident Giancarlo Cimoli im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Der Einstieg bei TX Logistik hat für uns große Bedeutung, da das Unternehmen sich auf die extrem wichtige Nord-Süd-Achse im Alpenverkehr konzentriert.“

Cimoli schätzt, dass das erst 1999 gegründete Unternehmen seinen Umsatz von 28 Mill. Euro (2002) in den kommenden vier Jahren auf 200 Mill. Euro steigern wird. Aktuell ist TX Logistik das drittgrößte schienengebundene Transportunternehmen Deutschlands.

Wie FS bemühen sich derzeit viele europäische Staatsbahnen, jenseits der Landesgrenzen tätig zu werden. Allen voran hat die Deutsche Bahn (DB) durch die jüngste Übernahme von Stinnes ein internationales Geschäft für jene Kunden aufgebaut, die Logistikdienstleistungen aus einer Hand einkaufen wollen. Am weitesten fortgeschritten sind in diesem Zusammenhang die globalen Anbieter UPS aus den USA und TNT aus Holland. Im Vergleich dazu nimmt sich die Expansion der FS in Deutschland noch bescheiden aus.

Doch Cimoli skizziert, wohin die Reise gehen soll: FS wolle sein Logistikgeschäft möglicherweise auch in anderen Ländern mit ähnlichen Beteiligungen ausbauen. Viele Regierungen hätten die Märkte für den Güterverkehr bereits geöffnet. Auf Grund der geographischen Lage sei für FS insbesondere die Alpenländer von Interesse, wo neben Konkurrenz auch Kooperationen mit den dortigen Staatsbahnen denkbar seien. FS arbeite beispielsweise mit der österreichischen ÖBB beim Verkehr über den Brenner erfolgreich zusammen. Nur ein Jahr nach Vertragsschluss habe sich die Pünktlichkeit der Güterzüge um 30 Prozent erhöht.

Insgesamt ist die Angriffslust ein Indiz für den guten Gesundheitszustand der FS. Im vergangenen Jahr hat die einst völlig ineffiziente italienische Bahn, die 1996 noch rund 2 Mrd. Euro im Jahr verbrannte, mit 78 Mill. Euro zum zweiten Mal in Folge einen Nettogewinn erzielt. Davon sind andere Bahnen – auch die DB – noch weit entfernt. Allerdings sind in dem Ergebnis knapp 2 Mrd. Euro Staatszuschüsse enthalten. Sie gleichen laut Cimoli allerdings nur den vergleichsweise geringen Automatisierungsgrad aus und würden kontinuierlich zurückgeführt. Zudem ist Zugfahren mit der FS billig. Auf Normalstrecken zahlt der Fahrgast lediglich 40 % des in Deutschland üblichen Preises.

Auch in diesem Jahr peilt FS unterm Strich wieder schwarze Zahlen an. Das Ergebnis des vergangenen Jahres sei allerdings kaum zu wiederholen, da die Personalkosten infolge von Tarifverhandlungen steigen würden, sagt Cimoli. Seit 1996 hat sich FS von 50 000 Mitarbeitern getrennt, andererseits 20 000 meist höher qualifizierte Kräfte eingestellt. Cimoli erwartet, dass in Zukunft höchstens noch 10 % der aktuell 100 000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Das Gröbste sei geschafft. Trotz dieser erfreulichen Ergebnisse, die auch eine Steigerung der Pünktlichkeit auf europäisches Niveau beinhaltet, glaubt Cimoli nicht an einen Börsengang vor 2010. Denn: „Wir investieren derzeit 7 Mrd. Euro jährlich – Tendenz steigend. Die Abschreibungen auf diese Projekte werden unsere Ergebnisse noch lange belasten.“

Quelle: Handelsblatt

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