Fertiggerichte: Auch deutsche Hersteller haben Pferdefleisch verwendet

Fertiggerichte
Auch deutsche Hersteller haben Pferdefleisch verwendet

Pferdefleisch in Rindergulasch und Nudelgerichten: Auch die Discounter Aldi und Lidl sind betroffen. Wie sich nun herausstellt, sind auch deutsche Lebensmittelhersteller beteiligt.
  • 35

Mülheim/Neckarsulm/BrüsselDer Pferdefleisch-Skandal betrifft viel mehr Firmen und Fertiggerichte als bisher angenommen. Der Lebensmittel-Discounter Aldi Süd nahm am Freitag zwei Fertiggerichte aus den Regalen, der Konkurrent Lidl zog ein Nudelgericht aus dem Verkehr, auch Metro ist betroffen.

Eigene Analysen hätten Pferdefleisch nachgewiesen, teilte eine Aldi-Sprecherin am Freitag mit. Die betroffenen Produkten hießen „Ravioli, 800 g Dose (Sorte Bolognese)“ und „Gulasch, 450 g Dose (Sorte Rind)“. Lidl stoppte den Verkauf seiner Nudeln namens „Tortelloni Rindfleisch“. Bei Lidl in Österreich war darin Pferdefleisch gefunden worden.

Das Nudelgericht stammt nach Angaben von Lidl und des Gesundheitsministeriums in Wien von der deutschen Firma Gusto GmbH. Damit bekommt der Skandal eine neue Dimension: Bisher stammte die falsch deklarierte Ware mit Pferdehack von französischen Produzenten. Bei Gusto war niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Der Handel nimmt derweil Hunderttausende Packungen Lasagne aus den Tiefkühltruhen. Die Ware wird vernichtet.

Die Metro-Großhandelsmärkte nehmen in Deutschland ein Lasagne-Produkt aus den Regalen. Auf einen Hinweis des Lieferanten sei die „Lasagne Bolognese Capri 400g“ rein vorsorglich aus dem Verkauf genommen worden, erklärte ein Sprecher von Metro Cash & Carry in Düsseldorf. Bislang lägen keine gesicherten Erkenntnisse zu möglichen Verunreinigungen mit Pferdefleisch vor. Bei der gestoppten Lasagne, die an den Lieferanten zurückgesandt worden sei, handele es sich nicht um ein Eigenmarkenprodukt von Metro Cash & Carry.

Die EU-Staaten wollen bei der Fahndung nach falsch deklariertem Pferdefleisch nun Gentests machen. Darauf einigten sich am Freitag Vertreter der 27 Staaten in Brüssel. Die EU-Kommission übernimmt teilweise die Kosten der Untersuchungen, die bis spätestens Ende März abgeschlossen sein sollen. Bis dahin sollen die nationalen Behörden 2250 Rindfleischprodukten testen. Auf jedes Land entfallen dabei zwischen 10 und 150 Gen-Proben.

Branchenkenner äußerten den Verdacht, dass illegal geschlachtete Pferde im Hackfleisch landeten. „Wir können uns nicht vorstellen, dass Pferdefleisch zu einem Bruchteil des Preises für Rind legal gehandelt wird“, sagte der Sprecher des Deutschen Fleischer-Verbands (DFV), Gero Jentzsch. Weil der Markt für Pferdefleisch so klein ist, können allerdings weder der DFV noch die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) in Bonn einen genauen Preis für Pferdefleisch nennen.

Die Arzneimittelkommission Deutscher Apotheker warnte vor dem Medikament Phenylbutazon, das in exportiertem Pferdefleisch aus Großbritannien entdeckt wurde. „Es ist ein stark wirksames Mittel gegen Entzündungen im Körper und keinesfalls total unproblematisch“, sagte die Expertin Petra Zagermann-Muncke. Als Nebenwirkungen seien schwere allergische Reaktionen - Hautausschläge oder Asthma - oder Blutbildschäden möglich, auch unabhängig von der Dosis. Phenylbutazon wird bei Pferden als Dopingmittel verwendet.

Spuren von Pferdefleisch sind jetzt auch in einem Fertigprodukt eines deutschen Lebensmittelherstellers gefunden worden. Die Dreistern-Konserven GmbH & Co. KG aus dem brandenburgischen Neuruppin teilte auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa mit, dass „in dem Produkt mit der Bezeichnung Rindergulasch 540g Omnimax und dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) 05.11.2015 Spuren von Pferde-DNA nachgewiesen“ worden seien. Bisher stehen französische Hersteller im Fokus der Pferdefleisch-Debatte.

Seite 1:

Auch deutsche Hersteller haben Pferdefleisch verwendet

Seite 2:

Zehntausende Lasagnen werden vernichtet

Kommentare zu "Auch deutsche Hersteller haben Pferdefleisch verwendet"

Alle Kommentare
  • Das hat alles mit Europa zu tun. Wenn man das Essen von einem Land in eine anderes verfrachtet, um es dann über drei andere wieder zurückzuschleusen, na dann kann es halt schon sein, dass sich auf einmal die Verpackung ändert ohne dass man das so direkt merkt.

    Was wird man jetzt machen: mehr Kontrolle. Lang lebe die Überwachung.

  • Ich brauche keine chemischen Laboruntersuchungen und DNS-Tests. Vor Jahren schon wurde mir nach Fleischverzehr immer wieder schlecht und ich esse deshalb schon lange kein Fleisch mehr. Ich hätte nicht gedacht, wie gut man als Vegetarier essen und leben kann.
    Übrigens: Haben Sie es gewußt?: Die Tierhaltung zur Fleischproduktion erzeugt mehr CO2 in der Atmosphäre als alle Verkehrsmittel zusammen, einschließlich Flugzeuge und Schiffe.

  • Die Verbraucherschützer sollten sich lieber mit der Thematik des "Botulismus" in deutschen/europäischen Rinderzuchtbetrieben kümmern anstatt sich mit einer etwas merkürdig anmutenden "Pferdefleisch"-Diskussion zu beschäftigen.

  • Leider ist es Fakt, dass sich in Deutschland im Wesentlichen nur billige Lebensmittel verkaufen lassen.
    Qualität fristet ein Mauerblümchendasein.
    Nach Qualität geschrien wird nur in Foren.

  • Ich finde solche Skandale "gut".

    Weil es den einen oder anderen stumpfen Fleischfresser vielleicht dann wenigstens aus persönlichem Ekel dazu bringt, das Zeug nicht mehr zu kaufen und evtl. auch insgesamt weniger Fleisch zu essen. Wär ja auch im Sinne der Klima-Bilanz. Viellecht werden solche Skandale ja auch deshalb in schöner Regelmäßigkeit "zelebriert" - inkl. Vogelgrippe in Brandenburg

  • Dieser neue Lebensmittelskandal zeigt, daß die Profitgeilheit der Unternehmen immer dollere Blüten treibt. Bislang hörte man als Entschuldigung immer den Preis, den der Verbraucher für Lebensmittel lediglich zu zahlen bereit ist und hierfür keine Qualität erwarten kann. Aktuellen Vergleichen nach ist die Geschichte von niedrigen Lebensmittelpreisen in Deutschland tatsächlich so nicht existent. Vielmehr bewegen wir uns innerhalb der EU auf Durchschnittsniveau, sodaß dieses billig-billig-Argument nicht zieht. Die Hersteller schieben undeklariertes Fleisch von Ost nach West...und wieder sieht das Verbraucherschutzministerium zu. Wie ist es eigentlich möglich, daß der Bürger für vergleichbare Verfehlungen in seinem Beruf fristlos entlassen wird, wärend Politiker stets ungeschoren davonkommen?

  • Wie können Sie bloß an Frau Aigner zweifeln? Die Dame wurde doch bereits mit einem wunderbaren Preis ausgezeichnet!

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/agrarministerin-aigner-erhaelt-negativpreis-umwelt-dinosaurier-a-874799.html

  • Wie wahr, genau meine Meinung..
    Ich selbst versuche möglichst nurnoch Fleisch von Metzgern zu kaufen die ich auch privat kenne oder gehe zum örtlichen Biobauern meines Vertrauens.
    Was ich außerdem pervers finde ist, dass ein - mit Sicherheit großer - Anteil der'Fleischfresser' es selbst nicht einmal zustande gebracht hätte das Tier auf ihren Tellern selbst zu schlachten.

    Über den Preis einer Biohähnchenbrust gestern im Supermarkt (~10€) war ich im Vergleich zu einer 'Nichtbiobrust' zum Preis von ~ 2,50 € sehr erstaunt und habe mich gefragt, wie denn wohl die Nichtbiohähnchen gehalten, versorgt und transportiert werden müssen, damit sie zu einem so niedrigen Preis verkauft werden können?

  • Meine Meinung:
    Die Seriosität des Handelsblatts sollte sich einer größeren Objektivität bedienen. Nicht das (gesunde) Pferdefleisch ist der eigentliche Skandal, sondern die betrügerischen Falsch-Deklarierungen, die das Vertrauen der Konsumenten gegen Null tendieren lassen.
    Und das Konsumenten-Verhalten? Da essen sie alle ekelhafte Fleisch-Sorten, sehen die Bilder von den widerlichen Massen-Tierhaltungen der Turbo-Fleisch-Produzenten - von Schwein bis Geflügel - und fühlen sich dann auch noch wohl beim Essen. Pangasius-Leichen, Viktoria-Barsche und andere in übelsten asiatischen und afrikanischen Fisch-Farmen mit Tier-Mehl und anderen ekelhaften Futter-Bestandteilen hoch-gepuschte "Fische" werden mit Genuss gegessen - wer soll diese Konsumenten noch verstehen..!?
    Gestern in den Nachrichten von ARTE: Das 10-Jahres-Verbot der Tiermehl-Verfütterung wegen BSE und Kreuzfeld-Jakob-Gefahr ist zu Ende. Die EU-Kommission erlaubt wieder Tiermehl für die Fisch-Farmen in der EU, auch Schweine dürfen z.B. wieder mit totem geschreddertem Geflügel und anderem Zeugs gefüttert werden. In Nicht-EU-Ländern ist das ohnehin praktizierte Realität - und wir fressen all das Zeug. An unseren Büdchen werden die überflüssigen und abgemurksten Hähnchen billigst angeboten, die sonst als Sonder-Müll entsorgt werden müssten - usw., usf...!
    Kommende Woche werde ich einen Pferde-Metzger aufsuchen und mir ein schönes Stück Pferde-Mettwurst besorgen - da habe ich obige Probleme mit Sicherheit NICHT..!

  • Das hat doch mit Europa wenig zu tun...
    Beschissen wurde auch schon bevor es die EU gab.

Serviceangebote